Und dieser junge Schwärmer sagt ihr , daß er von Pauline von Ried sich trennen müsse , um zu leben , sie quäle ihn , sie morde ihn ... Ha ! Wie verwandt sind Sie ihm ! Ja , ja , Das ist die Sprache eines Don Juan , der kein andres Mittel , Amanda von Hohenberg zu bethören , wußte , als Das , mich herabzusetzen ! Egon lächelte und sprach fast in sich hinein : Heinrich Rodewald ist wie ich . Er konnte also das Glück nicht ertragen ! Ha , ha , Euer Glück ! Das Glück , Euch und Eure Liebe zu besitzen . Und Amanda , die glaubt , die liebt zum ersten Male , die jubelt , einen Mann gefunden zu haben , der ihr eine edlere Vorstellung von unserm Geschlechte einflößt als jener rohe , mit Orden behangene Landsknecht ! Sie beschließen eine Trennung von dem damaligen Grafen von Hohenberg . Rodewald , ein Gelehrter , schien ihr der reinsten Gegenliebe würdig . Sie scheidet von dem Badeorte , voll edelster Vorsätze - Falsch , heimtückisch gegen ihre Freundin - Aber wahr gegen meinen Vater und wahr gegen den Grafen , ihren Gatten . Amanda kommt nach Hohenberg -eben im Begriff , dem General ihre ganze Schuld einzugestehen , den Beistand eines Rechtsfreundes zu einer legitimen Trennung anzurufen , das Band , das sie an Rodewald knüpfte , kirchlich einsegnen zu lassen ... fällt dem zerrütteten Finanzwesen des großen Kriegers jene halbe Million der österreichischen ausgestorbenen Linie unsres Hauses zu ! Sie stockt nun . Nicht aus Gefallen am Glanze für sich , sondern aus Erwägung , Rücksicht , aus Liebe zu dem Kinde , das sie unter ' m Herzen trägt . Verlorne Stunden bei guten Vorsätzen sind verlorne Tage , verlorne Tage da verlorne Jahre . Mistrauen gegen Rodewald ergreift sie . Sie sieht ihn wieder . Wieder faßt sie neues Vertrauen . Wieder will sie sich dem General entdecken , wieder von ihm die Einwilligung zu einer Trennung begehren , will wieder wahr sein , tugendhaft , wenigstens bereuend , da erhebt der Monarch seinen Liebling in den Fürstenstand . Fürst Waldemar von Hohenberg ! Das Kind , das sie unter ' m Herzen trägt , nun ein Fürst : reich und ein Fürst ! Ein Kampf der Rücksichten ! Gegensatz auf Gegensatz ! Die Mutterliebe streitet mit der Liebe zu Rodewald , die Furcht , die Besorgniß übermannen sie . Die Entschließung verzögert sich . Der Augenblick des Geständnisses wird verschoben , verschoben die Möglichkeit einer Ehrenrettung vor der Welt und endlich ganz versäumt . Die Fürstin Amanda , damals noch weltlich , noch flatternd wie ein Schmetterling , denkt an die Zukunft ihres Kindes , träumt , daß es eine glänzende , glückliche sein könnte , und auch Rodewald ... nicht wahr , er ist an seine Kette zurückgekehrt ? Nein , Sie Grausamer ! unterbrach Pauline den vor sich hinstarrenden und diese Geständnisse nur kurz so ausstoßenden Egon . Nein , zurückgekehrt an ein Sterbebett ! Ich war dem Tode nahe ... Ich erfuhr von Rodewald ' s Untreue , aber ich glaubte nicht . Ich wollte nicht glauben . Noch jetzt , Egon , wenn nicht Heinrich ' s Auge , seine Stirn , sein Gang , sein eigenstes Wesen sich in Ihnen abspiegelte ... In der That ? bemerkte Egon seufzend und richtete das Haupt zu Paulinen auf , indem er sagte : Wie bin ich doch gefangen , Pauline ! Der stolze , ehrgeizige , weltstürmende , weltschirmende Egon hat eine Meisterin über sich , die ihm , wie Sie einmal sagten , die Hölle werden könnte ! Sie sind der Sohn Ihres Vaters ! Bastard von Hohenberg ! Wie mich Das schüttelte ! Wie mich Das eingeengt hat ! Wie bin ich sogleich stolzer , eitler geworden , als in meiner Natur liegen durfte . Ich hatte sogleich einen stillen Mahner in mir , den ich nicht anders betäuben konnte als durch Luxus und adlige Anmaßung . Die Wahrheit der Legitimität , die in der Form , im Zugeständnisse liegt , hab ' ich erst jetzt verstanden , jetzt erst gewürdigt . Ja , die Thatsachen entscheiden , nicht die Untersuchungen . Von dem Tage an , wo ich erfahren mußte , daß ich nicht des Fürsten echter Sohn bin , hab ' ich den Fürsten , meinen scheinbaren Vater , angefangen beinahe hochzuehren , beinahe liebzugewinnen , bin den Spuren seiner rohen Bildung fast mit Interesse gefolgt : Ich war Fürst mit Leib und Seele , des Fürsten echter Sohn im Geiste . Wie räthselhaft ist doch Alles im menschlichen Gemüth ! Wenn diese Geständnisse Ihrer Mutter , sagte Pauline , bewirkt haben , daß Sie Ihres Standes und Berufes eingedenk wurden , unpassende Freunde und Genossen aus Ihrem Umgange entfernten , Ihre Stellung behaupteten , so haben Sie mehr erreicht , als Amanda beabsichtigte - Ich bin reif in ein Kloster zu gehen oder den Propheten zu spielen und die Welt in Flammen zu setzen um meines Glaubens willen ... Geben Sie mir die Hand , Egon ! Seien Sie besonnen ! Was verdank ' ich Ihnen nicht ? Sie erquicken mein verschmachtendes Gemüth , Sie stillen noch einmal den Durst eines verzweifelnden Gefühles der Nichtbefriedigung ! Wie leb ' ich mit Ihnen ! Wie folg ' ich Ihrer großen , bewunderungswürdigen Bahn ! Wie sonn ' ich mich in Ihrem Glanze ! Diese Leidenschaften , die mich sonst darüber unglücklich gemacht haben würden , daß ich in Ihnen die Züge Heinrich Rodewald ' s wiederfand , schlummern nun ... Wie können Sie von einer Hölle reden ! Egon schwieg , blickte nieder und sagte zuletzt träumend : Wo mag mein Vater jetzt weilen ? Lebt er wol noch ? Wer ist das junge Mädchen gewesen , das Sie , Pauline von Ried , ihm selber gaben , um zu verhindern , daß er zur verhaßten Amanda zurückkehrte ? ... Wie