mit Strohsäcken an den Mauern . Der Durchgang dazwischen nur einen Schritt breit . Ein Quadratmeter Gitterfenster hoch oben in der Querwand ließ den matten Schein des Nachthimmels herein . Unerträgliche Hitze , vom Geruch alter Kleider verpestete Luft erfüllte den Raum . Als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten , sah ich , daß auf drei der Pritschen - die vierte war leer - Menschen in grauen Sträflingskleidern saßen ; die Arme auf die Knie gestützt und die Gesichter in den Händen vergraben . Keiner sprach ein Wort . Ich setzte mich auf das leere Bett und wartete . Wartete . Wartete . Eine Stunde . Zwei - drei Stunden ! Wenn ich draußen einen Schritt zu hören glaubte , fuhr ich auf : Jetzt , jetzt kam man mich holen , um mich dem Untersuchungsrichter vorzuführen . Jedesmal war es eine Täuschung gewesen . Immer wieder verloren sich die Schritte auf dem Gang . Ich riß mir den Kragen auf - glaubte , ersticken zu müssen . Ich hörte , wie ein Gefangener nach dem andern sich ächzend ausstreckte . » Kann man denn das Fenster da oben nicht aufmachen ? « , fragte ich voll Verzweiflung laut in die Dunkelheit hinein . Ich erschrak fast vor meiner eigenen Stimme . » Es geht net « , antwortete es mürrisch von einem der Strohsäcke herüber . Ich tastete trotzdem mit der Hand an der Schmalwand entlang : ein Brett in Brusthöhe lief quer hin - - - zwei Wasserkrüge - - - Stücke von Brotrinden . Mühsam kletterte ich hinauf , hielt mich an den Gitterstäben und preßte das Gesicht an die Fensterritzen , um wenigstens etwas frische Luft zu atmen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - So stand ich , bis mir die Knie zitterten . Eintöniger , schwarzgrauer Nachtnebel vor meinen Augen . Die kalten Eisenstäbe schwitzten . Es mußte bald Mitternacht sein . Hinter mir hörte ich schnarchen . Nur einer schien nicht schlafen zu können : er warf sich hin und her auf dem Stroh und stöhnte manchmal halblaut auf . Wollte denn der Morgen nicht endlich kommen ? ! Da ! Es schlug wieder . Ich zählte mit bebenden Lippen : Eins , zwei , drei ! - Gott sei Dank , nur noch wenige Stunden , dann mußte die Dämmerung kommen . Es schlug weiter : Vier ? fünf ? - Der Schweiß trat mir auf die Stirn . - Sechs ! ! - Sieben - - - es war elf Uhr . Erst eine Stunde war vergangen , seit ich das letzte Mal hatte schlagen hören . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Allmählich legten sich meine Gedanken zurecht : Wassertrum hat mir die Uhr des vermißten Zottmann zugespielt , um mich in Verdacht zu bringen , einen Mord begangen zu haben . - Er mußte also selbst der Mörder sein ; wie hätte er sonst in den Besitz der Uhr kommen können ? Würde er die Leiche irgendwo gefunden und dann erst beraubt haben , hätte er sich bestimmt die tausend Gulden Belohnung geholt , die für die Entdeckung des Vermißten öffentlich ausgesetzt waren . - Das konnte aber nicht sein : die Plakate klebten noch immer an den Straßenecken , wie ich deutlich auf meinem Weg ins Gefängnis gesehen hatte . - - - Daß der Trödler mich angezeigt haben mußte , war klar . Ebenso : daß er mit dem Polizeirat , wenigstens was Angelina betraf , unter einer Decke steckte . Wozu sonst das Verhör wegen Savioli ? Andererseits ging daraus hervor , daß Wassertrum Angelinas Briefe noch nicht in Händen hatte . Ich grübelte nach - - - Mit einem Schlag stand alles mit entsetzlicher Deutlichkeit vor mir , als wäre ich selbst dabei gewesen . Ja ; nur so konnte es sein : Wassertrum hatte meine eiserne Kassette , in der er Beweise vermutete , heimlich an sich genommen , als er gerade mit seinen Polizeikomplizen meine Wohnung durchstöberte , - konnte sie nicht sogleich öffnen , da ich den Schlüssel bei mir trug und war - - - vielleicht gerade jetzt daran , sie in seiner Höhle aufzubrechen . In wahnsinniger Verzweiflung rüttelte ich an den Gitterstäben , sah Wassertrum im Geiste vor mir , wie er in Angelinas Briefen wühlte - - Wenn ich nur Charousek benachrichtigen könnte , daß er Savioli wenigstens rechtzeitig warnen ging ! Einen Augenblick klammerte ich mich an die Hoffnung , meine Verhaftung müsse bereits wie ein Lauffeuer in der Judenstadt bekannt geworden sein , und ich vertraute auf Charousek wie auf einen rettenden Engel . Gegen seine infernalische Schlauheit kam der Trödler nicht auf ; » Ich werde ihn genau in der Stunde an der Gurgel haben , in der er Dr. Savioli an den Hals will « , hatte Charousek schon einmal gesagt . In der nächsten Minute wieder verwarf ich alles und eine wilde Angst packte mich : Wie , wenn Charousek zu spät kam ? Dann war Angelina verloren . - - - Ich biß mir die Lippen blutig und zerkrallte mir die Brust aus Reue , daß ich die Briefe damals nicht sofort verbrannt hatte ; - - - ich schwor es mir zu , Wassertrum noch in derselben Stunde aus der Welt zu schaffen , wo ich wieder auf freiem Fuß sein würde . Ob ich von eigener Hand starb oder am Galgen - was lag mir daran ! Daß der Untersuchungsrichter meinen Worten glauben würde , wenn ich ihm die Geschichte mit der Uhr plausibel machte , ihm von Wassertrums Drohungen erzählte , - keinen Augenblick zweifelte ich daran . Bestimmt morgen schon mußte ich frei sein ; zumindest würde das Gericht auch Wassertrum