Holk bemerkte : » Verzeihung , Königliche Hoheit , aber steht es denn überhaupt fest , daß die Gräfin den König begleiten wird ? Seine Majestät , soviel ich weiß , ist voll Rücksicht gegen Eure Königliche Hoheit und kennt nicht nur Dero Gefühle , sondern respektiert sie auch . Er läßt sich dadurch in seiner Neigung nicht beirren und kann auch nicht , wenn das Volk recht hat , das an eine Art Hexenzauber glaubt , worin ihn die Danner eingesponnen ; aber er kann in seiner Neigung durchaus beharren und die Gräfin doch drüben in Skodsborg belassen . Er besucht sie dann jeden Tag , was ihm vielleicht noch besser behagt , als sie von Morgen bis Abend um sich zu haben . Denn jede Stunde sie mit Liebesaugen anzusehen , wenn es solche Zeiten überhaupt für ihn gegeben hat - das sind doch wohl Tempi passati . « » Wer weiß « , lachte die Prinzessin . » Sie sehen , lieber Holk , in dem Behextsein etwas wie etwa das intermittierende Fieber und glauben an freie Tage . Das leuchtet mir aber nicht ein . Ein richtiger Zauber pausiert nicht und setzt nicht aus . Gib mir übrigens , liebe Ebba , noch einmal Blixen-Fineckes Brief herüber ; ich will genau lesen , was er schreibt . Er ist der Mann des vorsichtigen Ausdrucks . « Ebba brachte den Brief , und die Prinzessin las : » ... es werden ihn nur wenige Personen aus seiner nächsten Umgebung begleiten , Oberst du Plat vielleicht , Kapitän Westergaard und Kapitän Lundbye gewiß ... Holk hat recht ; Blixen-Finecke weiß zu gut , wie wir stehen , als daß er nicht wenigstens eine Andeutung gemacht haben sollte . Die Gräfin kommt nicht , und mit meinem Neffen weiß ich mich gut zu stellen . Er ist eine Seele , gütig , der beste Mensch von der Welt . Jedenfalls brauchen wir nicht heute schon an Abreise zu denken . Aller Wahrscheinlichkeit nach wird auch Berling noch schreiben , und der wird sich weniger diplomatisch ausdrücken als Finecke . « Wirklich , am andern Tage kam ein Billet vom Kammerherrn Berling , das zunächst die Bestätigung von dem noch bevorstehenden Eintreffen des Königs , zugleich aber , hinsichtlich der Danner , vollkommene Beruhigung brachte . Die Gräfin werde wieder , nach eigenem Wunsch , in Skodsborg Wohnung nehmen und daselbst die Besuche des Königs empfangen . Damit war der Schwankezustand , in dem man sich einen Tag lang befunden hatte , völlig beseitigt , und es stand fest , man blieb . Aber auch wenn das Entgegengesetzte beschlossen worden wäre , so würde sich doch der Ausführung dieses Beschlusses ein unübersteigliches Hindernis entgegengestellt haben : die Prinzessin erkrankte . Der Charakter der Krankheit blieb freilich unaufgeklärt , was es aber auch sein mochte ( man hatte zuletzt von einem versteckten , aber gutartigen Nervenfieber gesprochen ) , Doktor Bie von Hilleröd sprach dreimal des Tages vor und nahm regelmäßig an dem für die Personen des Hofstaates servierten Lunch und meist auch an den anderen Tagesmahlzeiten teil . Doktor Bie war der Bruder der Frau Pastorin Schleppegrell , mit der er die kleine Figur , das Embonpoint und die klugen , freundlichen Augen gemein hatte , zugleich die Wohlgelittenheit bei der Prinzessin . Er trug einen Bambus mit Goldknopf und eine goldene Brille , die er regelmäßig abnahm , wenn er etwas sehen wollte , zählte den Puls laut , wie ein Klavierlehrer die Takte , und plauderte gern von Island und Grönland , wo er vierzehn Jahre lang Schiffsarzt gewesen war . Gegen die Residenzler war er im allgemeinen sehr eingenommen . » Es ist in Kopenhagen Sitte geworden , über die Isländer zu lachen ; aber ich nenne da nur den Are Marson , der Amerika fünfhundert Jahr vor Kolumbus entdeckte , und Erik den Roten und Ulf den Schieler und seine ganze Sippe , lauter Helden und weise Männer - das alles waren Isländer , und ich beklage , daß Königliche Hoheit die Insel nie besucht haben . Es ist ein ganz eigen Gefühl , ein Ei zu essen , das im Geiser gekocht wurde , vielleicht in einem Augenblicke , wo die beiden Feuerspeier dazu leuchteten . Daß die Isländer unsere Zeitungen um zwölf Monate zu spät lesen , immer gerade die Nummern vom Jahre vorher , das ist alles eine hochmütige Kopenhagener Einbildung ; die Isländer schreiben sich ihre Zeitungen selbst , können auch , denn jeden dritten Tag kommt ein englisches oder amerikanisches Schiff , und wenn in Reykjavik ein Stiftsamtmann oder auch bloß ein Sysselmann gewählt wird , so ist das geradeso interessant , wie wenn sich die Kopenhagner einen neuen Burgemeister wählen . Ach , Königliche Hoheit , ich möchte beinah sagen , es ist überhaupt kein Unterschied zwischen einem Dorf und einer Residenz ; überall wohnen Menschen und hassen und lieben sich , und ob eine Sängerin eine Minute lang einen Triller schlägt oder ob ein Fiedler den dappren Landsoldaten spielt , das macht keinen großen Unterschied , wenigstens mir nicht . « Bei solchen Betrachtungen war er der heitersten Zustimmung der Prinzessin allemal sicher , und wenn Pentz und Ebba fragten : » ob Königliche Hoheit nicht doch vielleicht Ihren Leibarzt , Doktor Wilkins , beföhlen , der ohnehin nichts zu tun habe und dann und wann daran erinnert werden müsse , daß er sein Gehalt eigentlich doch bloß für eine Sinekure bezöge « , so lehnte die Prinzessin dies ab und sagte : » Nein , am Sterben bin ich noch nicht . Und wenn ich am Sterben wäre , so würde mich Doktor Wilkins , der alles liest , aber nicht viel weiß , auch nicht zurückhalten können . Was irgend ein Mensch für mich tun kann , das tut Bie für mich , und wenn ich ihm eine halbe Stunde zugehört und während seiner Erzählungen im Rentierschlitten mit ihm gesessen oder wohl gar bei Missionar Dahlström eine