doch bleiben . « Nach dem Segen wollten die aufgebotenen Paare - neun an der Zahl - summarisch durch das Sakrament der Ehe kopulieret werden . Wie sie niederknieten , gab es schier ein Getümmel von solchen Junggesellen und Jungfern , so bei diesem Anlaß sich still einander verloben wollten . Thekla warf einen traurigen Blick hinter sich , ward mein ansichtig und erschrak . Ich machte mich neben sie , und nun richtete sie ihre Augen tränenvoll , doch zärtlich auf mich . Wie von Magie angezogen , reichten wir einander die Hand und knieten zu den andern nieder . Taumeligen Fluges schwebte meine Seele im Himmel . Ich vernahm die Worte : » Was Gott zusammenfüget , soll der Mensch nicht scheiden . « Tillys Geschütze brülleten ein höhnisch Amen . Alsdann nahmen sowohl die verlobten wie die verehelichten Paare das Abendmahl . Kaum war die heilige Handlung vorüber , so gingen Thekla und ich - wie es die Sitte gebot - in Züchten voneinander , obwohl unsere schmachtenden Herzen uns unlöslich verbunden deuchten . Eine Weihe trug ich im Busen , die mein Quartier mit seligen Phantasien erfüllte , bis mich endlich der Schlaf unter sein Zepter nahm . Um Mittage kam der Page von nebenan und holte mich zum Obersten . Ich fand daselbst etliche Offiziere und ein Häuflein Bürger , zumeist Schiffer und Handwerker . In unsere Mitte trat Falkenberg , dessen Angesicht in finsterem Trutze erstarret schien . » Magdeburger ! « - sprach er heiser ; » habe euch versammelt , dieweilen ihr keine schelmischen Proditores oder mattherzigen Akkordbrüder seid , sondern wahrhaft patriotischen und treu evangelischen Sinnes . « Schweigend nickten die Bürger . » Nun denn , « fuhr Falkenberg fort , » wie ihr wisset , soll heute Tillys Trompeter , der Überbringer des Ultimatums , von der Stadt mit ihrem Bescheide zurückgeschickt werden . Sintemalen nun der Rat all seine Courage eingebüßet , so will er hinter die Menge retirieren . Hat aus diesem Grunde die ganze stimmfähige Bürgerschaft für heute Nachmittag in die Häuser ihrer Viertelsherren berufen , auf daß jedes Stadtviertel für sich ein Votum abgebe . Bitt euch , ihr Bürger , wollet doch mit aller Macht die geplanten Verhandlungen hintertreiben ! Der Akkord wäre unser Untergang . So wir aber dem Feinde durch kecke Ablehnung alle Hoffnung nehmen , verbleibet ihm nur der Ausweg , entweder die Belagerung aufzuheben , maßen die schwedische Majestät mit dem Entsatzheere allbereits bei Burg sein muß , oder aber an unserer Beste sich den Kopf einzurennen . Gläubet mir , nicht der Belagerer draußen ist jetzo unser schlimmster Feind , vielmehr in unsern Mauern der schwache Mut und schleichende Verrat . « » Schelme sind die Akkordbrüder ! « rief es aus der Versammlung . » So vereitelt denn auf jede Weise den Akkord ! Streuet aus , was ich jetzo euch sage . Diese Nacht zwischen eilf und zwölf werden bei Biederitz drei Feuer aufgehen . Lasset die Zweifler auf die Domtürme steigen , und dann saget ihnen : Das ist König Gustavi Signal , anzeigen soll es , daß die schwedischen Vorposten schon da sind , und daß Magdeburg nicht in letzter Stunde alles verderben soll . « Ein paar der Versammelten nickten schlau , andere blickten bedenklich . » Mit Verlaub , « meinte ein Bürger - » können wir uns denn auf die Signalfeuer verlassen ? « » Feste wie up en Swur , « platzte ein Schiffer heraus - - » wat mien Fritze öwernehmen duht , is als fix und fardig . « Da nun etliche Gesichter säuerlich wurden , dieweil zutage getreten , daß die Signalfeuer nur Vorspiegelung seien , entschuldigte sich Falkenberg : » Ja , es ist weit gekommen , daß wir müssen zum Truge greisen , die Bürgerschaft vor Desperation zu bewahren . Doch lasset gut sein ! Hinterher wird man unsere gewagten Mittel segnen . Im übrigen kann ja der König wirklich nicht mehr ferne sein . Daß aber die Feuer brennen werden , ist so gut wie sicher . Dieses Mannes Sohn , der Fritze , will mit zween anderen heute abend die Elbe hinunterschwimmen , beim Biederitzer Busche an Land gehen und die Feuer anbrennen . Sorget nun . Freunde , daß recht viele Leute bei Nacht die Türme besteigen . Und ferner könnet ihr sagen : Tilly will die Stadt , auch wenn sie sich ergibt , drei Tage plündern lassen - hat seinen Kroaten vorgeredet , hier sei der Reichtum dreier Königreiche . « Scheu blickten die Bürger und grollten . » Höret weiter « , sprach Falkenberg , indem er ein Schriftstück aus seinem Koller zog . » Hier halte ich einen Brief von der schwedischen Majestät ; vernehmet , was darinnen geschrieben stehet . « Hierauf tat der Oberste den Hut von seinem Haupte und las : » Meinem getreuen Falkenberg zu wissen , was Zeitung mir worden . Herzog Wallenstein , vordem Kaiserlicher Feldherr , ist auf seinen Nachfolger Tilly neidisch und ist ränkevoll beflissen , diesen Ligisten in die Schwerenot zu bringen , auf daß hernach der Kaiser keinen andern Rat wisse , als den altbewährten Generalissimum zum Retter des Reiches zu berufen . Vor den Augen der Welt ist der Wallenstein ein Freund Tillys , heimlich aber sucht er seine Lage zu verschlimmern . So hat er seinen mechelnburgischen Statthalter angewiesen , dem Tilly nur ja keinen Proviant zu verschaffen . Ferner möchte der Wallenstein dem Tilly , falls dieser Magdeburg in seine Gewalt bekommen sollte , die Suppe gänzlich versalzen . Hat dahero seinem Freunde Pappenheim , so blind auf ihn vertrauet , den teuflischen Rat gegeben , die Stadt nach der Kapitulation zu plündern und dann durch Feuer vom Erdboden zu tilgen . « Wie diese heillosen Worte ausgesprochen waren , erhub sich unter den Versammelten ein Gemurmel des Entsetzens und der gärenden Wut . Doch Falkenberg las weiter : » Die Vertilgung Magdeburgs soll der lutherischen