weicher Windhauch kam vom Südmeer ... Im Weinberg zitterten die Blätter ... Es ist doch gut , daß wir den Gespensterglauben haben ! sagte die Herzogin feierlich ... Wir fürchten uns doch noch zuweilen ein wenig vor den Gräbern ... Die Alten verbrannten ihre Todten , glaubten aber doch auch an eine strafende Wiederkehr ; der Geist des ermordeten Cäsar erschien den Mördern in der Schlacht bei Philippi ... Die Christen wollten von den Todten so wiedererstehen , wie sie in ihrer schönsten Lebenszeit aussahen ... Angiolina hieß - sie ? ... Sahen Sie schon die Katakomben drüben ? ... unterbrach sich die Erinnerungsverlorene ... Dort blitzt eine goldene Spitze im Mondlicht auf ... Das ist Santa-Agnese ... Dort steigen Sie einmal nieder mit einem guten Führer ... Philipp Neri , der Heilige , hat da unten wochenlang gewohnt ... Die Erde hier ringsum ist durchhöhlt ... Christen- und Römergräber in Eins ... Ein Leichenfeld ! ... Das Leben ist ' s ... Wer war der eine dieser Mönche ? Er sah ja wie der Tod ... Wie die Auferstehung ! hauchte Lucinde für sich ... Aber der erste Schrecken war bei ihr nun vorüber ... Sie hatte sich wieder in ihre gegenwärtige Lage zurückgefunden ... Ihr Auge fixirte die Herzogin immer unheimlicher ... Diese erschrak über die fast schielenden Blicke des Mädchens ... Und beim Suchen nach einem gleichgültigen Gespräche schilderte Lucinde die Unzufriedenheit der jungen Fürstin Rucca ... Da betonte sie sehr scharf den Namen Benno ' s ... Lucinde that das seit einiger Zeit in Gegenwart der Herzogin öfters ... Lucinde hatte allerdings bemerkt , daß die Herzogin von Amarillas in einer geheimen Beziehung zu Benno stand ... Sie hatte schon in Wien das Interesse beobachtet , das diese Frau an ihrem frühern Aufenthalt in Deutschland , an Witoborn , an Schloß Neuhof nahm ... Sie wußte , daß sie eine Sängerin gewesen und - in Leo Perl ' s Bekenntnissen war ja von einem gewissen Betruge die Rede , den er an einer - nicht genannten Sängerin hatte ausführen helfen ... Sie war auf den Gedanken gekommen , ob nicht jene » zweite Frau « des Kronsyndikus , die der vom Wein Aufgeregte und schon an Wahnanfällen Leidende damals in jener Nacht in Kiel mit dem Degen von sich abwehren wollte , diese jetzige Herzogin von Amarillas sein könnte ... Ihrer wühlerischen Combination entging nichts von dem , was sich aus auffallenden Daten solcher Art irgendwie verknüpfen ließ ... Sie hatte auch schon Benno ' s ihr hinlänglich bekannte im Familienkreise der Asselyns und der Dorstes oft besprochene » dunkle Herkunft « in den Kreis ihrer Combinationen gezogen und staunte schon lange über Benno ' s Aehnlichkeit mit dem Kronsyndikus und mit der Herzogin ... Sie verfolgte diese Gedanken stets und stets seit dem Augenblick , wo sie bemerkt zu haben glaubte , daß die Herzogin gern über sie lächelte , sie gering behandelte und zurücksetzte ... Heute war Graf Sarzana , als er ihr den Arm geboten hatte , von der Herzogin auf eine andere Dame verwiesen worden ... Diese Kränkung hatte sie nur vergessen , weil sie später genug von Huldigungen überschüttet wurde ... Solche Geringschätzungen konnten sich aber wiederholen ... Daher sagte sie mit scharfspähendem Blick und sich aller der Vortheile erinnernd , die sie über die Asselyns hatte : Der Todtenkopf ? Nach dem Sie fragten ! Ich lernte ihn in Witoborn kennen , in dessen Nähe ein Kloster liegt ... Es ist das Familienbegräbniß jener Wittekind-Neuhof , nach denen Eure Hoheit mich schon so oft gefragt haben ... Der vor länger als einem Jahr verstorbene Stammherr , der Kronsyndikus genannt , hat den Vater des andern , des zweiten Mönches , den Sie sahen , in einem Wortwechsel erstochen ... Dieser Unglückliche hieß Klingsohr und war des Freiherrn Pächter ... Der Todtenkopf aber war des Freiherrn Jäger und hieß Franz Bosbeck ... Aus Holland stammt er , war in Java , gewann auf dem Schloß Neuhof eine Stellung durch die Liebe einer bösen Frau , die dort regierte , Brigitte von Gülpen ... Da sein Herz an einem andern Wesen hing , rächte sich diese Frau und veranlaßte den Entschluß ihres Verlobten , der seine wahre Liebe durch den Tod verlor , sich in ein Kloster zu flüchten ... In Indien soll er von den Gauklern Künste der Abhärtung gelernt haben , weshalb er sich trotz Entbehrungen und Strapazen so rüstig erhält ... Der eine der beiden Mönche hatte eine Sehnsucht nach Rom , die der andre aus mir unbekannten Gründen theilte ... Beide entflohen , saßen bisher auf San-Pietro in Gefangenschaft und richten nun , wie sie mir sagten , in diesem Schreiben an den Bischof die Bitte , sich zu ihren Gunsten zu verwenden ... Sie fürchten sich , wie jeder , der einmal in Rom war , nach Deutschland zurückzukehren - ... Lucinde hielt inne , weil sie die Wirkung ihres Berichtes beobachten wollte ... Die Herzogin folgte mit der höchsten Spannung ... Doch hatte Lucinde in der Kunst der Beherrschung ihre Meisterin gefunden ... Nach dem ersten leisen Zucken der Mienen bei den Worten : » Familienbegräbniß der Wittekind-Neuhof « , trat trotz der aufs äußerste erregten Spannung und der sie blitzschnell durchzuckenden Vorstellung : Diese Schlange kennt dein ganzes Leben ! eine Todtenkälte in die geisterhaft vom Mond beschienenen Züge der Herzogin und sie sagte nichts als : Kommt der Nachtwind so vom Meere ? Wovon bewegt sich das Laub in den Weinbergen ? ... Sehen Sie nur , als wenn eine einzige große Schlange dahinkröche ... So hebt es sich hier und dort und sinkt wieder zusammen ... Lucinde hatte nur ihr Auge nach innen gerichtet ... Beide Frauen waren zu tief in ihre Erinnerungen , zu tief in die Rüstung des zunehmenden Hasses gegeneinander verloren , um einer Beobachtung über den Nachtwind längern Spielraum zu lassen ... Die Herzogin ging nach Lucindens Mittheilungen in die Worte über : Ich würde vorschlagen , lieber die