sonderlichsten Laune Poncet plötzlich losließ . Es schneite weich und die Flocken tanzten . » Nein , « sagte er nur , » hier werde ich mich nicht groß besinnen und einfach zurück die alte Fährte gehn ! « Poncet war auch ein Frauenkenner . Aber mit Einhart jetzt oft in seiner alten Versunkenheit . Und ehe er also ganz begriff , hatte Einhart nur noch zurückgerufen , daß sie sich in dem Kaffeehause gegen die Nachtzeit wiederfänden . Einhart lief , was er konnte . Das Mädchen war wieder in seiner Nähe . Sie war schlank und hatte einen eiligen Schritt . Offenbar ging sie mit einem Ziele . Einhart war kindlich erregt , neugierig und lustig . Er kannte auch gar keine Scheu und Rücksicht . Ihre Augen hatten wie sammetene Blätter geschienen . Dunkel und großäugig hatten sie ihn angeblickt , wie Eulenaugen . So tief , wie wenn es Weisheit gewesen , die ihn angesehen . So lief er jetzt nur schnell vorüber und blickte sich nach den Augen wieder um . » Nein , um keinen Preis dürfen Sie mir jetzt entwischen , « sagte er hastig . » Wie ? « sagte das junge Fräulein nur , als wenn sie ganz arglos wäre und gar nicht weiter auf ihn geachtet . Da stand auch Einhart in seinen langen Mantel gehüllt schon vor ihr mit seinen lächelnden Augen voll kindlicher Freude , sah ihr prüfend drollig ins Gesicht und machte sie so im Laternenscheine und Flockenspiele lachen . » Lachen Sie nur , mein sehr gutes Fräulein ! Aber ich muß um jeden Preis noch einmal Ihre Augen sehen , ehe ich es glaube ! « sagte er bestimmt . » Was glaube ? « sagte das Fräulein , das eine sanfte , bleiche Miene hatte und dessen Augen in Wahrheit groß schienen wie Dunkelflecken . Der Schneefall trieb und tanzte um sie . » Ach , nein , nein ! so etwas Wunderbares ! « sagte Einhart ganz inbrünstig . » Ich muß Sie um jeden Preis wiedersehen . « » Wenn Sie meinen ! « sagte das Fräulein , kindlich wie er . Denn Einhart gewann durch Ton und Glück seines Erstaunens gleich einen Eingang in ihre Seele . » Wenn es nur meine Augen sind ! « sagte sie sanftmütig und brach dann plötzlich richtig in Kichern aus . Da gingen sie schon miteinander . Das Mädchen war eine kleine Putzmacherin . Sie trug noch ein Paketchen zu Kunden aus . Sie hieß Johanna und war voll Übermutes . » Sie sind wirklich ein Ungestüm ! « sagte sie zu Einhart . » Maler sind Sie ? « fragte sie ihn noch einmal , als er ihr erzählt hatte , daß er eben zu einem Bilde ein Paar besonderer Augen schon ewig in seinen Träumen und auf allen irdischen Wegen gesucht und nicht gefunden hätte . » Ich brauche irgendeinen Ton aus der Seele , eine glückliche Tiefe . Und renne schon immer herum , wie ein Raubtier äugend , « mühte er sich jetzt , von seiner Arbeitsnot einen Begriff zu geben . » So wollen Sie mich also verspeisen ! « sagte Johanna . So liefen sie lange miteinander und plauderten allerlei Loses , worüber sie immer wieder beide lachen mußten . » Ich wohne bei einer Wäscherin , wo ich mein Stübchen habe , « sagte Johanna . » Sonntags bin ich immer frei . « Es stellte sich heraus , daß Johanna erst vor wenigen Monaten in die Stadt gekommen und noch scheu und ängstlich war . Einhart war an dem Abend wie losgebunden . Er hatte so viel Dummheiten im Kopfe , daß Johanna aus dem Lachen nicht herauskam , so beschneit , wie sie schließlich aussah . Er hatte ihr längst das Paketchen abgenommen und ging die ganze Strecke neben ihr ordentlich wippend . Ihr war es längst auch recht . » Ich bin ein bisset töricht richtig in der Stadt , « sagte sie . » Das paßt sich doch gewiß nicht , wenn ich zu Ihnen käme . « » Ih , mein Fräulein , « sagte Einhart . » Was nicht paßt , muß passend gemacht werden , wie Ihre Hüte ! Darauf verstehen wir uns doch . Und außerdem « , redete er weiter , » dienen wir beide einem Höheren ! « » Oh , Sie sind aber sehr eingebildet ! « sagte Johanna . » Was wäre denn das ? « » Die Kunst ! die Kunst ! « sagte Einhart äußerst gewichtig . » Das ist eine Ausrede ! « sagte Johanna . Beide lachten wieder um der Rede willen . Aber beider Augen lachten auch jetzt , wenn sie eine Weile nur stumm die Flocken an Mund und Nase spürten , die ein wenig kitzelten . So waren sie bis ans Ende der Straße gekommen , wo ein großer Platz im dämmernden , nächtlichen Schneetreiben lag . Johanna erledigte ihre Mission . Einhart mußte eine Weile , vergnügt die Schultern in die Höhe stoßend und trappend , weil es kalt war , hin und her gehen , ehe er wieder ihre weiche Plauderstimme aus dem Dämmer vernahm . Auf dem Heimwege plauderten sie schon allerhand Zutrauliches . So daß Einhart jetzt dünkte , als ob er diesen Laut seit Ewigkeit gehört . So ist alles innerlich Nahe und Verwandte , wenn es auch zum ersten Male unser Ohr und Auge trifft , uns gleich vertraut und will uns erscheinen wie in uns selber , wie ein Stück erweckten Eigenwesens . Es gibt eine wunderbare Ruhe und Freude , ihm zu begegnen . Johanna erzählte , daß sie , eines kleinen Beamten Tochter , von Hause gegangen , weil eine zweite Mutter ihr das Leben verbittert . Nicht sehr viel davon . Einhart hatte auf Rückblicken jetzt gar nicht die Gedanken . Ihm war mit der Gegenwart genug . Er hielt Johannas Arm mit Scheu und sah nur oft