und zwei Leuchter . Starr sah mich der Meister an , schüttelte nachdenklich den Kopf , betrachtete die Dinge lange und sagte schließlich , indem er den Christus in der Linken hielt und leise mit den Fingerspitzen der Rechten darüberstrich : » Wer hat dich denn das gelehrt ? « » Niemand « , erwiderte ich ihm ; » ich hab schon als kleiner Bub geschnitzelt ; - und mein Kathreinl ... « Erschreckt hielt ich inne , und eine heiße Röte stieg mir ins Gesicht . Der Künstler aber sagte lachend : » So so ! Auch schon verliebt ! - Na - ist ja deine Sache ! - Also - dein Kathreinl ... ? « Voller Verlegenheit sagte ich ihm nun , daß die schon einen Haufen solcher Dinge von mir hätt und daß ich schon oft gedacht hätt , ich möcht einmal auch was ganz Großes , Gutes zuwegbringen . Da legte der Meister meinen Christus wieder hin und sagte : » Ich will dir dazu helfen . Laß die Stücke hier liegen , bis mein Freund Boos hier war , dann sehen wir weiter . Und komm am Sonntag wieder . - Übrigens : wie heißt du denn eigentlich , und wer sind deine Eltern ? « Mir war , als hätt mich ein Schlag gerührt bei dieser Frag . - Starr und hilflos blickte ich auf meinen Herrgott und die Madonna , - und dann kams mir plötzlich wie Wasser von den Lippen : » Eltern hab ich keine . Mathias Bichler heiß ich und aus Sonnenreuth bin ich . Meine Zieheltern waren die Meßmersleut von Sonnenreuth . Beim Weidhofer hat mans gheißen . Und mein Kathreinl ist jetzt die Lackenschusterin von Sonnenreuth . Bei der hätt ich als Viehbub dienen sollen und bin davon . « Und erzählte ihm meine Schicksale bis dahin , wo ich die Komödiantenbrut kennengelernt hatte . Aber da kam ein hochbetagter Herr mit einer ältlichen Mamsell , ein Freund des Meisters , wie es schien , und ich mußte gehen . Mit herzlichen Worten reichte er mir noch die Hand und sagte zuletzt : » Komm ja wieder ! Du freust mich . - Und nimm dir wieder ein paar Holzklötze mit ! « Band mir also etliche in mein Tuch und geleitete mich hinaus . Leichten Herzens lief ich heim und tat , was ich seit langem nicht mehr getan , - sang und jodelte , juchzte und pfiff aus übergroßer Freud . In den nächsten Wochen aber schnitzte ich meiner Meisterin eine zierliche Madonna und dem Meister einen feinen , verschnörkelten Rahmen zu seinem Bild , das ihm der Gregori als Silhouette geschnitten hatte ; darüber groß Lob und eitel Freud im Hause herrschte . Es mocht jetzt so ein halbs Jahr sein , daß ich in dem Haus des Malers lebte und die Heiligen anstrich ; hatte auch eine fröhliche Weihnacht daselbst gefeiert und mich gut eingewöhnt . Da rief mich eines Sonntags der Bildhauer Birchmayer zu sich und erklärte , ich kunnt bei ihm ohne jedes Lehrgeld als Jünger eintreten , sobald ich wollt . Seine Freunde Muxl und Kobell sowie der alte Professor Boos , der neulich mit seiner Tochter grad dazugekommen wär , als ich ihm meine Werke überbracht hätte , seien gern bereit , mich zu unterstützen , damit was Ordentlichs aus mir würd . Mit Tränen in den Augen erfaßte ich seine Händ und brachte doch kein Wort des Danks hervor . Und dann lief ich davon und eilte heim , meinem Meister sogleich die Botschaft zu bringen und ihm zugleich die Wahrheit über meine Person zu sagen . Aber es war leider kein Mensch zu Hause , und ich mußts bleiben lassen . Ging also langsam durch die Stadt , bis mir mein Ziehbruder und die andern zwei Gesellen einfielen ; denn der Magister hatte sich noch nicht einmal bei mir blicken lassen , und auch ich war die ganze Zeit über niemals mit einem oder dem andern zusammengekommen aus eben der Ursach , mein wirklicher Name möcht dadurch an den Tag kommen . Und so überlegte ich grad vor dem Kaffeehaus zum schönen Turm , ob ich nicht einen von ihnen - etwan den Fritz - aufsuchen sollt , als mir unser Gregori auf die Schulter klopfte und sagte : » He , Hansl ! - Bist auch alleinig ? - Magst nit mitgehen in die Tanzschul ? - Menuett und Deutsch lernen ? - Kost bloß zwei Gulden fürs Jahr ! « War mir nicht bsunder angenehm , daß ich sollt da mitgehen ; aber ich fragte doch , wo es wäre , darauf der Gregori sagte : » Drunten beim Kosttor , - in der Arch Noe . - Gibt allerhand Leut und Madeln dort : Bäcken , Müller , Knecht und Mägd , Kocherln , Nahterinnen und halt allerhand . - Is ganz lustig dort ; - der Gerstenegger Hiasl , ein Schustergsell , hat die Gschicht über sich . - Also , was ists ? - Gehst mit ? « Und schob also seinen Arm in den meinen und nahm mich mit durch die Stadt , da wir hinab zur Kosttorkasern mußten , wo auch der Falkenturm , ein hartes Zuchthaus , und die churfürstlichen Hofställe standen . Auch hier floß ein Wasser durch , der Kainzmüllerbach geheißen ; eine Brucken führte grad vor dem Wirtsgarten drüber , und über eine kleine Stiegen hinab kam man in das Haus , auf dessen Fassade eine gut gemalte Arche Noe prangte . Wir begaben uns erst in die vollbesetzte , allgemeine Wirtsstube , einen dunklen , verräucherten Raum , über dessen Wände sich uralter Epheu hinspannte und den vielen Heiligenbildern samt dem Gemäld des verstorbenen Churfürsten Carl Theodor eine feine Zierde gab . Von der Weißdecke hingen an Ketten etliche Glaskästen , darin die Wahrzeichen verschiedener Zünfte in überaus zierlicher Darstellung prangten . So sah man in dem einen die getreue Nachbildung eines churfürstlichen Prunkwagens samt Pferden