, Und er rief : » O hätt ' ich über den Damm Erst wieder zurück gefunden ! « Er sprach es und ritt im Zuge vorn , Er gab seinem Rosse Schlag und Sporn Und suchte die Zügel zu fassen ; So kam er bis an das » hohe Haus « , Da ward er eingelassen . Das war zu Vierraden . Auf Schlosses Brück ' Noch einmal sah er zurück , zurück , Im Herzen voll Weh ' und Leide : » Kettr-Angermünde , du vielgute Stadt , Daß so ich von dir scheide ! « * Der aber , der dies Lied euch sang , Ein Schmiedeknecht ist er schon lang Und sie nennen ihn Köne Fincken ; Und er führt ein Hämmerchen auf der Hand Und Gut-Bierchen mag er trinken . So das Lied von der Eroberung von Ketzer-Angermünde , an das ich , eh ich zu einer Schlußbetrachtung über die Quitzows und ihr Recht oder Unrecht übergehe , noch einige literarische Bemerkungen knüpfen möchte . Das deutsche Volkslied beziehungsweise die deutsche Volksballade gefeiert zu sehen , ist seit den Tagen Herders und der Romantiker etwas Herkömmliches geworden , darüber aber , daß neben diesem allgemein Volksliedmäßigen auch noch eine historische , nach der dichterischen wie landesgeschichtlichen Seite hin gleich ausgezeichnete Volksballade geblüht hat , ist man hinweggegangen , entweder weil man die Tatsache nicht genügend gekannt oder sie nicht recht zum Bewußtsein gebracht hat . Und doch ist in niederdeutschen Landen ( auf welche sich meine Bemerkungen ausschließlich beziehen ) ein , um es zu wiederholen , speziell historischer Balladenschatz gezeitigt worden , der an Schönheit und Bedeutung hinter dem englisch-schottischen nicht zurückbleibt , ja ihn vielleicht in diesem und jenem übertrifft . Jede der von mir mitgeteilten Balladen kann als ein Beweis dafür gelten , und Dichtungen wie die vom » Cremmer Damm « und von » Ketzer-Angermünde « , reichen an die Chevyjagd , die Schlacht bei Otterbourne , den Aufstand in Northumberland und viele andere Percy- und Douglasballaden heran . 13 Wer sich der Aufgabe unterzöge , das zu suchen und zu bearbeiten , was von etwa 1330 bis 1530 an derartigen historischen Volksepen und Volksballaden in Norddeutschland , ganz besonders aber in Westfalen , Friesland und Schleswig-Holstein gedichtet worden ist , würde der Literatur und landesgeschichtlichen Forschung einen gleich großen Dienst leisten und vielleicht imstande sein , manches davon ( ähnlich wie sich das Nibelungenlied einzubürgern wußte ) den Schmuck- und Lieblingsstücken unserer insonderheit der Schule dienenden Anthologien einzureihen . Chevyjagd » ... Nun denn , wohlan ! « rief Percy da , » Dies Feld sei unsere Schranke , Noch schlüpfte keiner mir hindurch . Sei ' s Schotte oder Franke . Das ist der Hirsch , den ich gesucht , Nun lohnt es sich zu jagen , Es brennt mein Herz , Mann gegen Mann , Die Schlacht mit ihm zu schlagen . « Lord Douglas hört ' s. Er ruft ihm zu : » Da soll mich Gott verderben , So wahr ein Lord ich bin wie du Du oder ich muß sterben . Doch hör mich , Percy , Schande wär ' s Und Schimpf an unsrem Leben , So vieler Mannen schuldlos Blut Mit in den Kauf zu geben . Es sei all ' unser Streit gelegt In unsre beiden Speere ... « » Verdammt sei der , rief Percy da , Der andren Sinnes wäre ... « Das gab ein Stechen und ein Hau ' n , Manch breite Wunde klaffte , Längst unser englisch Bogenvolk Nicht mehr den Bogen straffte . O Christ , es war für Herz und Sinn Ein Leid , nicht auszusagen , Wie stöhnend da in Sand und Blut Die Menschenknäule lagen . Und immer schwankte noch die Schlacht , Da endlich ... Cremmer Damm Markgraf Ludwig , der tapfere Held , Zum Damme sah man ihn reiten , Er dachte : » Die Pommern stehen im Feld Und werden den Damm überschreiten . Trompeter , sage dem Herzog an , Ich hätte groß Verlangen , Ihn und seine Ritter , Mann für Mann , Hier drüben zu empfangen . Und wenn es hier drüben ihm nicht behagt , So wollt ich ihm versprechen , Auch auf dem Luchdamm , unverzagt , Eine Lanze mit ihm zu brechen . « Drauf der Herzog : » Er woll ihm Rede stehn , Nicht-kommen das dünk ihm Sünde , Sie wollten sich treffen und wollten sehn , Wer das Spiel am besten verstünde . « Drauf ging es auf den Damm hinauf , Dicht standen da die Märker , Die wehrten sich einzeln und zu Hauf Doch die Pommern waren stärker . Die Märkischen konnten nicht bestahn , Das Luch war ihr Verderben , Und viele mußten da liegen gahn Und ohne Wunde sterben . Und mählich wichen sie Schritt um Schritt , Vor Cremmen weiter zu fechten , – Die Pommern folgten im festen Tritt , Die Ritter mit samt den Knechten . Aber vor Cremmen hielten sie an , Die Märkischen standen da Mann an Mann Und waren nicht zu vertreiben . 12. Kapitel 12. Kapitel Die Quitzows und ihr Recht oder Unrecht Und nun noch einmal zurück zu den Quitzows von 1400 bis 1414 , um uns , in einer Schlußbetrachtung , die Frage nach ihrem Recht oder Unrecht vorzulegen . Es entspricht innerhalb der märkisch-preußischen Geschichtsschreibung einem alten , beinahe heilig gesprochenem Herkommen , die Quitzows als Landesverräter , Buschklepper und Räuber anzusehen , eine Tradition , deren Anschauungen , um nicht zu sagen Dogmen , auch ein so hervorragender Gelehrter wie Adolf Friedrich Riedel – dem sich , an Wissen und Eingedrungensein in die kleinsten Einzelheiten der Quitzowzeit , wohl niemand an die Seite zu stellen wagt – auf das nachdrücklichste zustimmt . Riedel , damals nur die Anfänge einer Kontroverse vorfindend , schrieb 1851 : » Es ist , dem Urteile der Quitzowschen Zeitgenossen gegenüber , in neuerer Zeit der Versuch gemacht worden , die fortgesetzten