Manasse alle kleinen Wege durch die Wälder und meinte zuversichtlicher , als sonst seine Art war , man würde gewiß glücklich durchkommen , wenn man sich weit genug rechts von der großen Straße halte nach dem Schlosse des gnädigen Herrn zu . Anfänglich hatte sich Joel lebhaft widersetzt , der letzte Zusatz schien ihn aber anders zu stimmen . Der Alte mochte ihn nicht ohne Absicht beigebracht haben , Joel schwieg - Manasse fuhr quer über die Chaussee nach dem Walde zu . 4. Die Finsternis zwischen den Bäumen war natürlich noch dichter und das Fahren sehr beschwerlich . Manasse zitterte und klapperte vor Frost in den nassen Kleidern , sprach aber kein Wort . Er mochte indes noch so oft absteigen , und rechts abführende Wege suchen , indem er mit den Händen herumtastete , immer hörte man von Zeit zu Zeit auf der linken Seite den verworrenen Lärm russischer Kriegsvölker . Nicht selten mußte er stillhalten , weil er bald eine marschierende , bald eine reitende Truppe vor sich hörte . Es blieb auch nicht aus , daß sich einzelne Nachzügler am Wege fanden , welche vor Wunden oder Erschöpfung nicht weiter konnten und den Wagen in Anspruch nahmen . Glücklicherweise war aber Manasse der russischen Sprache völlig mächtig , und er wies alle Zudringlichen mit dem barschen Bedeuten ab , er führe einen verwundeten russischen General . Bei alle dem war die Lage äußerst gefährlich ; wenn die Russen die polnischen Uniformen gut dem Wagen erkannten , so war das Äußerste zu befürchten . So nötig ihnen also auch das Tageslicht war zum Auffinden des Weges , so besorgt sahen sie doch das verdrießliche Grau des Morgens heraufdämmern . Und das Unglück stand auch schon am Wege . Nicht weit von ihnen teilte sich die Straße ; am Scheidepunkte hielt ein russischer Offizier zu Pferde . Als er das Fuhrwerk erblickte , kam er ihm einige Schritte entgegen und forderte mit rauhen Worten die Abtretung des Wagens . Manasse brachte die gewöhnliche Entschuldigung vor . Der Offizier ließ sich aber nicht hindern , zog den Degen , gebot Halt und steckte den Kopf nach dem Wagen hinein . Glücklicherweise war jener Mantel , womit Joel auf dem Schlachtfelde seinen Nachbar zugedeckt hatte , von einem russischen Kürassier . Joel suchte deshalb in Eile sich selbst damit zu bedecken , und da er ebenfalls Russisch verstand , so rief der drohend , der Kamerad möge einen russischen General nicht aufhalten . Der Offizier an die unterwürfigste Subordination gegen Höhere gewöhnt , wollte sich eiligst zurückziehen , als Valerius - so hieß der Nachbar Joels - zum ersten Male die Besinnung wieder erhielt und sich ein wenig aufrichtete . Der plötzliche Stillstand des Wagens , das heftige Gespräch mochten dazu beigetragen haben . Durch diese Bewegung ward der Mantel zurückgeschlagen , und der Offizier sah noch mit dem letzten Blicke polnische Uniformen . Da erhob er ein lautes Fluchen , hieb mit dem Säbel nach Manasse und griff nach der Pistolenhalfter . Manasse war aber dem Hiebe glücklich ausgewichen , Joel schob sich , so schnell und so weit es seine Wunde gestattete , vorn nach der Öffnung des Wagens und drückte ein Pistol nach ihm ab . Der Schuß traf , der Reiter wankte , Manasse hieb in die Pferde , und der Wagen flog rechts in den Weg hinein . Es war dasselbe Pistol , welches Manasse auf dem Schlachtfelde mitgenommen und unterwegs seinem Sohne gegeben hatte . Dies rettete sie für den Augenblick ; der Schuß hatte aber ihre Lage doppelt bedenklich gemacht . Er mußte alles aufregen , was von Feinden in der Nähe war , und wirklich hörten die Flüchtigen bald mehrere Schüsse hinter sich fallen und Lärm von vielen Seiten . Manasse trieb die bereits erschöpften kleinen Pferde auf das äußerste an und fuhr in jeden noch so schwach angedeuteten Weg hinein , welcher sich nach rechts hin öffnete . Nach einer Viertelstunde hörte aller Weg auf , und sie waren mitten im unwirtlichen Forste . Die beschneiten Kiefern sahen sie trostlos an , der Schnee fiel dichter , sie waren ratlos . Manasse stieg wimmernd und betend ab , um einen Ausweg zu suchen . Valerius war unterdessen völlig zu sich gekommen , Joel sah jetzt hastig nach des Nachbars breiter Kopfwunde . Es war der tüchtige Hieb eines handfesten Kürassiers . So gut er konnte , verband er wenigstens die klaffende Stelle mit seinem Halstuche und setzte Valerius von dem in Kenntnis , was mit ihnen vorgegangen war . » Und warum fahren wir zu den Feinden statt nach Warschau ? « fragte dieser verwundert . » Still , still ! « erwiderte Joel , » wo ich Sie unterbringen werde , gibt ' s keine Feinde , es ist eine überaus patriotische Familie , Sie werden mit Bequemlichkeit geheilt , die alte Gräfin - « Ein durchdringender Schrei Manasses unterbrach ihn . Sie fuhren hastig an die Öffnung des Wagens , Manasse kam an den Wagen gestürzt , die Pferde gerieten in Bewegung , ein Wolf sprang durch die Bäume , graurot , mager , den Kopf mit den tödlichen düsteren Augen nach dem Fuhrwerke gerichtet . Valerius und Joel schrien ebenfalls jach auf , die Pferde jagten mit dem Wagen in die Bäume hinein , die Achsen und Rippen des Fuhrwerks krachten , mit Mühe erhaschte Joel die Zügel und sprang , seine Wunde vergessend , aus dem Wagen . Ebenso tat Valerius , dessen Füße ihn nicht hinderten , rückwärts nach dem verlassenen Schauplatze zu laufen . Joel konnte nicht wieder von der Erde in die Höhe und schrie auf das kläglichste : » Manasse , Vater Manasse ! « Der Alte war bei dem plötzlichen Anrücken des Wagens auf die Seite geworfen worden und zurückgeblieben . Alles das lag im Zeitraume von wenig Augenblicken . Valerius fand noch vom Schlachtfelde den Säbel an seiner Seite , und obwohl ihm Schmerz und Betäubnis durch die Wunde bei der