» Ich suche meinen Stock , Mutter ! « sagte Gustav mit bedeutungsvollem Blicke nach dem Fremden hinüber . » Wo habe ich denn meinen Stock gleich ... Ach , hier is ' r ! « Sam war während des letzten rege geworden . Er hatte ein schnelles Begriffsvermögen . Gustavs Mienen- und Gebärdenspiel war auch äußerst sprechend in diesem Augenblicke . Der Händler sprang auf die Füße , riß seinen Pelz vom Ofen und suchte die Tür zu gewinnen , so schnell wie möglich . Die Mutter war dem Sohne in den Arm gefallen , der holte aus , konnte aber nicht zuschlagen , weil er sonst unfehlbar die alte Frau getroffen hätte . So gelang es Sam , unversehrt ins Freie zu gelangen . Die Frauen standen jetzt um Gustav und beschworen ihn , Vernunft anzunehmen . Er ließ den Stock sinken . Seine Wut hatte sich schnell gelegt , sowie er den Feind in seiner ganzen Erbärmlichkeit gesehen . Der Anblick dieses Männchens , wie es mit erhobenen Händen , kläglich schreiend , sich ein paarmal um sich selbst gedreht hatte , war zu drollig gewesen . Gustav brach noch nachträglich in ein unbändiges Gelächter aus . Er mußte sich die Seiten halten vor Lachen . Und ansteckend , wie die Lustigkeit nun einmal wirkt , lachten die Mädchen schließlich auch mit . Die Bäuerin humpelte hinaus , um des Händlers womöglich noch habhaft zu werden und ihn um Verzeihung für die Untat des Sohnes zu bitten . Aber es war zu spät ; der Wagen fuhr bereits in schneller Gangart aus dem Hofe . III. Kaschelernst war in die Stadt gefahren . Der Hauptzweck seiner Fahrt war , Besorgungen und Bestellungen für die Gastwirtschaft zu machen . Da er bei dieser Gelegenheit hauptsächlich mit Bierbrauern , Zigarren- , Wein- und Likörhändlern zu tun hatte , die bei Geschäftsabschlüssen gern etwas springen lassen , befand er sich bereits am frühen Nachmittage in stark angeheiterter Stimmung . Kaschelernst pflegte sich jedoch nie bis zu voller Besinnungslosigkeit zu betrinken . Auch heute schwankte er zwar bedenklich auf seinen kurzen Beinen , und sein Rattengesicht hatte eine bläuliche Färbung angenommen , aber im übrigen hatte er seine fünf Sinne völlig beisammen , und vor allem war seine Durchtriebenheit nicht im geringsten geschwächt durch die selige Stimmung . In solcher Laune machte er sich auf , seinem Geschäftsfreunde Sam einen Besuch abzustatten . Herr Kaschel aus Halbenau war ein gern gesehener Gast in der Getreidehandlung von Samuel Harrassowitz . Wenn er angemeldet wurde , ließ ihn Sam stets ohne weiteres in das kleine Hinterzimmer . Der Kretschamwirt pflegte meist wichtige Nachrichten vom Lande zu bringen . Auch hier wieder bekam Kaschelernst sein Gläschen vorgesetzt . Man sprach von diesem und jenem . Der Kretschamwirt hatte schon mancherlei Interessantes ausgekramt . In seiner Stellung als Wirt eines vielbesuchten Gasthauses erfuhr er vielerlei , was anderen verborgen blieb . Heute hatte er sich etwas Besonderes bis zuletzt aufgespart . Eine Nachricht , die , wie er mit verschmitzten Augenzwinkern sagte , sie beide angehe : der Saländer Graf wolle dem Büttnerbauer auf die Beine helfen . Der Händler schnellte von seinem Sitze empor . » Das wäre doch ein starkes Stück ! « » Es is genau su , wie ich ' s sage ! « meinte Kaschelernst . » Der Graf will mich auszahlen . Büttnertraugott soll drinne bleiben im Gute . Su is es ! « Harrassowitz stieß eine Verwünschung aus . Dann fragte er , ob Kaschel das genau wisse ; es beruhe vielleicht auf einem falschen Gerüchte . Der Gastwirt erklärte dagegen , der Graf lasse mit ihm unterhandeln wegen Übernahme seiner Hypothek , » Mir kann ' s ja schließlich recht sein , « meinte Kaschelernst mit pfiffiger Miene . » Mir kann ' s schon ganz recht sein , wenn der Graf mich auszahlt ; auf diese Weise komme ich doch zu Gelde . « » Sie wären auch ohnedem zu Ihrem Gelde gekommen , wenn wir das Geschäft zusammen gemacht hätten ! « rief der Händler wütend . » Und was Schönes zu verdienen hätte ich Ihnen außerdem gegeben , Kaschel ! Das wissen Sie ganz gut ! Das hier ist vollständig gegen die Verabredung . Nun kommt der Bauer wieder auf die Füße . Verfluchte Gauner , die Aristokraten . Überall müssen sie sich einmischen . Wie kommt der Graf dazu , sich um dergleichen zu bekümmern ! Verdirbt ehrlichen Leuten die Preise ! « Harrassowitz war in diesem Augenblicke ehrlich entrüstet . Er empfand die Hilfe , die der Graf leisten wollte , als ein persönliches Unrecht , als unerlaubtes Eingreifen eines Unbefugten in seine Domäne . Kaschelernst lächelte stillvergnügt und rieb sich die Hände . Er freute sich an Sams Ärger . Dann trank er sein Glas aus und meinte : » Ja , da wird ' s am Ende diesmal doch nischt werden . « Damit erhob er sich zum Gehen . Sam blieb in ärgerlichster Stimmung zurück . Der Gedanke , daß ihm das Büttnersche Bauerngut entgehen sollte , war äußerst schmerzlich . Er hatte im Geiste bereits über dieses Gut verfügt , als sei es sein Eigentum . Unter anderem waren Unterhandlungen angeknüpft wegen einer Dampfziegelei , welche er auf dem neuen Besitz anzulegen gedachte . Ferner hatte er sich überlegt , welche Stücke er abtrennen und veräußern und welche er behalten wolle . Das Hauptgeschäft aber hatte er mit dem Walde vor . Den sollte ihm die Herrschaft Saland für teueres Geld abnehmen . Alle diese bereits eingefädelten Pläne drohten nun in nichts zu zerfallen durch das , was er soeben von Kaschelernst erfahren hatte . Denn wenn der Graf wirklich für die Schulden des Bauern eintrat , dann wurde nichts mit der Subhastation , auf die es der Händler in erster Linie abgesehen hatte . Er hatte schon eine Menge Arbeit in diese Sache gesteckt , und nun sollte alles das auf einmal verloren sein . Das war