Der Mann dort , der dem Wagen nachgeschaut hatte , schritt nun langsam auf dem Fußwege außerhalb der Parkmauer dahin , dem Walde zu , als wollte er sich auf einsamen Pfaden Ruhe erwandern . » Alice « , flüsterte leidenschaftlich Prinzeß Helene und kam hinter dem Baumstamm hervor , » Alice , er ist mit ihr gefahren ! « » Durchlaucht , nur eine Ritterpficht . « » O , ich kann das aber nicht ertragen , Alice . Was tut sie hier ? Was wollte sie ? Alice , so sagen Sie doch ein Wort ! « Das erregte Flüstern der Prinzeß war in heftiges Sprechen übergegangen . » Aber , mein Gott , Durchlaucht « , begann die schöne Frau , als könne sie vor schmerzlichem Staunen nicht Worte finden , » was soll ich sagen ? Ich bin selbst überrascht und fassungslos ! « Die Prinzeß eilte vorwärts bis zum Parktore . Dort stand eine alte Sandsteinbank und sie kniete hinter derselben im Dunkeln zur Erde und wartete , wartete mit fiebernden Pulsen auf seine Wiederkehr . Frau von Bergs Stimme erschallte vergeblich durch den dunkeln schwülen Garten . Sie ging endlich hinauf und lächelte in ihren großen Stellspiegel , indem sie um ihr volles Haar das kokette Tuch schlang , das sie übermorgen tragen wollte als Italienerin . Die Prinzessin kam erst nach Stunden zurück , mit bleichem Gesicht und verweinten Augen . Sie schlief nicht einen Augenblick in dieser Nacht . 19. Das Fest in Neuhaus war auf seinem Höhepunkt angelangt . Der warme Sommerabend , ohne jede Zugluft , machte es selbst der leidenden Herzogin möglich , im Freien zu bleiben . Die Purpurvorhänge des Zeltes , das unter den Linden unfern des Tanzplatzes stand , waren weit zurückgenommen . Sie lehnte dort im bequemen Sessel , umgeben von einem dichten Kreis von Damen und Herren . Das wunderbare Licht , welches Dämmerung , Mondschein und Hunderte von farbigen Laternen schufen , ließ ihr schmales Gesicht unter der schwarzen , mit Brillantnadeln befestigten Spitzenmantille noch blässer erscheinen als sonst , und die Augen größer noch und glutvoller . Sie trug ein granatrotes kurzes Kleid mit dem Spitzensaum und das schwarze goldgestickte Jäckchen der Andalusierin . Auf den schmalen schwarzen Atlasschuhen blitzten Brillantschnallen . Prinzeß Thekla in grauem Atlaskleid saß neben ihr . Vor ihnen breitete sich das reizvollste Bild aus unter den Zweigen der hundertjährigen Linden , deren Blätter smaragden schimmerten in dem Lichte zahlloser Flammen . Eine Fülle von Jugend und Schönheit wogte dort , die Gruppen dieser phantastischen , wie aus dem Feenreiche entstammenden Gestalten waren umschmeichelt von dem betäubenden Duft der Lindenblüte , umrauscht von den prickelnden Klängen eines Straußschen Walzers . » Ein Fest , wie zu Goethes Zeit in Tiefurt « , sagte die Herzogin . » Besonders , wenn man die schöne Gerold sieht . Bitte , Hoheit , betrachten Sie diese Gestalt – wahrhaft klassisch ! « Der Sprechende , dessen schmales Gesicht eitel Entzücken verriet , stand hinter dem Stuhl Ihrer Hoheit und seine Blicke deuteten auf Klaudine . » O ja , mein lieber Graf « , erwiderte die Herzogin und betrachtete ihren Liebling mit leuchtenden Augen , » sie ist , wie immer , der Stern des Abends . « » Hoheit sind allzu bescheiden « , sagte Prinzeß Thekla und ihre kalten Augen blickten vernichtend nach der bezeichneten Richtung . Klaudine stand außerhalb des girlandenumschlungenen Tanzplatzes auf dem Rasen . Der alte Herr hatte nicht zuviel behauptet , nie war wohl ihre eigenartige Schönheit mehr zur Geltung gekommen , als an diesem Abend in der Tracht der Urgroßmutter . Sie trug das prachtvolle Blondhaar zu einem antiken Knoten am Hinterkopf zusammengebunden , ein schmales Diadem , in dessen Mitte ein Brillantstern funkelte , krönte den schönen Kopf . Die kurze Taille zeigte wundervoll geformte Arme und Schultern , nur leicht von einem seidenglänzenden Flor umhüllt . Ein kurzes enges Unterkleid aus weißem , durchsichtigem Seidengewebe , am Saum mit breiter Silberstickerei verziert , ließ kleine rosa Schuhe mit kreuzweise gebundenen Bändern sehen . Und dieses duftige Kleid ward vervollständigt durch eine mattrosa Schleppe aus schwerer Seide , ein Strauß frischer Zentifolien schmückte die Brust . – Aus den Falten dieses Gewandes wehte noch heute ein feiner Lavendelduft , das Parfüm jener geistesvornehmen , lebensvollen , sprühenden Vergangenheit . Es mochte wohl Seine Hoheit förmlich berauschen , denn der Herzog stand bereits seit einer Viertelstunde vor dem schönen Mädchen , das , die schweren Falten der Schleppe in der Hand , wie fluchtbereit mit unruhigen Augen an ihm vorüberspähte , als suche sie nach einer Gelegenheit zu entschlüpfen . Man hatte einen förmlichen Respektkreis um sie und den Herzog gebildet , als wollte man Seiner Hoheit Gelegenheit geben , unbelauscht mit der schönen Gerold zu plaudern , und dennoch , während man dort , scheinbar mit sich selbst beschäftigt , fragte , plauderte , neckte , waren aller Augen verstohlen auf jenes reizende Mädchen gerichtet , welches von herzoglicher Huld und Gnade so auffallend ausgezeichnet ward . Prinzeß Helene , die als Griechin gekleidet mit dem Adjutanten Seiner Hoheit in einen Reigen eingetreten war , sah es mit heimlicher Freude . Sie wandte ihr dunkles Köpfchen energisch herum , sie mußte doch sehen , wie der Baron dieses Beisammensein vor aller Augen beurteilte . Eben stand er noch an jenen Baumstamm gelehnt , ein Glas eisgekühlten Sekt in der Hand , mit dem er einige Kelche berührt hatte , die ihm zwei oder drei Herren entgegenhoben . Jetzt war er verschwunden . Blitzschnell drehte sich das Köpfchen nach jener Seite , wo Klaudine stand , und ihre Lippen preßten sich aufeinander – denn jetzt schritt Baron Lothar auf das Paar zu . » Verzeihung , Hoheit ! Ihre Hoheit die Frau Herzogin wünschen Fräulein von Gerold zu sprechen . Darf ich bitten , Cousine ? « Klaudine verbeugte sich tief und legte ihre Fingerspitzen auf Lothars Arm , der sie langsam dem Zelte