von Robillante ... Ich will sie besorgen ... An den Freund meines Cäsar ! ... staunte die Mutter und hätte nun gewünscht , die Mönche wären nicht vertrieben worden ... Beide Frauen blieben auf der einsamen Altane , auf der sie sich auf Sesseln von Baumzweigen niederließen , unter einem Dach von künstlich gezogenem Lorber ... Vor ihnen lag vom Mond beschienen das große stille Meer der Weinstockblätter ... In der Ferne Feuerwerk und das lärmende Volk , das jeder Rakete ein Evviva ! rief ... Obgleich sich Lucinde allmählich zu fassen schien , kam die Herzogin doch nicht mehr auf die Mönche zurück ... Gerade diese durch Benno bedingten Wallungen des Interesses zu verbergen , besaß sie eine volle Gewandtheit ... Sie pries die erquickende Erlösung von dem rauschenden Gewühl , das sich nicht verziehen wollte ... Sie saßen so , daß sie durch die Büsche zugleich die Künste des Feuerwerks und über die Weingärten hinweg den stiller gebliebenen Theil der Gegend beobachten konnten ... O , hier sind wir sicher vor dieser bunten Posse ! sagte die Herzogin . Wenn die Lüge in der Welt so rauschend auftritt , wie sollte erst die Wahrheit sich ankündigen dürfen ! ... Die Wahrheit feiert ihre Triumphe in der Stille ! entgegnete Lucinde , noch immer athemlos . Diese Triumphe sind die Glühkäfer des Geistes , die uns nur auf einsamen Wegen umschwirren ! ... Wie heißt denn die Pflanze da , auf der ich vorzugsweise die Thierchen wie die Lichter auf unsern nordischen Weihnachtsbäumen antreffe ? ... Lucinde rang nach dem Ton der Gleichgültigkeit ... Die rothen Disteln ? Das sind Artischocken ! sagte die Herzogin ... Wächst so dummes Gemüse hier so wild und schön ! ... Carciofoli ! Ganz recht ! ... Eine kurze Pause trat ein ... Beide bewegten ihre Fächer und wehten sich Kühlung zu ... Mancher scherzhafte Vorfall des Tages , manche Neckerei an der Tafel , mancher Schmuck , manche überladene Toilette ließen sich besprechen ... Das Gespräch stockte jedoch bald ... Es zeigte sich - diese beiden Frauen mußten anfangen eine sich für ein Hinderniß der andern zu halten ... Die Herzogin hatte sich längst gesagt : Hier ist meine Zeit um ! Olympia ist meiner Führung entwachsen ! Selbst den Cardinal , ihren Vater , lehnt sie für ihre neue Einrichtung als täglichen Gast ab - Schon hat sie ' s ihm angekündigt ... Ceccone sucht - eine neue Häuslichkeit ! Diese Lucinde - lockt , reizt ihn - Ich sah es heute , er schien ganz außer sich ... Lucinde sollte , wie sich gebührt , zu Olympia ziehen ... Diese lehnt aber auch sie ab ... Soll also ich jetzt - ? Ich ? ... Ich ahne , was Ceccone aus ihr und - mir gestalten will ... Um sie » mit Anstand « zur Nachfolgerin - der Herzogin von Fossembrona , der Marchesina Vitellozzo zu machen , soll ich - als Deckmantel ? - ... Nimmermehr ! ... Das zu verweigern bin ich - Benno schuldig ... Aber Graf Sarzana ! ... Diese Abenteurerin - wie sie in seinen Briefen Benno schildert - und Sarzana ! ... Diese armen Teufel freilich - die - Sarzanas ! ... So empfand die Herzogin ... Klug aber und verstellungssicher , wie sie war , nahm sie das Gespräch nach einer Weile auf ... Es ist wahr , sagte sie , das Leben bringt es mit sich , daß nur zuweilen die Stacheln der Disteln , das sind ja Artischocken , jenen nordischen Weihnachtsbäumen , die ich kenne , gleichen ! Die Illumination der Lüge muß uns ermuthigen , an diese kleinen Glühkäfer in der Nacht der Wahrheit , an das hellste Licht , das Aetherlicht des Schmerzes , zu glauben ... Lucinde konnte noch nicht geläufig erwidern ... Eine Bittschrift an den Bischof von Robillante , sagten Sie ? ... fuhr die Herzogin fort , als Lucinde den Brief träumerisch betrachtete und ihn seufzend in ihrem Busen barg ... Ist es wahr , daß dieser Priester eine Gräfin liebte , die seit einigen Monaten die Gattin des Grafen Hugo von Salem-Camphausen geworden ist ? ... Lucinde fixirte die Herzogin mit scheuen unheimlichen Augen ... Jetzt erst recht antwortete sie nicht ... Jetzt erst fiel ihr ein , daß sie ja mit einer Frau zusammensaß , gegen die sie seit einiger Zeit sich hatte entschließen wollen , einem Serlo ' schen Gedanken Gehör zu geben ... In Serlo ' s Denkwürdigkeiten stand : » Wenn ihr doch nur nicht ewig von Pflichten der Dankbarkeit bei Diensten reden wolltet , die Euch gar kein Opfer gekostet haben ! « ... Die Herzogin sprach sorglos , der bittern Stimmung ihres Herzens folgend : Graf Hugo liebte - hört ' ich und sah ich in Wien - ein junges Mädchen , das sich aus Verzweiflung - um ihr Schicksal den - Tod gab ... Ich sah - ihre - Leiche , ich sah seine Trauer ... Er schloß mit dem Leben ab und doch - doch - wie mögen auch bei dieser Vermählung die Raketen gestiegen sein ! ... Ha , erinnern Sie sich in Wien der schönen Altane , von der wir Abschied nahmen am Tag vor unserer Abreise ? ... Es lag tiefer Schnee auf den düstern Tannen ringsumher ... Ich erinnere mich ... antwortete jetzt Lucinde , die sich von Klingsohr und Hubertus allmählich zurückfand . Sie betonte scharf . Sie hatte der Herzogin heute schon wieder Zurücksetzungen nachzutragen , die sie ihr in Mienen und Worten an der Tafel hatte widerfahren lassen ... Ob wol das junge Paar an derselben Stelle wohnt , wo - die - arme - Geliebte - mit zerschmettertem Haupte lag ? ... fuhr die Mutter Angiolinens , nichts ahnend fort ... Das - junge - Paar wohnt - in der Stadt ... berichtete Lucinde - - von dem wirklich geschlossenen Bunde Paula ' s und des Grafen Hugo ... Eine lange Pause trat ein ... Ein leiser