die Krippe geschaut , ob die Tiere das Stroh nicht unter dem Kinde wegzogen , und ob er noch ein Büschel unterlegen müsse . Das waren drei arme Menschen . Aber die Hirten sind vor ihnen niedergekniet . Es ist ein lichter Schein von der Krippe ausgegangen und auf sie gefallen . Der leuchtet noch heute den Armen . In diesem nackten Kindlein erstand ihnen ein Streiter . Wie es neben der Hobelbank aufwuchs und in ehrfürchtiger Liebe an den Händen der Eltern die Ehrenmale der Arbeit sah , ist in ihm der heiße Wunsch groß geworden , den Menschen zu helfen . Und es ist der erste Kämpfer geworden gegen die Reichen und Mächtigen . Die leidenden Menschen wissen es kaum ; in der lauten Verehrung seines Namens ist gerade das zur Vergessenheit gekommen . Aber einmal im Jahre müssen sie daran denken . In der stillen Winternacht , wenn man die Geburt des Kindes feiert . Da mögen die Armen glauben , daß der Mann sein Leben lang zu ihnen gestanden ist , der im engen Stalle auf die Welt kam . Dichtgedrängt standen die Leute in der Kirche , und immer noch ging die Türe auf und zu . Vorne am Altare und an den Seitenwänden brannten Kerzen ; davon war die gewölbte Decke erhellt ; unten auf der Menge lag tiefes Dunkel . Aber hier und dort flackerte ein Licht , und in seinem gelben Scheine hob sich scharf umrissen ein ernsthaftes Gesicht ab . Eine alte Bäuerin , die ihren Wachsstock angezündet hatte und im Gebetbuche las . Man sah die Lippen sich bewegen und den Hauch vom Munde gehen . Die Menge stand nicht still . Viele rührten sich , daß sie die Kälte nicht so empfindlich merkten . Die Füße scharrten den Boden , unterdrücktes Husten kam aus dem Dunkel heraus und hallte vom Gewölbe zurück . Mit einem Male verschlang voller Orgelton das Geräusch ; Herr Stegmüller griff drei oder vier kräftige Akkorde und ging zu einer Melodie über . Eine dünne Frauenstimme fiel ein , und wer zum Chor hinaufblickte , sah in schwacher Beleuchtung die Näherin , die Schallmaier Zenzi , welche auch des Sonntags das Hochamt begleitete . Für gewöhnlich mußte sie lateinische Worte singen ; heute war es ein deutsches Lied . Den Brauch hatte vor vielen Jahren der Pfarrer Held so eingeführt . » Es ist ein Ros ' entsprungen Aus einer Wurzel zart , Wie uns die Alten sungen , Aus Jesse kam die Art. Und hat ein Blümlein bracht Mitten im kalten Winter Wohl zu der halben Nacht . « Als das Lied zu Ende war , zog der Mesner dreimal an der Sakristeiglocke ; der Pfarrer schritt im goldgestickten Kleide zum Altare hin , die Ministranten klingelten , und einer schwang das Weihrauchfaß . Jetzt kam wieder das Lateinische zu seinem Rechte . Die Schullerin war in dem Gedränge bis zur Seitenkapelle geschoben worden . Hier hatte der Mesner eine Krippe aufgerichtet ; darstellend die Geburt des Herrn . Über die Hälfte des Raumes nahm der Stall von Bethlehem ein ; es war aber kein Stall , wie sie vielleicht in Palästina gebaut worden sind ; es war ein richtiger , ordentlicher Stall , wie man sie hierzulande hat . Alles darin war genau und gut nachgemacht ; Barren und Raufe , ein hölzerner Verschlag , in dem man die Schweine unterbringt , oben die Luke , durch die man das Heu herunterwirft ; dazu Geräte und Handwerkszeug , ein Schubkarren , Trankkübel und ein Melkstuhl waren da ; Heurechen und Gabeln waren an die Wand gelehnt . Und hinter dem Barren stand ein Ochse ; aber kein Ochse , wie man sie in Palästina hat , sondern ein richtiger Pinzgauer , rot und weiß gefleckt . Der Esel daneben ist eher orientalisch gewesen , denn der Meister hatte ihn ohne Vorbild geschnitzt . Vom Stalle weg dehnte sich eine Landschaft aus ; eine richtige , deutsche Schneelandschaft mit Hügeln und Bäumen . Am dunkeln Himmel leuchteten die Sterne ; einer besonders hell . Das war der Stern , der die Weisen aus dem Morgenlande herbeiführte . Zu dem sahen die Hirten hinauf ; sie mußten aber die Augen vor seinem Glanze bedecken . Andere Hirten hatten sich vor dem Stalle aufgestellt und schauten andächtig hinein . Da saß die Jungfrau auf dem umgestülpten Schubkarren und hielt zärtlich blickend das Kindlein im Schoße . Der Joseph stand daneben ; mit der linken Hand strich er sich den langen Bart , die rechte hielt er freudig in die Höhe , und sie stieß beinahe an der Decke des Stalles an . Die Schullerin schaute gar andächtig auf die Gruppe . Das war so , wie es im Liede gesungen wurde . » Und hat ein Blümlein bracht Mitten im kalten Winter Wohl zu der halben Nacht . « Da mußte sie an ihr eigenes Kind denken , das sie den letzten Herbst zur Welt gebracht hatte . Und das ihr der Pfarrer in ungeweihter Erde neben der Friedhofmauer einscharren ließ , weil es nicht getauft war in dem Glauben dessen , der da drinnen in der Krippe so hilflos auf seiner Mutter Schoß lag . Es steht aber geschrieben : » Acht Tage später wurde das Kind beschnitten und ihm der Name Jesus gegeben . « Eine ganze Woche später . Wenn da ein Unglück geschehen wäre , ob sie im Morgenlande gegen die Mutter auch so grausam gehandelt hätten ? Das ihrige war keine Stunde alt geworden und durfte doch nicht liegen neben den Eltern , um auf die Auferstehung zu warten . Daran mußte die Schullerin denken . Wenn das nicht geschehen wäre , hätte vieles ein anderes Aussehen bekommen . Von dem Tage an war der Verdruß angegangen und hatte nicht mehr aufgehört . Ja , wäre das nicht gewesen , dann stünde jetzt der Bauer neben ihr und fehlte nicht am heiligsten Abend in der Kirche . Eine lebhafte Bewegung kam