Tische , wo er Paulinen gegenüber Platz genommen , mit lassen Händen selbst bedienend : Mais à deux ? Wer versprach denn - ? Ich schrieb Melanie und lud sie ein , sagte Pauline , ohne im Mindesten die Mienen zu einem Lächeln oder einem Spotte zu verziehen , sondern wie im Drange des aufrichtigsten Bedauerns , daß ihr die Lösung einer sehr ernsten Aufgabe nicht gelungen ; ich schrieb Melanie und lud sie ein . Sie wird erst den Abend kommen . Zu diesem Diner nicht , die Gründe soll ich mündlich hören . Ohne spröde zu sein , weiß sie doch gut zu rechnen , sagte Egon lächelnd . Sie fürchtet die Vertraulichkeit eines solchen kleinen Mahles à la Régence . Die Bedienten hinderten eine weitre Erörterung dieses Themas . Sie schenkten Madeira ein und boten dem sonderbaren , sich hier gegenüber sitzenden Paare davon in zierlichen kleinen geschliffenen Gläsern . Nachdem kam eine fast überkräftige Suppe und überhaupt ein so ausgesuchtes , gewähltes Diner , daß wir die einzelnen Gänge ebenso wie die Unterbrechungen durch die Diener mit Stillschweigen übergehen können . Das Gespräch , das sich in den Zwischenpausen frei ergehen konnte , kam etwa auf folgende Äußerungen hinaus : Ich habe darüber nachgedacht , sagte Egon mit träumerischem Sinnen , worin ich eigentlich den Zauber dieses reizenden Mädchens finden soll . Der Glanz ihrer Schönheit scheint dauerhaft , er wird nicht zu bald erblinden . Aber selbst eine ewige Schönheit wäre in dem Falle etwas Vorübergehendes , wenn die Schönheit nur ihrer Schönheit allein bewußt wäre . Ich finde Das so liebenswürdig an Melanie , daß sie sich mit einer Leichtigkeit gibt , als wäre sie nur lachend , nur graziös , nur munter . Sie macht kein steifes Wesen von ihrer Schönheit . Zuletzt ein gewisser gutmüthiger Zug , eine gewisse ... Nennen Sie ' s nur grade zu , sagte Pauline , wie es ist . Melanie gefällt Ihnen deshalb so sehr , Egon , weil sie bequem ist . Bequem ? Ja , theure Pauline , fast glaub ' ich , daß Sie das rechte Wort sagen . Wenn man so wie ich Jahre lang die Liebe behandelt hat wie die erste Aufgabe unsres Lebens , wenn man Frauen gefunden hat , die , indem sie Liebe gewährten , unsern ganzen Menschen dafür in Anspruch nahmen und verbrauchten , so lernt man ein Wesen schätzen , das keine Gefühlswühlerin ist , keine Gedankengrüblerin , keine heimliche , versteckte , sondern eine offne , gutmüthig ihre Schwächen eingestehende Kokette . Ich weiß wahrlich , das Kapital , das am Ende ein Weib zu vergeben hat , ist sehr klein und allen Frauen liegt daran , daß sich die Sage von der unendlichen Größe ihrer Schätze erhält . Man lobt und preist die Dichter , die Frauenliebe als etwas Unendliches und einem im tiefsten Grunde des Meeres zu suchenden Schatze nur Vergleichbares darstellen . Lieber Himmel , Das ist eine Verabredung unter diesen Phantasten ! Die Angelegenheit , um die es sich zwischen Männern und Frauen handelt , ist eine so außerordentlich einfache und ich gestehe Ihnen , ich bewundere und schätze grade die Natürlichkeit , die diese Wahrheit eingesteht . Pauline lächelte und betrachtete sich jetzt erst genauer ihr Tête-à-Tête . Egon war seit vierzehn Tagen Staatsminister , dirigirender Chef des Landes ; er hatte die Kammern entlassen und große energische Grundsätze ausgesprochen . Er saß nun da so einfach vor ihr , derselbe Mann , der alle Gedanken in Anspruch nahm , alle Leidenschaften beschäftigte . Er aß an ihrem kleinen Tisch , erholte sich bei ihr von seiner auch äußerlich schon sichtbaren Erschöpfung ! Wie fühlte sie Das nach ! Wie machte sie diese Erholung glücklich ! Egon war hoch , schlank , wie immer , seine Gesichtszüge edel und fein , seine Haltung fürstlich , seine Kleidung zwar noch durch keinen Stern geziert , aber doch wie die eines Hofmannes . Wie blaß aber die Mienen des Antlitzes ! Wie hoch die Stirn , der oben und zu beiden Seiten Morgens die Haare in Büscheln entfielen ! Wie zuckten die Lippen so spöttisch ! Wie krampfhaft gereizt waren seine Bewegungen , wenn er nach einer Schüssel griff ! Wie bitter der Humor , wenn er den kleinen Schnurrbart mit der Serviette reinigend und ein Glas Eremitage an die Lippen bringend , sagte : Ah , Pauline ! Dieser süße Genuß , doch wenigstens etwas zu wissen , was fest steht und gewiß bleibt ! Dieser feurige Burgunder ist die einzige feste Thatsache , die ich seit lange unter den Händen gehabt habe . Was hab ' ich Schwankendes gesehen und was gleitet mir nicht alle Tage flüssig und unhaltbar durch die Finger ! Diese vierzehn Tage , wie reich an Hoffnungen , wie gesegnet an Täuschungen ! Sehen Sie , auch Das ist an Melanie schön . Man weiß , was man an ihr besitzt . Sie ist eitel und gesteht es . Sie will gefallen und sagt es . Sie verräth uns , daß sie sich mir nur unter großen Bedingungen ergeben könne . Auch diese Offenheit lernt man schätzen , wenn man wie ich in der Lage ist , nichts , nichts mehr mühelos aufzufinden ! O Gott , Pauline , wie oft mocht ' ich schon in diesen vierzehn Tagen mit dem Kopf an die Wand rennen ! Nichts ist mühelos , die einfachste Erörterung nicht ! Bei Gott , es verstehen mich nur drei oder vier Menschen , der König , die Königin , Sie und Melanie - Waren Sie heute mit dem Hofe zufrieden ? Mit dem Monarchen immer , mit seinen Umgebungen niemals . Diese Menschen fragen nach jedem Begriff , was er bedeute , nach jeder Maßregel , was sie nützen oder schaden könne . Dem Monarchen sagt ' ich : Ich ehre die Monarchie . Der Fürstin : Ich ehre die Sitte - nun verstehen mich doch diese Beide , in allen