du Sürich Sperling getötet hast . Ich hab ' s getan . « » Nein , Agathon , du willst eine Wohltat an mir verrichten , aber es ist umsonst . « » Weißt du denn noch , wie es war ? « » Sobald er nur ins Haus kam , Hab ich ihm das Böseste gewünscht , was malt einem Menschen zudenken kann . Ich bin auf den Knien vor ihm gelegen und Hab geschluchzt wie ein Kind , aber er hat kein Erbarmen mit mir und meinen Kindern gehabt . Wie ein Narr bin ich nach Geld gelaufen und ging über Land und dachte mir , wenn er doch tot wäre . Und immer war der Gedanke in mir , bis der Tag kam , wo er dich ins Wasser stieß , und in der Nacht darauf lag ich da und mein glühender Wunsch war wie ein Engel mit feurigem Schwert , wie auf einer Feuerkugel schwebte er aus meiner Brust heraus und ging hin und öffnete das Tor und mein Auge begleitete seine Rachegestalt und sah , wie er aus Bett des Elenden trat und das finstere Herz durchbohrte und ich lag da und jubelte . Später freilich bäumte sich meine Seele dagegen auf und das ganze Leben war mir ein schwarzes Gewand . « Atemlos staunend hatte Agathon gelauscht : all das war sein Erlebnis , sein Gesicht , nur hatte ihn das Schicksal dann nicht verworfen , sondern erhöht . » Es war ein Traum , Vater , « sagte er mit seltsamer Freudigkeit und jene hinreißende Inspiration kam wieder über ihn . » Ich war es , ich hab es getan , mein Engel schwebte hinüber , meine Rache hat ihn getötet . Ich bin kein Jude mehr und auch kein Christ mehr und meine Tat ist über dich gekommen , weil du ein Jude bist und ich von deinem Blut . Weil dein Haus , deine Wände , deine Kleider , deine Messer und dein Gebet es nicht dulden dürfen , und sie mußten alles das an dich heften , wovon ich frei war und frei sein mußte . Denn ich weiß , was bevorsteht , Vater , und meine Hände sind schon ausgestreckt für das Werk . Mir ist , als ob mit Sürich Sperling die ganze christliche Religion gestorben wäre , oder vielleicht nur der böse Geist in diesem Volk , durch den es hassen mußte und Blut vergießen und wußte nicht warum und war selber gequält dadurch . Nimm dein Leben wieder , trag es froher , preß es an die Brust , glaube mir , daß du schuldlos bist ! « Elkan Geyer hatte sich erschrocken aufgerichtet und ihm war , als sähe er seines Sohnes Gesicht in der Dunkelheit leuchten . Dann ächzte er plötzlich schwach auf und verlor das Bewußtsein . Agathon rief nach Licht . In ruhigem Fall sank der Schnee , bisweilen glitzernd und gleißend im Lichtstrom eines Fensters , als Agathon am späten Abend noch umherwanderte . Er begegnete Stefan Gudstikker in der Nähe der Ziegelei und wich ihm aus . Er hatte keine Sympathien mehr für Gudstikker , der zu den Menschen gehörte , die bei ihren Versicherungen stets die Hand auf das Herz legen . Auch hatte er die Gewohnheit , wenn er mit einem Menschen in Streit gelegen , dem andern einen langen Brief zu schreiben , voll von advokatischen Wendungen und rätselhaften Andeutungen auf Ewiges , Zukünftiges und Unveränderliches , - Lügenworte , Verlegenheitsworte . Er liebte die eigene Melancholie , prahlte gern vor Unkundigen , verriet die Pläne zu seinen Arbeiten jedermann in überschwenglichen Schilderungen und Prophezeiungen , schimpfte über alles Große und Anerkannte , sofern es von Lebenden ausging , erhorchte aber dabei stets des Zuhörers Meinung vorher , der er entweder , wenn es sein Vorteil heischte , beipflichtete , oder sie in einem hinterlistigen Feldzug besiegte . All das wußte Agathon , wenn er auch neben diesem Neid , dieser Verbitterung und Großmannssucht einen hohen Zug gewahrte , durch den Gudstikker fähig war , das wirklich Große zu verstehen und sich ihm hinzugeben . Als Agathon am Haus der Frau Olifat vorbeiging , sah er einen helleren Lichtschimmer als sonst aus den Fenstern strahlen . Er stieg auf einen an der Straße liegenden Quaderstein und erblickte ein Bild voll Frieden . Monika saß am Klavier in einem alten , blauen Kleid , das die Arme entblößt ließ , und sie spielte in einer schweren , langsamen , tragen Art , das Gesicht nach oben gewendet , wie wenn sie einer oft gehörten und nun vergessenen Melodie nachhinge . Ihre sonst so geschwätzige Mutter schien stumm und sah aus , als ob sie ihr ganzes Leben an sich vorbeiziehen ließe . Agathon wandte sich ab und blickte in die finstere Landschaft . Er war bewegt . Ziellos ging er weiter , - zur Höhe . In der Luft hing eine Fülle feinen Schneestaubs . Bald kamen die Tannen und eine furchtbare Finsternis brütete zwischen ihnen . Fern im Norden sah er den Lichtschein über Nürnberg . Als er dann wieder umkehrte , gewahrte er den Kirchturm des Dorfes wie eine drohende Nachtgestalt . Wieder ging Agathon vor das Olifatsche Haus , wieder starrte er nachdenklich zu den Fenstern empor und entschloß sich endlich , trotzdem es schon elf Uhr geschlagen hatte , hinauszugehen . Frau Olifat , eine unansehnliche Dame , die beständig etwas einfältig lächelte und von ihrer großen Vergangenheit zu erzählen liebte , lag auf dem Sofa und las . Monika spielte mit ihrer kleinen Schwester Ball . Sie saß auf einem Schemel , fing den Ball auf oder warf ihn fort , beides mit gleichgültiger Gebärde und ohne die Richtung ihres in der Ferne weilenden Blickes zu ändern . Agathon setzte sich zu ihr auf einen zweiten Schemel , stützte den Kopf in die Hand und den Arm aufs Knie und betrachtete Monikas Hände , die weiß und sein waren , mit schlanken Fingern