doch eben wieder eine immense Goldernte eingeheimst – er konnte herausfordernd auf seine Tasche klopfen und – er that es . Die alte Dame biß sich auf die Lippe . „ Ich werde unverzüglich die nöthigen Schritte tun , “ sagte sie und nahm ihre Schleppe auf , um zu gehen . „ Beneidenswerth ist die Situation , in die ich ohne mein Verschulden gedrängt bin , durchaus nicht – das muß ich sagen , “ warf sie mit hochgezogenen Brauen , in bitterem Tone über die Schulter hin . „ Und das um meinetwillen ? “ rief Käthe und trat mit ausgestreckter Hand einen Schritt näher , um das Hinausgehen der Präsidentin zu verhindern . „ Moritz , es kann doch Dein Ernst nicht sein , daß ich junges Ding die Freunde der Frau Präsidentin verdrängen soll ? Das geschieht ganz gewiß nicht . Habe ich denn nicht mein eigenes Heim ? Ich quartiere mich sofort in der Mühle ein , wenn Frau von Steiner kommt . “ „ Das wirst Du bleiben lassen , meine liebe Käthe ; dagegen protestiere ich selbst mit allen Kräften , “ versetzte die Präsidentin mit vornehmer Kälte , und jetzt brach aller Hochmut , der dieser stolzen Weltdame innewohnte , aus ihren Augen . „ Ich bin gewiß tolerant – Deine verstorbene Mutter hat sich nie über Unfreundlichkeit meinerseits zu beklagen gehabt , aber ein solch intimer Verkehr zwischen Villa und Mühle , ein solch ungeniertes ‚ Hinüber und Herüber ‘ widerstrebt mir denn doch in tiefster Seele , am allerwenigsten aber möchte ich diese Beziehung der scharfen Kritik meiner sehr streng denkenden Freundin ausgesetzt wissen . “ Sie neigte steif grüßend den Kopf . „ Ich bin im blauen Salon zu finden , wenn Du mir die Herren vorstellen willst , Moritz . “ Damit ging sie hinaus . Der Kommerzienrat wartete mit spöttischer Miene , bis das Rauschen der Seidenfalten draußen verklungen und die entgegengesetzte Thür im Musikzimmer sehr hörbar zugefallen war , dann , indem sich seine Lippe höhnisch hob , lachte er leise in sich hinein . „ Da hast Du Deine Lection , Käthe ! “ sagte er . „ Gelt , es stecken recht scharfe Krallen in den Sammetpfötchen . Ja , kratzen kann sie , die alte Katze , daß es eine Art hat . Ich armer Tropf könnte Wundenmaale genug aufweisen , aber , Gott sei Dank , ihr Schicksal erfüllt sich endlich auch . Sie erlebt das Schlimmste , das ihr passieren kann : sie wird ungefährlich . Mit Bär ’ s Pensionirung ist ihr Einfluß bei Hofe und in der Gesellschaft gebrochen . “ Er rieb sich die Hände in lächelnder , unaussprechlicher Befriedigung . „ Du weichst nicht um eine Linie , lieb Herz ! Du hast mehr Rechte in meinem Hause als alle Anderen zusammen – merke Dir das ! “ Er wurde unterbrochen . Ein eintretender Diener meldete , daß die fremden Herren in der Beletage den Herrn Kommerzienrat erwarteten . Eiligst griff Moritz nach seinem Hute ; er wollte Käthe den Arm reichen , aber diese schlüpfte verlegen an ihm vorüber , hinaus in den Korridor . Der Herr Vormund mit der befremdenden Zärtlichkeit in Ton und Geberden gefiel ihr ganz und gar nicht ; seine kühlen , geschäftsmäßigen Briefe waren ihr lieber gewesen . Und welche merkwürdige Veränderung war sonst noch mit ihm vorgegangen ! Unwillkürlich dachte sie an ihren neulichen Empfang in diesem Hause ; noch hörte sie den ängstlichen Flüsterton , mit welchem der Kommerzienrat sie auf den Respect hingewiesen , den sie der Präsidentin schulde , und jetzt machte er unehrerbietige Mienen hinter ihrem Rücken und fing an , ihrer bisher wirklich unumschränkten Machtvollkommenheit in seinem Hause unliebsame Grenzen zu ziehen . Das Alles erschreckte das junge Mädchen , war ihr unbegreiflich und so unheimlich , wie das dunkelpurpurne Zimmer voll dumpfer Luft und Bücherstaub , dem sie jetzt tiefaufatmend den Rücken wandte , um in das Haus am Flusse zurückzukehren . 15. Das Krankenzimmer im Doktorhaus sah am Nachmittag genau so aus , wie gestern , als man Henriette hineingetragen . Auf ihre leidenschaftlichen Bitten hin hatte der Doktor die vornehmen Eindringlinge aus der Villa wegschaffen lassen . Draußen im weiten Flur , auf dem roten Backsteingetäfel standen sie in Reih ’ und Glied , die apfelgrünen Lehnstühle , der elegante Ofenschirm , und um die einfache Thonvase mit dem Tannenstrauß gruppierte sich das vergoldete Waschgeschirr . Das Steingut war wieder zu Ehren gekommen , und die altmodischen Polsterstühle mit ihren schwarzen Serge-Bezügen standen an ihrem ehemaligen Platze . Dagegen sprang das erfrischende Silbergefunkel der kleinen , zerstäubenden Zimmerfontäne aus einem Kranz von grünen Topfgewächsen , und auf einem Tisch stand der große Käfig mit Henriettens Kanarienvögeln , den man auf den sehnsüchtigen Wunsch der Kranken aus der Villa herübergeschafft hatte . Die flinken , goldgelben Geschöpfchen schlüpften , wie daheim , ungeniert aus und ein ; sie umschwirrten das Bett , holten Zuckerkrumen aus den wächsernen Fingern der kranken Herrin und wiegten sich auf den schwebenden Blumenampeln an der Zimmerdecke . Nanni , die Kammerjungfer , war gegen Mittag entlassen worden , damit sie in der Villa ausschlafen könne , und die Tante Diakonus hatte die Pflege für die Tagesstunden übernommen . Die alte Frau war noch im braunseidenen Kleide , aber sie hatte eine breite , weiße Leinenschürze darüber gebunden , um das Seidengeräusch zu dämpfen . Henriette wußte bereits um die Wandlung , die sich so plötzlich vollzogen . Die Jungfer war von draußen hereingekommen und hatte ihr zugeflüstert , daß eben ein Herr vom Hofe im Flur feierlich von der Frau Diakonus empfangen und in das Zimmer des Doktors geführt worden sei . Ein Herr vom Hofe bei Bruck , der zuletzt nur noch Armenarzt gewesen war ! Dazu hatten die festliche Toilette der Tante , ihr freudig verklärtes Gesicht die Aufmerksamkeit der Kranken erregt ; sie war unruhig geworden und hatte mit Forschen und Fragen nicht nachgelassen ,