worden sind . Und weil Caspar Gans zu Putlitz in eben diesem Augenblick mit seinen 400 Reitern auch angegriffen und die Pommern in die Mitte genommen hat , so daß sie sich hinten und vorn haben wehren müssen , ist es ihnen unmöglich gewesen etwas Treffliches auszurichten , und haben sie durch das Thor , durch das sie hineingekommen , auch wieder zurückweichen müssen . Und bald danach hat der Markgraf mit gewaffneter Hand auch den Kastner aus dem Schlosse getrieben , bei welcher Gelegenheit dreihundert Pommern und Polen und über fünfhundert Pferde gefangen genommen sind . « So Wusterwitz . * Hiermit schlossen die Kämpfe jener Zeit auf Jahrzehnte hin ab und Kaspar Gans und Hans von Quitzow – deren Leben , von frühester Jugend an , ein Nebeneinander dargestellt hatte – fanden sich auch jetzt wieder freundnachbarlich zusammen , ebenso mit ihrem reichen Besitze , wie mit ihren gewandelten Anschauungen . Ihre Bekehrung zu dem neuen hohenzollernschen Machthaber war eine ehrliche und aufrichtige . Von beiden überlebenden Führern der » Fronde « noch ein Schlußwort . Johann von Quitzow , abwechselnd auf seinen ihm wieder zugefallenen Schlössern : Lenzen , Quitzöwel und Kletzke lebend , starb 1437 , im 67. Jahre seines Alters , kinderlos . Sein reiches Erbe fiel vorwiegend an die beiden Söhne seines älteren Bruders Dietrich : Dietrich und Köne von Quitzow , worüber eine bei Raumer sich findende Urkunde der Hauptsache nach das Folgende besagt : » ... Und dieweilen Hans v. Quitzow Ritter seliger nach seinem Tode viele Güter , Pfandschaft , Habe , Geld und Gut , auch Schulden und Briefe hinterlassen hat , sprechen wir , Markgraf Friedrich , kraft dieses Briefes aus , daß seine Wittwe , Frau Agnese von Quitzow , den Brief , darin ihr 300 Gulden von dem Rathe zu Lüneburg verschrieben sind , zu ihrem Nutzen haben und behalten soll . Desgleichen soll obgenannte Frau Agnese von der Orbede zu Perleberg und Kyritz auf kommenden Sankt Walpurgis und Martinstag 80 Schock an Landeswährung nehmen und alle fahrende Habe , die Hans von Quitzow nachgelassen hat , sammt ihrem Leibgedinge zu Kletzke . Dietrich und Köne v. Quitzow aber sollen alle Lehen , Erbe , Geld , Briefe , Pfandschaft und Gut , die Hans v. Quitzow sonst noch nachgelassen , behalten und besitzen und davon alle Schulden und Erbnahmen entrichten und bezahlen ... « So nüchtern und geschäftsmäßig lautete , was der » großen Fehde « voraufgegangener Jahre folgte . Kaspar Gans war seinem Freunde Johann von Quitzow um sieben Jahre vorausgegangen und schon 1430 zu Dom-Havelberg begraben worden . An einem Pfeiler der Kirche hängt ein Schild mit der gekrönten Gans und der einfachen Inschrift : » Herr Jaspar Gans von Potlist « . Des Tages von Ketzer-Angermünde gedenken weder Bild noch Inschrift , uns aber mag es gestattet sein , in unsrem nächsten Kapitel in Kürze noch einmal auf diese Haupttat im Leben Kaspar Gans ' zurückzukommen . 11. Kapitel 11. Kapitel Das Lied von der » Eroberung von Ketzer-Angermünde « . einiges über die Balladendichtung jener Zeit Wie die erste » Schlacht am Cremmer Damm « und genau achtzig Jahre später die Niederwerfung der Quitzows durch Eroberung ihrer Burgen , ihre dichterische Behandlung fanden , so auch der Kampf um Ketzer-Angermünde , 12 der als der Rehabilitierungs-und erste Loyalitätsakt des bis dahin frondierenden märkischen Adels betrachtet werden kann . Auch die diesen Vorgang behandelnde Volksballade – deren eigentlicher Held Kaspar Gans ist – ist wie die vom » Cremmer Damm « nicht märkischen , sondern pommerschen Ursprungs und zeichnet sich wie diese durch ein Treffen des Balladentons aus . Einige Stellen sind inhaltlich nicht ganz leicht verständlich , werden es aber , wenn man die Wusterwitzsche Beschreibung , die wir in unserem vorigen Kapitel gaben , zur Erklärung mit heranzieht . Die Ballade selbst aber lautet : Ein neues Lied Euch gesungen sei : Nach dem Winter kommt der Mai , Das haben wir wohl vernommen ; Und daß Kettr-Angermünde märkisch ward , Das soll dem Markgrafen frommen . * Johann von Briesen ließ sich jagen Von Kettr-Angermünde bis Greifenhagen , All ' Mut war ihm gebrochen ; Da ging er zu Hofe nach Alten-Stettin Und hat zu dem Herzog gesprochen : » Gnädger Herre , was zu halten stand : Kettr-Angermünde und das Stolper Land , Ist verloren und verdorben ; Der Markgraf hält es jetzt in Hand Und doch hieß es : er sei gestorben . « Da ließ der Herzog entbieten und holen All seine Mannschaft , Pommern und Polen , Nach Vierraden ritt man zu Tische ; Da setzten sie sich und hielten Rat Und aßen süße Fische . Der nun folgenden Strophe fehlen zwei Mittelzeilen , aber den drei verbleibenden entnehmen wir unschwer , daß man von Vierraden aufbrach und über den Vierradener Damm hin auf Angermünde zuritt . Da ritten sie weiter und kaum heran Angermünde ward ihnen aufgetan , Alle haben dem Herzog geschworen Und alle riefen : » Stettin , Stettin « Und Brandenburg war verloren . Aber draußen hinter Wall und Graben , Die Märkischen schon sich gesammelt haben , Vierhundert Reiter und Knechte ; Die Gans von Putlitz führet sie , Zischend , auf daß sie fechte . Die Gans , der wollt ' es nicht behagen , Sie streckte zornig ihren Kragen Über die Pommern alle ; Da schwebte der märkische Adler hoch Und die Greifen kamen zu Falle . Die Gans aber wuchs in Grimme noch , Sie schlug mit den Flügeln ein Brescheloch Und da stand sie nun zwischen den Steinen , Und als sie bis zum Markte kam , Waren sie zehn gegen einen . Da gingen die Schwerter die Klinker die Klang , Herr Detleff Schwerin mit dem Putlitz rang Und wollte den Preis erwerben ; Da mußte Herr Detleff von Schwerin Für seinen Erbherrn sterben . Das war des Herzogs schwerster Tag , Als da Herr Detleff vor ihm lag , Zerhackt , in Blut und Wunden