Architekt vor seinem Werke und lobte laut , daß er zufrieden sei . - - - Was war es für ein Bau ? Kein Mensch vermags zu sagen . Wo liegt der Berg ? Ich weiß es nicht , doch möchte ich ihn finden . Und wenn ich mich nicht irre , bist du bereit , mit mir nach ihm zu suchen , Effendi « . » Es wäre wohl der Mühe wert , sich hiermit zu beschäftigen , « antwortete ich . » Es steckt in jedem Märchen und in jeder Sage ein Kern , um dessen willen die Dichtung entstanden ist . Jedenfalls enthält auch diese Erzählung von Chodeh , dem Eingemauerten , eine Wahrheit , welche in dieser Form gesagt worden ist , um jedermann zugänglich zu werden . Nur meine ich , daß dieser Gottesberg mit seiner zugemauerten Alabasternische nicht an irgend einem geographischen Ort , sondern nur auf rein geistigem Gebiete zu suchen sei . « » Ich nicht . « » Wie ? « fragte ich überrascht . » Du denkst dir einen wirklichen Berg , auf den ich mit diesen meinen Füßen hier steigen könnte ? « Da flog ein unbeschreiblich schalkhaftes Lächeln über ihr schönes Angesicht , und es klang beinahe wie von oben herab , als sie erwiderte : » Effendi , Effendi ! Willst du mich etwa glauben machen , daß ein Kurmangdschimädchen klüger sein könne als ein Gelehrter aus dem Abendlande ? Was meinst du , wenn du von Wirklichkeiten sprichst ? Ist nur das wirklich , was ich sehe , höre , fühle ? Und muß das , was du als geistiges Gebiet bezeichnest , von unsern Sinnen niemals wahrzunehmen sein ? Sind wir Menschen nicht unendlich verschieden begabt ? Der Eine sieht , hört , riecht , fühlt oder schmeckt etwas , wofür der Andere nicht einen einzigen Empfängnisnerven besitzt . Und diesem Andern werden dafür viel tiefere und verborgenere Dinge offenbar , welche der Vorige für unbegreiflich hält . Ich bin nicht wie du , und du bist nicht wie ich ; aber indem wir uns gegenseitig vertrauen und ergänzen , können wir uns zu einer Persönlichkeit vereinigen , welcher zu erreichen möglich ist , was wir vereinzelt nie erreichen würden . Das ist so leicht zu begreifen ; aber schau um dich und sag , ob man es beherzigt ! Der Sonderstolz , Effendi , der Sonderstolz ! Du magst meinen , noch so hoch zu stehen , so hast du herabzusteigen , um zu lernen und dich fördern zu lassen . Willst du aber keinem Niederen etwas zu verdanken haben , so stehst du unter ihm , bist niedriger als er ! Ich wollte ich dürfte dir die Berge zeigen , die es für mich giebt , obgleich du sie nicht siehst « . » Und ich dir auch die meinen ! « fiel ich da schnell ein . » Wo stehen sie ? « fragte sie ebenso schnell . » Da oben an der Grenze , in stiller Einsamkeit . Nur selten kommt ein Mensch , um dort emporzusteigen und heimzukehren in das Wunderland . « » An der Grenze ? Heimkehr ? Wunderland ? Effendi , du siehst ich bin überrascht ! Meinst du etwa dasselbe wie ich ? Dieselben Felsenkronen , die mir so oft im Abendrot erglühten ? Dieselben Pfade durch die heil ' ge Stille , in welcher jede Blume und jeder Lufthauch betet ? Dasselbe Wasserrauschen , von welchem meine Seele trinkt , noch durst ' ger als die Lippe , die ich kühle ? Warst du vielleicht in jenem Tal der Sternenblüten , wo unsichtbar die Seelen wandeln gehen , doch ihrer Füße Spur im grünen Moose lassen ? Ich war einst dort , mit Marah Durimeh ! Wir hörten süßes Flüstern um uns her und leises Wehen , wie von himmlischen Gewändern . Ein Veilchen stand am Quell , das einzige im ganzen , weiten Tale , soeben erst gepflanzt , die Wurzel zärtlich sorgsam eingebettet und dann befeuchtet , daß sie trinken könne . Da kniete Marah Durimeh sich nieder , schloß es mit ihren lieben Händen ein und sprach : So war er also hier ! Ich kenne seine Weise und auch die namenlos Verehrte , die er mit seiner Lieblingsblume grüßt ! Ich wagte nicht , zu fragen , wen sie meine . Jetzt aber denk ' ich an die Lagerstätte , die ich mit deinen Lieblingsblumen schmückte , damit ihr Duft die Seele dir erhalte . - Nun sag ' , Effendi , kennst du meine Berge ? Warst du schon dort ? Bist du die Seele , die mit Veilchen grüßt ? « Da stand ich auf und ging zum nahen Erlenstrauch ; dort blühten einige Veilchen . Ich pflückte sie und reichte sie der Fragenden . Auch sie stand auf , steckte die Blumen in das Haar , welches nun wieder in vollen Zöpfen niederhing , und sagte : » Ich kenne seine Weise , sprach Marah Durimeh . Effendi , wenn du ins Tal der Sternenblumen kommst und dort ein zweites Veilchen stehen siehst , begieße es , wie ich das deine tränken werde ! Es sei fortan auch meine Lieblingsblume . Und nun sag ' mir : Warum kamst du hierher an diesen Stein ? Zwei Menschen , welche gleiche Pfade gehen , die pflegen gegenseitig sich zu ahnen . Dich zogen die Ruinen her zu mir ? « » Ja , Schakara . Dir will ich offen sagen , daß ich sie durchforschen werde , heimlich , bis in ihren tiefsten Winkel . Niemand soll jetzt davon erfahren , außer du . « » Also treffen wir uns auch hier auf gleichem Wege ! Ich war schon oftmals dort , ganz unbemerkt , des Nachts . « » Warum ? « » Warum ? Du weißt ja , was ich suche ! Den Berg , die Alabastergrotte , das Meisterstück des Architekten , der Schein auf Schein