war . Loys , der Genesene , tobt als ein Unversöhnlicher zu Ingolstadt , wirbt Helfer wider Heinrich , wo er sie finden kann , und queruliert gegen den Meuchelmörder bei König und Papst . Die Fürbitte Friedrichs von Zollern , der Sigismunds Getreuester ist und in heißer Schlacht das Leben des Königs rettete , wendet von seinem Schwager Heinrich die Acht des Reiches ab . König Sigismund - er schuldet Geld an Ludwig , schuldet Geld an Heinrich - entschlägt sich des Richteramtes und schiebt die unbequeme Entscheidung dem Papste zu . Der empfängt die reichen Geschenke Heinrichs , segnet seine frommen Stiftungen , untersucht und verschleppt die Sache von Konstanz und verhängt den Kirchenbann über Ludwig im Bart , weil er die Klöster zu Kaisheim , Tegernsee und Scheyern durch ungebührliche Steuern bedrückte . Heinrich verstärkt die Mauern seiner Burgen und Städte , schließt geheime Verträge mit den Vettern zu München , läßt Pulver mahlen und Büchsen gießen , verdoppelt die Zahl seiner Söldner , bewaffnet seine wehrfähigen Bauern , verpfändet dem König sein Wort , daß er Frieden halten und sich übelsten Falles nur wehren wolle , wenn der Vetter Loys ihn molestiere - und rüstet , rüstet , rüstet - und lauert auf die Stunde , die den Ingolstädter zu einer Unvorsichtigkeit verleiten , zu verfrühtem Losschlagen verführen wird . Die Stunde kam . Sie brachte den von Heinrich ersehnten Stoß , der die locker hängende Lawine der Vernichtung niederrollen läßt über Volk und Land der bayrischen Bruderstämme - weil ein Starker an Geist und Blut , doch ein an Gelenken Schwacher die Scham über seine Zierlichkeit nicht ertragen kann und ein Riese werden will . » Nikodemus ? « Herzog Heinrich hielt in seinem raschen Aufundniederschreiten inne und sagte mit rauhem Lachen : » Ich will dem heiligen Zeno eine zwanzig Pfund schwere Kerze opfern . Man soll sie gießen am Morgen , soll sie aufstecken in meiner Hauskapelle und brennen lassen durch Tag und Nacht . « Wieder begann er sein jagendes Wandern um den Tisch herum , blieb stehen und sagte leise : » Dieser kleine Fuchs des heiligen Zeno ist ein großes Schaf . Mein Wort vom Klugen , der aufs Ganze geht , hat ihm bei seinem Hunger nach der Ramsau einen Schrecknagel ins Gehirn getrieben . Ich besorge , daß er heute nacht nicht schlafen wird . Er wird zwei neue Eisen ins Feuer legen , wird heimliche Briefe schreiben , nach Ingolstadt , nach München . Von seinen Boten , fürcht ich , wird einer zu Gott kommen , nicht zu meinem Vetter Ernst . « Die zitternden Fäuste um den Gürtel klammernd , trat er vor Nikodemus hin mit brennenden Augen . » Wie siehst du es an ? « Ruhig sagte der Kahlköpfige : » So wie Ihr , Herr ! Als eine Gelegenheit , die schieben wird . Den heiligen Peter von Berchtesgaden in den Landshuter Sack stecken ? Das würde Euch übel vermerkt werden bei König und Papst . Auch bei den Vettern in München . Aber dem heiligen Zeno zulieb dreihundert andächtige Wallfahrer schützen ? Das ist frommes Werk und wird gute Früchte tragen . Es muß nur eine Woche lang so aussehen , als sollte dem einscherigen Krebs von Burghausen mit dem Lande des heiligen Peter die zweite Schere gegen Salzburg wachsen . Wenn wir Salzburg zwicken , wird zu Ingolstadt ein Wehleidiger schreien . « Der Herzog nickte . » Den Haller Fuchs hab ich angelogen . Ich weiß nicht , was heute nacht da drüben hinter dem Untersberg geschieht . Aber wenn der Pienzenauer statt Hirn nicht einen Strohwisch unter dem Haardach hat , dann - dann - « Er streckte die Fäuste auseinander . » Gott soll ' s wollen ! « In Hast ergriff er einen kleinen Holzhammer und schlug an eine Glocke . Wie ein tönender Schreck des Lebens fuhr der scharfe Hall durch die nächtliche Stille des Schlosses . Ein Diener und drei Schwergepanzerte kamen gesprungen . Zu dem Diener sagte Herr Heinrich : » Bring mir Wein und , Kirschen ! « Dann gab er mit raschen Worten seine Befehle an die Trabanten : » Du ! Man soll dreißig reitende Boten bereithalten . Fort ! - Und du ! Man soll in aller Stille die Herberg überwachen , in der die Reichenhaller Leute wohnen . Schickt der Haller Kaplan ums Tagwerden zwei Boten davon , so soll man ihnen unauffällig folgen . Schlägt der eine die Straße nach Ingolstadt ein , so soll man ihn geheim beschützen und die Eile seines Wegs befördern . Den andern - wenn er nach München will - soll man drei Wegstunden von Burghausen festnehmen und verschwinden lassen . Es ist viel Krankheit im Lande . Ein Reisender kann sterben . Den Brief , den man bei ihm findet , will ich haben . Fort ! - Und du ! Weck den Hauptmann Seipelstorfer und den Büchsenmacher Kuen ! Sag den beiden : Bis zur achten Morgenstunde müssen hundertzwanzig Pferde und dreihundert Spießknechte mit dreißig Faustbüchsen marschfertig sein , dazu zwei Kammerbüchsen , eine Farzerin und ein Blidenkarren , Zeug und Zehrung für vierzehn Tage . Um sieben Uhr soll der Hauptmann kommen und seine Weisung holen . Fort ! « Als Herzog Heinrich mit Nikodemus wieder allein war , streckte er sich und dehnte die Arme wie einer , dem froh um die Seele wird . » Jetzt setz dich , Lieber ! Und schreib ! Zuerst an die Münchner Vettern . Da müssen wir sänftiglich reden und ehrlich bekennen , daß wir den heiligen Peter nicht zu kränken wünschen , nur die Wallfahrtsfreiheit zum heiligen Zeno schützen wollen . Nein ! Zuerst den Brief an meine schöne Schwester Else ! « Der Herzog lachte . » Gott ist mit mir ! Wie gut sich das trifft , daß Schwager Zollern gerade da droben im Norden ist , in seiner neuen Mark . Das ist ein Redlicher . Die