von vornherein ausgeschlossen , denn abgesehen davon , daß man unmöglich zu der Leiche gelangen konnte , brachte ein Ueberfall , vielleicht ein Ringen am Rande der Schlucht , den Angreifer in mindestens ebenso große Gefahr wie den Angegriffenen ; es konnte also nur Rachsucht oder Feindschaft als Motiv angenommen werden . Aber soviel man wußte , besaß der Graf keinen Feind in der Umgegend , wenn auch sein hochfahrendes Wesen Manchen verletzt haben mochte . Es blieb nichts übrig , als sich um weitere Fingerzeige an den Vater zu wenden , was auch so schonend wie nur möglich geschah . Seltsamer Weise nahm Graf Rhaneck die Eröffnung ganz anders auf , als man erwartete . Anstatt außer sich zu gerathen bei dem Gedanken , daß sein einziger Sohn einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei , anstatt die Beamten zu einer Thätigkeit anzuspornen , die das Einzige geben konnte , das hier noch zu erlangen war , Sühne für den Gemordeten , schien es , als wolle er vielmehr die ganze Angelegenheit begraben und zu vergessen suchen . Er wollte durchaus nicht an die Wahrscheinlichkeit jenes Verdachtes glauben , wollte den Sturz Ottfried ’ s nur einer Unvorsichtigkeit desselben zuschreiben und verweigerte , unter dem Vorwande körperlicher und geistiger Gebrochenheit , jede nähere Auskunft über den Umgang und die Beziehungen seines Sohnes . Sein ganzes Wesen dabei war so verstört so seltsam abweisend , daß sich den Beamten bisweilen unwillkürlich der Gedanke aufdrängte , er fürchte die Untersuchung und wolle sie um jeden Preis verhindern . Jetzt trat auch noch der Prälat in die Sache ein , ruhiger , aber entschiedener als sein Bruder , und versuchte nun seinerseits einen Druck auf die betreffenden Personen auszuüben , damit die Angelegenheit nicht weiter verfolgt und wo möglich niedergeschlagen werde . Das war höchst befremdend und unerklärlich , aber der mächtige Einfluß des Abtes begann bereits zu wirken , und er wäre auch sicher durchgedrungen , hätte die Untersuchung nicht zufällig in den Händen eines jungen Richters gelegen , der , sehr ehrgeizig und eifrig im Amte und vollkommen unabhängig , nicht geneigt war , sich hier von einem fremden Willen leiten zu lassen . Ohnehin kein allzu eifriger Katholik , witterte er hinter dieser unerklärlichen Einmischung etwas wie ein Klostergeheimniß und war fest entschlossen , in diesem Falle streng und unnachsichtlich seine Pflicht zu thun . Alles , was der junge Graf in seiner Todesstunde an und bei sich getragen , wurde einer nochmaligen genauen Untersuchung unterworfen , und da fand sich denn allerdings etwas , das auf eine Spur zu leiten schien , eine Spur freilich , die Niemand von Allen geahnt . In der Brieftasche Ottfried ’ s fand sich unter anderen unbedeutenden Papieren auch ein Brief vor , der wahrscheinlich schon vor längerer Zeit in einer der Seitentaschen gesteckt und dort vergessen worden war , denn er trug ein älteres Datum . Der Schreiber dieses „ Bernhard Günther auf Dobra “ unterzeichneten Briefes verbat sich darin in den härtesten Ausdrücken jede fernere Annäherung des Grafen an seine Schwester , erklärte , sein Gebiet vor künftigem Eindrängen sichern zu wollen , und drohte schließlich , wenn diese schriftliche Mahnung nichts fruchte , persönlich einzutreten . Das Schreiben war sehr ruhig , aber auch sehr rücksichtslos gehalten , der Schluß geradezu beleidigend , jedenfalls hatte es den Empfänger auf ’ s Höchste gereizt – da war auf einmal der lange gesuchte Grund zu einer Feindschaft , deren weiterer Verlauf sich jeder Berechnung entzog . Die sofort angestellten Nachforschungen dienten nur dazu , den aufkeimenden Verdacht zu bestärken ; sie ergaben , daß sich Günther zur Zeit der That nicht allein im Gebirge , sondern auch in unmittelbarer Nähe des verhängnißvollen Ortes befunden hatte . Kurz zuvor hatte seine Schwester eine nochmalige , wie es schien , halb erzwungene Begegnung mit dem Grafen gehabt , der Meßner hatte Beide in der Wallfahrtskirche gesehen , wo sie mit dem Pater Benedict zusammentrafen , und war dann freilich sofort nach seiner Wohnung gegangen , die er erst wieder verließ , als der Caplan ihm befahl , das junge Mädchen nach N. zurückzubringen . Dort fanden Beide Günther schon vor , aber gerade in jener Zwischenzeit mußte die That verübt sein , denn Pater Benedict entdeckte , als er die „ Wilde Klamm “ passirte , bereits den Gestürzten und eilte sofort nach den nächstliegenden Gehöften , um Hülfe herbeizurufen . Freilich erschien es befremdlich , daß er tief unten in der dämmernden durch das Sturmgewölk noch mehr verfinsterten Schlucht den Körper gesehen hatte , von dessen Dasein er doch keine Ahnung haben konnte , und den die Wellen fast ganz bedeckten , auch war die Verstörung und Todtenblässe des jungen Priesters allen Denen aufgefallen , an die er sich zuerst um Hülfe wandte . Aber man wußte ja , daß er dem Rhaneck ’ schen Hause eng befreundet war , daß er ihm seine ganze Erziehung verdankte , wenige Stunden vorher hatte er noch den Besuch des Grafen und seines Sohnes empfangen , da war es wohl natürlich , daß der jähe Tod des letzteren ihn aufregte , überdies hob gerade ihn natürlich sein geistlicher Stand über jeden Verdacht hinaus . Als man endlich nach stundenlangem Mühen und nicht ohne Lebensgefahr von unten her in die Schlucht gedrungen war und die Leiche nach N. brachte , war Günther mit den Seinigen längst abgefahren . Nahm man nun an , daß er auf dem Hinwege , den er allein unternahm – denn der Kutscher blieb mit den Pferden im Thale zurück – statt der Fahrstraße den Fußweg einschlug , daß er in der Nähe der Brücke mit dem Grafen zusammentraf , daß der seit jenem Briefe wahrscheinlich schon öfter ausgebrochene Streit sich hier erneute und in Thätlichkeiten ausartete , bei denen der Stärkere Sieger blieb , so hatte man auf einmal die Lösung des schreckensvollen Räthsels vor sich – es war genug , um ein sofortiges Einschreiten des Gerichts zu rechtfertigen . In Dobra