hingetreten war . » Das Hat eingeschlagen ! « versicherte Herr Engler sehr bestimmt . Er schien sich auf derartige Prophezeihungen zu verstehen . Adam wischte mit dem Taschentuche die Sternchenzeichnungen von seinen Kneifergläsern , die der Regen dort aufgemalt hatte . » Wo wollen Sie Platz nehmen , Herr Doctor - ? Vielleicht hier auf dem Sopha , mein Fräulein - ? « » Ja ! Bitte , Hedwig ! Uebrigens mein Lieblingsplatz - nicht wahr , Herr Engler ? Haben so manches Glas hier geschluckt ... in angenehmster Gesellschaft ... tempi passati ! Nun müssen wir halt vernünftig werden . - Aber schöne Stunden waren ' s doch - ! « Der Wirth schmunzelte . Er warf einen kurzen , scharfen Blick auf Hedwig . Und er sah sehr nachdenklich aus - als zählte er im Geiste alle die Damen zusammen , mit denen sein lieber Stammgast , der Herr Doctor Mensch , schon bei ihm eingekehrt war und hier in dieser traulichen Ecke gesessen ... getrunken ... geplaudert ... gekost ... und wohl auch einmal geküßt hatte . Aber diese Dame da - die sah doch gar nicht danach aus , daß sie - hm ! ... Nee ! so ' n blasses , ernstes , mageres Frauenzimmer - ohne Feuer und Leben - Herr Engler konnte sich keinen Vers darauf machen ... Der Herr Doctor halte doch sonst einen besseren Geschmack bewiesen ! Was ihm nur heute eingefallen war ? Ja ! Als er noch mit der Dame da drüben ... mit der Dame , die heute Abend am ander ' n Ende des Zimmers an dem runden Marmortischchen mit dem eleganten Herrn zusammensaß - - ja ! als der Herr Doctor Mensch noch mit diesem amusanten Dämchen verkehrte - die beiden schienen ja jetzt nichts mehr von einander wissen zu wollen - wie das nur gekommen war ? - - da - ja da - - aber Herr Engler hütete sich gar sehr , auch nur den kleinsten und harmlosesten seiner Ketzergedanken auszusprechen » Also eine Liebfrauenmilch - ! « bestellte Adam und sah sich im Lokale um . » Eine Liebfrauenmilch ! « bestellte die Kellnerin weiter an den Wirth , der darauf in ein Nebenzimmer verschwand . Adam drückte die Gläser seines Kneifers dicht an die Augen heran . Irrte er sich denn - oder ? Aber das war ja nicht möglich ! Das konnte ja nicht sein ! Der Herr da drüben - und die ... die Dame an seiner Seile - das waren doch nicht - waren doch nicht - - und jetzt sah der Herr zu ihm herüber - und nickte er ihm nicht zu ? Teufel ! Wahrhaftig ! Nein ! Aber doch ! Gütiger Heiland von Plundersweilen ! Das war wirklich Herr von Bodenburg - und die Dame an seiner Seite war - die Dame war wirklich Emmy ! Na ! Eine köstliche Bescheerung ! Vorzüglich ! Ganz vorzüglich ! ... Adam schnitt sein ernstestes Gesicht und grüßte wieder . Er fühlte , daß er Emmy seine sie ironisirende Verachtung zeigen müßte und sich zugleich vor Hedwig nicht verrathen dürfte . Hm ! das war aber so ' ne Sache mit dem sich nicht verrathen dürfen ! Warum denn nicht ? Und da kam auch schon sein Dämon angekrochen und kitzelte ihn . Er hatte seine kleine Braut heute Abend ja schon sattsam geärgert . Und mehr als geärgert : er hatte sie gepeinigt , gemartert , gequält - er hatte sie eigentlich scandalös behandelt . Das that ihm leid - gewiß ! Aber was sollte er jetzt mit ihr reden ? Sie hatten sich heute ja schon gegenseitig die längsten und tiefsten und ernsthaftesten Vorträge von der Welt gehalten ! Ein pikanter Nachtisch war kaum zu verachten . Und jetzt tuschelten die Beiden drüben so impertinent auffällig . Es ging gewiß über Hedwig her - man kritisirte gewiß die » neue Dame seines Herzens « ... diese Dame , die mit ihrem herben , verschlossenen Wesen , ihrer spröden Zurückhaltung , so gar nicht in diese Umgebung paßte ... in diese Umgebung , die nur gewohnt war , ein Helles , lustiges Lachen zu hören ... und blitzende Augen zu sehen ... und die köstliche Melancholie des verschwiegenen Minnespiels zu studiren , welches in immer wieder neuer Gestalt zu erfinden und zu bethätigen , das geheime Einverständniß zweier Liebenden so unermüdlich ist und so unübertrefflich ... Die Kellnerin brachte den Wein und schenkte ein . Ein paar gelbweiße Tropfen fielen auf die weiße Tischdecke . Das kleine Fräulein war ein Bissel unaufmerksam gewesen . Sie hatte nicht auf den Wein geachtet , sie hatte Hedwig inspizirt . Sie schien sich ein Urtheil bilden ... sich über Etwas klar werden zu wollen . Adam verspürte den Zusammenhang . Er mußte lächeln . Wie die Hunde , dachte er . Aber cosi fan tutte . Sie müssen sich erst beschnüffeln , beschnuppern - obgleich sie ganz genau wissen , welch ' Geistes Kinder sie sind ... Adam war unschlüssig . Sollte er einmal zu den beiden hinüber schlendern ... das Pikante der Situation noch um einige Grade steigern ... und dann mit größtem Gleichmuth das verführerische Gebräu hinabschlürfen ? ... » Wie heißen Sie , mein Fräulein ? « fragte er vorerst die Kellnerin . So thut man so oft etwas Ueberflüssiges , so lange man nicht weiß , ob man das weniger Ueberflüssige nicht für das noch mehr Ueberflüssige halten soll . » Melitta ! « antwortete die Dame . » Donnerwetter ! Melitta ! Die Kellnerinnen werden immer vornehmer , Sie gefallen mir übrigens , Melitta - wollen Sie nicht ' n Glas mittrinken ? - « Das Mädchen blickte fragend auf Hedwig , die sich zurückgelehnt hatte und finster , beinah drohend zu Adam hinübersah . Der fühlte sich sehr unbehaglich . Konnte denn die Dame nicht einmal aus sich herausgehen , nicht einmal in einen lustigeren , leichteren Ton miteinstimmen ? Das Leben etwas zwangloser