Kinderfreunde ! - schenkte ihm einen ausgestopften , fliegenden Fisch , und sie entließen den kleinen Seemann mit Adjüst und Good bye . Der Kapitän nahm ihn mit in seine Kajüte und wies ihm seine kleinen Schiffe , das große Haifischmaul und den aus Holz geschnitzten , wunderlichen Götzen , der mit dem Kopf nickte , wenn man ihn ansah . Auch er freute sich über Störtebeker , und als der eine kleine nautische Prüfung mit Auszeichnung bestanden hatte , bekam er die Reichsprämie von dem Alten : ein weißseidenes Halstuch , das in Tschifu gekauft war . » Nu gröt dien Vadder , du lütte Seeröver . « - damit wurde Störtebeker zuletzt entlassen , und als er mit Kap Horn auf der Kaje ging , standen die Matrosen auf der Back und guckten ihm nach , wie er hinter Eisenbahnwagen und Baumwollballen im Dunkel der Nacht verschwand . Und sie sprachen noch lange von ihm . Klaus Mewes aber bewunderte das Halstuch und den fliegenden Fisch und ließ sich das große Belebnis erzählen , während der Knecht mit blanken Augen auf der Bank saß und noch ganz von seinem alten Schiff erfüllt war . Als der Kapitän der » Elisabeth « den andern Tag etwas in der Bürgermeister-Smidt-Straße zu besorgen hatte , machte er einen Umweg und ging über den Alten Hafen , um die beiden Seefischer wiederzusehen und dem großen Klaus Mewes , von dem sein alter Matrose ihm so viel erzählt hatte , einen Godendag zu entbieten . Aber der Ewer war schon in der Morgenfrühe nach See gesegelt , so daß Käppen Vinnen kein Glück damit hatte . * * * Einmal hatten sie dicht beim ersten Feuerschiff eingezogen und waren dabei , den Fang zu sichten und die Fische zu kehlen . Störtebeker nahm die Knurrhähne aus , die er besser halten konnte als die glatten Schollen und die schleimigen Zungen . Da sah er unter dem Tang und den Seesternen einen besonders großen , dicken Steinbutt spaddeln . Er zog ihn heraus und wies ihn herum : » Kiek mol , Vadder , wat förn scheunen Steenbutt , rein een Stoot ! « Er stand dicht am Setzbord , - und der Ewer holte in diesem Augenblick plötzlich weit über ! - da sackte er langsam nach hinten über und fiel über Bord in die Seehinein . Mann über Bord ! Klaus Mewes , der wohlgefällig den Steinbutt betrachtet hatte , erhob sich jäh von dem Hummerkasten , auf dem er saß , warf Fisch und Messer hin , stürzte nach dem Achterdeck und sprang dem Jungen nach , den er unter dem Wasser spaddeln sah , denn die See war sehr klar und man konnte beinahe Grund sehen . Zu spät dachte er daran , daß er die schweren Stiefel hätte ausziehen sollen . Sie waren ihm sehr hinderlich : er faßte den Jungen nicht und hatte Mühe , wieder an die Oberfläche zu kommen . Wie Blei hing es an ihm . Da schwamm der Junge . » Hol di , Klaus , fix roonen ! « » Jo , Vadder ! « Bevor er zum zweitenmal untertauchte , war sein Vater bei ihm und griff ihm unter die Arme . » Lot den Butt doch los , Junge ! « » Ne , Vadder ! « Zum Glück sah Klaus Mewes den Rettungsring treiben , den Kap Horn über Bord geworfen hatte , und es gelang ihm , ihn zu erfassen , ehe seine Kräfte erlahmt waren . Mittlerweile hatten der Knecht und der Junge das Fahrzeug herumgekriegt und kamen auf sie zu . Klaus Mewes erfaßte die Leine , die ihm zugeworfen wurde , und nun war Holland nicht mehr in Not : sie wurden an Bord gezogen und konnten sich verpusten . Störtebeker hatte den Steinbutt noch in der Hand . » Son scheunen Butt schull ik wedder swümmen loten ? « sagte er vorwurfsvoll zu seinem Vater , dann zog er das nasse Zeug aus und hängte es an den Wanten auf , damit die Sonne und der Wind es trockneten . » Up See mütten Kummer gewinnt wardn « , sagte er lachend zu Kap Horn , der ihn kopfschüttelnd betrachtete , ging in die Koje , suchte sich trocknes Zeug aus dem Beutel und setzte sich geruhig wieder bei den Knurrhähnen hin , als wenn nichts geschehen wäre . Was war ' s denn auch weiter : er hatte bloß einmal über Bord gelegen . Dreizehnter Stremel . Is de Sommer all her ? - fragen die Frauen , die einander begegnen , denn ein grieser , nebeliger Tag liegt auf der Niederelbe , die bei tauber Tide schwerfällig ebbt . Nach starken nächtlichen Regengüssen ist die Luft dick geworden . So diesig ist es , daß die Sonne kaum einen Schatten werfen kann . Wie der Mond steht sie am Heben , eine weiße Scheibe ohne Strahlen . Den Daak vermag sie nicht zu vertreiben . Im Fahrwasser besinnt alle Schiffahrt sich auf die kaiserliche Verordnung und erhebt ihre warnende und sichernde Stimme , um Zusammenstöße zu vermeiden . Die vor Anker liegenden Bagger läuten die Glocke , die kreuzenden Segler blasen auf dem Ochsenhorn und die Dampfer tuten und brummen ununterbrochen auf der ganzen Strecke von Neumühlen bis Blankenese , daß man meinen könnte , mitten im Hamburger Hafen zu sein . Der Rauch , der den Schornsteinen entquillt , hat nicht die Kraft , sich zu erheben . Müde sackt er auf das Wasser . Alle Segel und Schiffe haben etwas Formloses , Gespenstisches . Wie Herbst ist der Tag . * * * » Stuten ! Wö ok Stuten ? « Metta Greuns , die Stutenfrau , die von dem schriftgelehrten Jan Stihr , der ein bißchen heilig ist , nicht mit Unrecht die Finkenwärder Morgenpost genannt wird , kommt mit ihren mächtigen Kiepen den Deich entlang , die fast größer sind als sie , und singt vor allen Türen .