von Asselyn - ... lächelte Lucinde ... Die Herzogin war aufgesprungen ... Die Bewegung ihres Schreckens , die der Furcht zunächst vor Olympien galt , war erklärlich ... Der Schrecken konnte aber auch von etwas anderm kommen ... Die Zweige hatten in nächster Nähe gerauscht , wie unter Berührung eines leise Dahinschleichenden ... Man ist doch sicher hier ... konnte noch die Herzogin ihren Schreck maskirend , fragen ... Da deutete sie aber schon mit einem Aufschrei auf die grüne Decke des Weinlaubs , aus der sich spitze Hüte und Männerköpfe erhoben ... Lucinde wollte im selben Augenblick entfliehen ... Vergebens ... Schon hatten sie von hinten zwei Arme ergriffen ... Eine wilde Physiognomie , die nur die eines Räubers sein konnte , grinste sie an ... Ein widerwärtiger , dem gemeinen Italiener eigner , vom Genuß der Zwiebel und des Lauchs kommender Athem nahm ihr die Besinnung ... Sie konnte nicht von der Stelle ... Die Herzogin war an den Aufgang der Altane gestürzt und rief : Räuber ! Räuber ! Räuber ! ... Sie rief diese Worte - sie wußte selbst nicht , ob im Schrecken über den Ueberfall oder in dem über Lucindens Voraussetzung eines Briefwechsels zwischen ihr und Benno ... Sie wiederholte sie muthig , trotzdem daß unter dem Weinlaub alles lebendig wurde , wilde Männer in abenteuerlichen Trachten den Rand der Altane erkletterten , Pistolen und Dolche blitzten , Lucinde in die Arme eines Athleten geworfen wurde , der die Mauer schon erklettert hatte , während der erste , der bereits oben war und die im stillen Gespräch Verlorene von hinten überfallen hatte , Miene machte , nun auch die Herzogin zu ergreifen ... Die Räuber trugen die Tracht der Hirten , kurze Beinkleider , Strümpfe , Jacken , offene blaue Brusthemden ; die Gesichtszüge waren von Bart und künstlichen Farben entstellt ; die braunen sehnigen Hände eines dritten , der dem zweiten nachkletterte , stopften Lucinden , die vor Schrecken nicht einen Laut mehr von sich geben konnte , ein buntes Tuch in den Mund ... Während die Herzogin , halb auf der Flucht , halb muthig wieder innehaltend , ihre Hülferufe fortsetzte , sah sich Lucinde schon in den Armen des Riesen , der sich , auf den Rücken zweier andern sich stützend , an die Wand feststemmte und die Beute herunterzog mit den der Situation völlig widersprechenden Beschwichtigungsworten : Haben Sie doch keine Furcht , schönste Altezza ! ... Ei , Eure Excellenza sollen so gut schlafen , wie in Ihrem eigenen Schlosse ... Es ist nur ein Spaß , Signora Excellenza ... Tausend Zechinen ... Ei , das wird eine so schöne Dame ihren Freunden schon werth sein ... Da Lucinde den Muth einer Frau sah , die doch von ihr soeben so scharf verwundet worden , ergriff sie Beschämung ... Sie hielt sich an einem großen Oleanderstamm , der von draußen her an der Mauer aufwuchs , wühlte sich in dessen schwanke Zweige , die sie nicht lassen wollte , und widerstand um so mehr dem Räuber , als sie hinter sich ein wildes Geschrei hörte , das halb aus deutschen , halb aus italienischen Lauten bestand ... Da ließ der Riese loser und loser ... Lucinde hielt sich mit allen Kräften ... Hinter sich hörte sie ein Ringen , ein Kämpfen ... Eine Ahnung erfüllte sie ... Sie krallte sich fester und fester ... Da ein Schmerzensschrei wie von einem Verwundeten in der Nähe ... Nun ein Pistolenschuß ... Jetzt stürzte sie selbst von der Mauer ... Der Rauch um sie her , ihr Sturz , die Angst , die Hoffnung - sie verlor die Besinnung ... Als sie wieder zu sich gekommen , lag sie noch auf dem Boden des Weinbergs ... Eben ließ man von oben Leitern herab ... Die Terrasse oben stand voller Menschen ... Waffen klirrten noch immer ... Graf Agostino , seiner schweren Reiterstiefeln nicht achtend , stieg von oben hernieder ... Neben ihr lag in seinem Blut der gewaltige Riese , den ein Pistolenschuß getroffen hatte von der Hand eines Mönches . Der Muthige kniete neben einem andern Mönche , der verwundet am Boden lag ... Da hüllte sich ihr wieder alles in Nacht ... Als sie aufs neue erwachte , befand sie sich in dem großen Saale der Villa ... Wüst durcheinander standen die Tische und Sessel . Das Fest war zu Ende . Die Kronleuchter brannten nur noch dunkel . Die Zahl von Menschen um sie her war geringer geworden ... Düsterblickend stand Graf Sarzana ... Sein Auge hatte eine Macht , vor dem sie das noch so schwache ihrige niederschlug ... Sie hörte Ausbrüche des Erstaunens ... Wer hätte sich auch denken können , daß an einem so lebhaften Abend , unter so vielen Tausenden von Menschen Räuber es wagen würden , ihren gewöhnlichen Anschlag - Gefangennehmung von Personen , die sich durch Lösegeld loskaufen mußten - in Ausführung zu bringen ... Die Räuber waren unter dem dichten Weinlaubdach hinweggeschlichen , hatten sich der einsamsten Stelle des Gartens genähert und würden ihren Raub wenigstens mit Lucinden ausgeführt haben , wenn nicht die beiden Mönche , freilich auch ihrerseits in unerklärlicher Absicht , den gleichen Weg genommen und so ihr die Freiheit erhalten hätten ... Der Mönch mit dem Todtenkopf entriß einem der Banditen ein Pistol und schoß es auf die gewaltige Gestalt ab , die Lucinden schon davontrug ... Ihn selbst hatte dann ein leichter Messerstich verwundet ... Der jüngere Mönch aber , Pater Sebastus , war lebensgefährlich von einem Stilet verwundet worden ... Lucinde blieb unversehrt ... Sogar der Brief an Bonaventura war nicht aus ihrer Brust geglitten ... Das gehört zu Italien ! sprach eine Stimme ... Kommen Sie , wenn Sie können - Ihr Wagen wartet schon ... Die Fürstin ist schon lange fort ... Graf , Sie begleiten doch die Signora - ... Lucinde sah die Herzogin von Amarillas nicht ... Sie hörte aus diesen Worten nur : Diese Signora - die die Tochter eines Schulmeisters