schön für sie . Den ihren gleich ? nein , tausendmal höher , glänzender , schwungvoller . Damals ging ich auch so ratlos und verzweifelt , dachte sie , so einsam , allein auf der Erde . Und da kamst du gegangen , und was ich gewollt und ersehnt - in dir fand ich mich selber wieder , nur unendlich viel stärker , besser , reicher ! So weit , weit her kamst du , aus einer anderen Welt , aus anderen Lebensformen , und mit dir verstand ich mich , als hätte eine Milch uns genährt . Einer bist du , einer bin ich - unter all den Millionen - wo sind unsere Freunde ? Gewiß - sie sind da ! sie warten auf uns ! sie stehen hinter der Tür ! Ihre Hände sind ausgestreckt , die unsrigen zu fassen ! Sie halten kaum den Ruf nach uns auf ihren Lippen zurück ! Es wird ihnen schwer , ihre Ungeduld zu zügeln , so wie wir kaum die unsere zügeln können ... Soll ich nicht rufen ? Und unwillkürlich fast , kaum wissend , was sie tat , begann Josefine den unbekannten Freunden zu rufen . Sie wollte diese Hände fassen , die sich ihr wartend entgegenstreckten . Sie wollte diesen Augen begegnen , die aus Not und Drangsal des Tages wie aus der Wüste der Einsamkeit die ihren suchten . Sie wandte sich zurück an jene Fernsten , die sie nur ahnte , nicht einmal glaubte : sie schrieb . Aber ihrer impulsiven Natur war dieser Weg zu weit , zu lang , und sie fühlte , daß nur die Hoffnungsvollen ihn beschreiten können - jene , die zu warten wissen , denen die Sehnsucht nach dem Echo der Gefundenen nicht sofort erfüllt werden muß , und die ohne dieses Echo sterben . Nein , unmittelbarer als mit der Feder , mit ihrer eigenen Stimme wollte sie die unbekannten Freunde erreichen , zusammenrufen , mit ihren eigenen leiblichen Ohren den klagenden oder begeisterten , nicht durch sie , aber mit ihr begeisterten Widerhall hören . Und dann , wenn wir viele geworden sind - wer weiß ! vielleicht können wir doch gemeinsam etwas tun , etwas - etwas tun ! dachte sie , und es schien ihr , als weiche die zehrende Unruhe von ihr , die sie keinen Augenblick mehr verließ ... Etwas tun ... ach ! Helene Begas brachte eine deutsche Zeitschrift mit ; sie war ganz aufgeregt , zwischen Ärger und Vergnügen . Beim Mittagessen , nach der Suppe , schlug sie auf und las : » Gelehrte Weiber und geprellte Ehemänner ! Nun - klingt nett , nicht wahr ? vielverheißend ! Und wahrhaftig , ich sage euch , - der Titel ist so anlockend - massenhaft wird die Nummer gekauft ! Wenigstens zwanzig Studenten standen am Kiosk : Mir auch Gelehrte Weiber , bitte mir Geprellte Ehemänner - so ging es in einem fort ! Nach dem Inhalt fragte kein Mensch , es war nur der Titel . Huh , war ich wütend ! Diese Burschen da ! Dies Gegrinse und Gewieher ! Ich glaube , was von schlechten Elementen in Zürich studiert , drängte sich zu dem Kiosk , ich war das einzige Frauenzimmer . Wie Butter an der Sonne fühlt ich mich . « » Was ist ' s denn ? was Witziges und Nettes ? « fragte Josefine , lächelnd über Lenis Eifer . » Witzig keine Spur , « schrie die Mathematikerin , » immer das Gewöhnliche ! Wenn sie noch Geist hätten ! Aber das ist wirklich die Strafe des Himmels - sobald einer sich verleiten läßt , dies Thema anzupacken - gleich verläßt ihn , was er etwa an Geist besitzt , und nur Bosheit bleibt und Plattheit ! « » Warum sind Sie so aufgeregt ? « Bernstein öffnete seine Augen , so weit er konnte , » scheint es mir , daß dieser Herr Verfasser nicht sehr gefährlich sein kann . « » Bosheit und Plattheit nicht gefährlich ? « Helene schlug die Hände zusammen . » In welcher Welt leben Sie , Bernstein ? Unermeßlicher Schaden geschieht durch solche boshafte platte Darstellungen ! Alle Esel wiehern Beifall , fühlen sich gehoben und gestärkt in ihrer Eselhaftigkeit ! « » Halten Sie den Verfasser auch für einen Esel ? « erkundigte sich Georges , mit seinem Löffel spielend . » Wer ist der Verfasser ? « fragte gleichzeitig Bernstein . » Ich weiß nicht ; er unterzeichnet Strindberg jun. Na , das ist nun eine Unverschämtheit mehr , Strindberg hat doch Geist , aber dieser Junior ist nur platt ! wie eine Scholle , sag ich Ihnen . Hören Sie mal ' ne Probe . « Helene las vor : » Ein bewußter Schwindel ist dieses sogenannte Streben nach Gleichberechtigung der Geschlechter . Die Weiber wünschen durchaus keine Gleichberechtigung , sobald es sich um unbequeme oder schlecht bezahlte Arbeit handelt . Sie wünschen nur die bequemste , angenehmste und am besten honorierte Arbeit an sich zu reißen . Diese Arbeit ist ohne Zweifel die Arbeit des Gelehrten , und darum wollen die Weiber plötzlich alle gelehrt werden . Sie haben mit ihrer bekannten Schlauheit entdeckt , daß es sehr angenehm ist , Arzt zu sein , eine Vorzugsstellung zu besitzen und gute Honorare zu beziehen . Die Folge ihrer Entdeckung ist nun ein Zudrang zu dem medizinischen Beruf . Gleichberechtigung ! schreien sie , aber sie meinen Herrschaft . Was soll der gleichberechtigte Ehemann der Medizinerin tun ? Nun , die gelehrte bessere Hälfte wird ihm vielleicht erlauben , Wasser zu tragen und ihr die Hände zu waschen , wenn sie aus der Klinik kommt . Das heißt dann sehr hübsch Arbeitsteilung . Kein emanzipiertes Weib drängt sich jemals dazu , Kaminfeger zu werden oder Kloakenputzer : vor dem Ofenruß oder der Abfalldohle macht das Streben nach Gleichberechtigung sofort Halt ! Hier fordert auch die emanzipierteste Emanzipierte keine Arbeitsteilung , sondern höchstens eine Teilung