« » O Schmach « , brach Jenatsch los , » von einem solchen Schurken zu seinesgleichen gezählt zu werden . War es nicht billig , daß Spanien den Sold vergüte , um den Frankreich unsere Truppen betrog ! « » Der Dukatensegen ist durch Eure Finger geströmt « , spottete Planta , » wie sollte er sie beim Durchrinnen nicht vergoldet haben ! « ... » Zieh , Bube , damit ich dich nicht ermorde ! « rief Jenatsch bebend und riß den Degen aus der Scheide . Der andere aber hatte sich schon während seiner letzten Rede an die Ecke der Seitenstraße zurückgezogen . » Ich werde Eure guten Gesinnungen in Mailand zu rühmen wissen ! « kicherte er noch aus dem Schatten der Häuser hervor und war verschwunden . Zehntes Kapitel Zehntes Kapitel Kaum erglühten die Turmspitzen von Chur im ersten Morgengolde eines wolkenlosen Maitages , als es schon vor den Stadtmauern und in der langen Gasse , die vom Sprecherschen Hause zum Nordtore führte , lebendig wurde . Französische Offiziere sprengten hin und her , aus der Stadt nach dem Lager , dessen Zelte schon abgebrochen waren , und von den marschfertigen Truppen zurück zum Herzog , um ihn als ein glänzendes Gefolge zu umringen und in ihm die französische Ehre , die , wie es ihnen schien , in diesem Lande Schaden gelitten , mit ihren kriegerischen Gestalten zu decken . In der Straße , die Rohan durchreiten sollte , standen die Churer barhaupt in zwei gedrängten Reihen längs der Häuser , und alle Fenster bis zu den Dachluken hinauf waren mit neugierigen Köpfen gefüllt . Alles Volk wollte den guten Herzog noch einmal sehen und begleitete ihn mit Wünschen und aufrichtigen Tränen . Als er an der Spitze seines stolzen Zuges langsam dem Tore sich näherte , fand er einen löblichen Rat und die Geistlichen der Stadt zu seiner Rechten aufgestellt . Die Herren hatten sich in vollem Ornat jeder nach seinem Range auf den Stufen einer breiten Freitreppe verteilt , die zu der Pforte eines patrizischen Hauses führte . Beide Türflügel standen weit offen und im Flur wurden in schwarze Seide gekleidete Frauengestalten sichtbar , die Gattinnen und Töchter der Würdenträger , welchen ihre Stellung erlaubte , über die Häupter der Stadt hinweg dem Herzog , den sie mit Schmerzen scheiden sahen , einen letzten Gruß zuzuwinken . Ihr Zartgefühl hatte ihnen verboten , sich wie bei einem lustvollen Schauspiele auf dem Balkon und in den Fenstern zu zeigen . In der Mitte der Ratsherren fiel der Amtsbürgermeister Meyer als wahrhaft imposante Erscheinung ins Auge . Nie hatte eine bürgermeisterliche Kette mit ihrer großen runden Schaumünze bequemer gelegen und selbstzufriedener geleuchtet , als die auf seiner breiten Brust ruhende ; nie hatten ein seidener Strumpf und ein Rosettenschuh knapper und schöner gesessen als heute an seinem wohlgebildeten , feierlich vorgesetzten Beine . Bei näherer Betrachtung jedoch verriet die Befangenheit des gewöhnlich gesunden und ruhigen Gesichts und der bängliche Ausdruck der irrenden Augensterne einen geheimen Widerspruch seines Innern mit der magistralen Sicherheit seiner vollkommenen Haltung . Der Gruppe der Standeshäupter gegenüber , wo sich die Ausmündung einer innerhalb der Stadtmauer laufenden Nebengasse zu einem kleinen viereckigen Platze erweiterte , hatten sich , als Repräsentanten der heimischen Waffen , die vornehmsten Bündneroffiziere versammelt und warteten zu Pferde , um sich dem Gefolge des Herzogs anzuschließen und ihm das Ehrengeleit bis zur Grenze zu geben . Im Gegensatze zu der gedrückten Stimmung auf der anderen Seite der Gasse unter den Söhnen der Themis , herrschte hier unter den Kindern des Mars eine frische und beherzte , der sie sich unbefangen überließen , da sie sahen , daß der bündnerische Diktator zur Verabschiedung seines Opfers nicht erscheine . Jetzt erreichte Herzog Rohan den Platz vor der Freitreppe . Huldvoll hielt er seinen schlanken Goldfuchs an , denn er sah , wie der Amtsbürgermeister einen goldenen Pokal erhob , den eben ein ergrauter Ratsherr an seiner Seite aus einer silbernen Kanne gefüllt hatte . Meyer trat entschlossen vor und bat den Herzog in gerührten Worten , den Seiner Erlaucht von der Stadt Chur mit Danksagung und Segenswunsch angebotenen Abschiedstrunk nicht zu verschmähen . Während Rohan sich die Lippen netzte , sammelte der Bürgermeister seinen Geist zu einer wohlgesetzten französischen Rede , auf die er sich sorgfältig vorbereitet hatte . Bürgermeister Meyer war kein Redner . Im Rate und in der Gemeinde war es ihm ein leichtes , seine Gedanken schlicht und zweckdienlich auszudrücken und zu einem bündigen Schlusse zu gelangen . Aber es war ihm nicht gegeben , zwiespältige Gefühle und zweideutige Gedanken unter zierlichen Blumen der Beredsamkeit zu verbergen . Er hatte damit begonnen , des Herzogs ruhmreiche Tapferkeit und seine erhabene staatsmännische Weisheit zu preisen , die beide zu Bündens Rettung wie zwei geflügelte Genien herbeigeeilt seien . Dann warf er einen Blick in den Abgrund , aus welchem der Herzog das bündnerische Volk gezogen habe . Jetzt kam eine dunkle Stelle , in der von sich überstürzenden Ereignissen , seltsamen himmlischen Konjunkturen und dem großen Herzen Ludwigs XIII. die Rede war . – Hier wurde Herr Meyer warm , übersprang unversehens die logischen Hindernisse und behauptete gerührt , die Zurückgabe des Veltlins an die Bündner durch Spanien-Österreich sei und bleibe das Verdienst des Herzogs Rohan . Er sei , nächst dem gütigen Gott , ihr alleiniger Helfer und Retter gewesen . » Des Landes Dankbarkeit gegen Euch wäre nicht genugsam ausgedrückt , edelster Herr « , rief er aus , » wenn wir Euch so viele Ehrensäulen errichteten , als Bünden Felsen und Berge besitze ! und wenn jeder unserer Berge eine Statua wäre ... « hier stocke der Redner und erstarrte selbst zum Steinbilde . Ein verspäteter Reiter war durch die Nebengasse herangeeilt und auf dem kleinen Platze , dem Bürgermeister gegenüber , mitten unter die Bündneroffiziere hineingesprengt . Die Obersten wichen auf ihren stampfenden Tieren bestürzt nach beiden Seiten zurück . Auf das Kommen von Georg Jenatsch hatte keiner gerechnet . Und da