vom Lande , eine Abenteurerin ist - die ehemalige Braut des einen dieser Mönche - die Genossin des andern bei gewissen , unenthüllbaren , heimlichen Dingen ! - Lassen Sie lieber dies Geschöpf ! ... Durch die geöffneten Fenster schimmerten die Sterne ... Hätte sich allerdings Lucinde je einen solchen mit Klingsohr noch zu erlebenden Abend träumen lassen können , als sie in ihrem Pavillon auf Schloß Neuhof unter den Ulmen wohnte und H. Heine ' s Liederbuch las , das ihr Klingsohr geschenkt ... Klingsohr - um ihretwillen jetzt vielleicht todt ! ... Der Graf erbot sich voll Zuvorkommenheit zur Begleitung ... Die Mönche bleiben hier ; sagte er ... Der eine ist zu schwer verwundet , der andere leichter ... Aber Pater Vincente bewacht und pflegt sie beide ... Auch ist schon ein Arzt bei ihnen ... Sie liegen drüben beim Haushofmeister ... Die Villa bleibt die Nacht über bewacht ... Der Bargello läßt zehn Mann Wache zurück ... Sie werden , denk ' ich , ausreichen ... In der That war nun auch alles schon zerstoben und verflogen ... Der alte Fürst Rucca war so rasch entflohen , als wenn er sich wirklich an der adriatischen Küste befunden hätte ... Von dem getödteten Räuber versicherte man , es wäre der berüchtigte Pasquale Grizzifalcone selbst gewesen ... Cardinal Ceccone hatte sich nach dieser Recognition sofort von Lucindens Ohnmacht losgerissen , war in den Garten geeilt , wo die Leiche lag , und hatte sich jeden Gegenstand verabfolgen lassen , der sich in den Taschen des Gefallenen vorfand ... Dann war er eilends in seine glänzende Carrosse gestiegen und mit seinen beiden » Caudatarien « ( Schleppträgern ) in seine Wohnung gefahren , die mit der Sr. Heiligkeit unter einem Dache lag , nach dem Vatican ... Graf Sarzana lächelte spöttisch bei diesem Bericht und bot Lucinden den Arm ... Sie schwankte ... Tief erschöpft schritt sie an den Wagen ... Beide fuhren nach dem Palazzo Rucca am Pasquino . Fußnoten 1 Cardinal Wisemann ' s » Erinnerungen « . 4. Ganz Rom war von der gestrigen Begebenheit erfüllt . Der Schrecken des Kirchenstaats , Grizzifalcone , war getödtet worden von einem deutschen Franciscanermönche ! ... Der Messerstich , unter dem der Genosse des Mönchs zusammengesunken war , hätte besser diesem gebührt ! hieß es bei den Meisten ... Grizzifalcone wurde bemitleidet ! ... - » Der Aermste starb ohne Beichte - ! « sagten selbst die , die ihm vielleicht den längst verwirkten Tod gönnten ... Noch mehr ! In der Sphäre der Prälatur , des Adels , des gebildeten Gelehrtenstandes gingen seltsame Versionen ... Da war Grizzifalcone nicht zufällig , sondern aus geheimen Absichten » ermordet « worden ... Man sah die Kutsche des Cardinals hin und her fahren ... » Was man solchen Staatsmännern alles aufbürdet ! Man beschuldigt sie , selbst ihre besten Freunde nicht zu schonen ! « ... So lautete ein bittres Wort , das aus der Sphäre der » Verschwörungen « , wir wissen nicht , ob des jungen oder des alten Italien kam ... Die Aerzte , die der Cardinal in die fürstlich Rucca ' sche Villa geschickt hatte , erklärten , daß die Wunde , die der deutsche Mönch und Gefangene von San-Pietro in Montorio empfangen , so besorgnißerregend wäre , daß sie einen Transport desselben auf die Tiberinsel San-Bartolomeo zu den Benfratellen für unerläßlich hielten ... Der Laienbruder Hubertus kam mit einem leichten Verband davon ... Er ließ sich diesen nach seinen ihm eigenthümlich angehörenden chirurgischen Kenntnissen anlegen und bedauerte nur , nicht gleichfalls zu den Benfratellen kommen zu können , wofür nach Pater Vincente ' s Aeußerung keine Hoffnung war ... Wenn der Tragkorb den Pater Sebastus abholte , wollten sie ihm das Geleit geben und dann in ihre luftige Höhe nach San-Pietro zurückkehren ... Der Sack des Klosters war gestern über und über gefüllt gewesen ; aber im Tumult des Ueberfalls , des Schießens , der allgemeinen Auflösung des Festes war er von irgend einer vorsorglichen Seele aufbewahrt , d.h. gestohlen worden ... Der Stiletstich war dem verwundeten Pater Sebastus in die Rippen gedrungen ... Er hatte die Besinnung , athmete aber schwer und durfte nicht sprechen ... Was in seiner Seele lebte , mühte sich Hubertus statt seiner zu sagen ... Er traf nicht alles ... Pater Vincente , der neben den beiden auf Maisstrohbetten ruhenden Verwundeten und mit dem Luxus einer auf der Erde ausgebreiteten Matratze geschlafen hatte , berührte das Unsagbare schon näher , wenn er sprach : » So ist es mit all unsrer Sehnsucht ! Ich kann mir denken , daß ihr beide euer Leben lang nach dem Anblick Roms geschmachtet habt , und die erste Nacht , wo euch vergönnt war , euch am Ziel eurer Wünsche zu fühlen , mußte so verderblich enden ! Im Coliseum priesen wir die menschlichere Zeit , die uns nicht mehr den wilden Thieren vorwirft ! Raub und Mord sind darum von diesem Boden nicht gewichen ! ... « » Man kann Italien nicht verwünschen , das neben Räubern auch einen Pater Vincente hervorbringt ... « dachte Hubertus ... Das sah er wol , Klingsohr ' s Bewegungen kamen nicht von den Phantasieen des Wundfiebers allein her ... Lucinde in Rom ! ... Lucinde in so glänzenden Verhältnissen ! ... Hubertus hatte die Landsmännin bei ihrer Annäherung an die Bettlerschaaren zuerst erkannt und Klingsohr auf sie aufmerksam gemacht ... Diesem war sie anfangs eine Täuschung der Sinne , eine Luftspiegelung gewesen ... Soll diese erste römische Nacht mich toll machen ! rief er ... Bald aber sah er , daß auch Lucinde sie erkannte , von dem Offizier , der sie begleitete , fortzukommen suchte und ängstlich ihren Anblick vermied ... Nun wagte er dem muthigern Bruder Hubertus zu folgen ... Sie umgingen den Stand des Feuerwerks , schlichen sich in den Park , in den Garten , sahen , wie Lucinde sich von ihrer Gesellschaft frei machte und entfloh ... Dennoch schnitten sie ihr