, meine Herren , geheime Tücke führt nimmer zum Glücke , so heißt ein Sprüchlein in diesem Kalender , und wenn der Himmel mich noch einmal gesund werden läßt , dann sollen Sie sehen , wie ich Rache nehme , zuerst an dem Schurken , dem Brandstifter , dem gemeinen Kerl , dem ich mein ganzes Elend verdanke , und dann auch an dem Herrn Sohn , der seinen Vater so schlecht behandelt . Enterben tu ' ich ihn ! Vom Hof jag ' ich ihn ! - hab ' ich Recht , wenn ich das tue , meine Herren ? « » Ganz Recht , « erklärten beide . » Guten Tag auch ! « sagte Paul hervortretend . - - - Die drei schraken zusammen . Der Vater duckte sich scheu in seinem Sessel , wie ein Hund , der Schläge fürchtet , die Brüder streckten ihm sehr verlegen und sehr demütig die Hände entgegen und baten , er möchte alles vergessen sein lassen . » Warum nicht ? « erwiderte er , seinen Widerwillen bezwingend , » ihr wißt ja nun den richtigen Weg . « Als die beiden ihre Werbung vorbrachten , erwachte in dem Alten die Großmannssucht stärker denn je . » Meine Herren , « sagte er , die Stimme in der Kehle quetschend , damit sie würdiger klinge , » Ihr Antrag ehrt mich selbstverständlich , aber ich bin nicht in der Lage , ihn mit ja zu beantworten . Erst bitte ich um vollgültige Bürgschaft , damit ich weiß , welches die Zukunft meiner Töchter ist , welche durch Schönheit und Liebenswürdigkeit wie auch durch fleckenlose Tugend für ein glänzendes Schicksal geschaffen sind . Ich habe sie so sorgfältig erzogen und so liebevoll über sie gewacht , daß mein väterliches Herz sich nicht entschließen kann , sie ohne weiteres fortzugeben . « In diesem Tone schwadronierte er weiter , bis Paul ruhig sagte : » Laß nur , Vater , die Sache ist bereits abgemacht . « - Da schwieg er , innerlich hochbefriedigt , eine so glänzende Rede an den Mann gebracht zu haben . - - - Nachmittags ging Paul in die Kammer der Schwestern und sagte : » Kinder , betet ein Vaterunser , - Frau Douglas wurde heute begraben . « Sie sahen ihn mit großen , freudeglänzenden Augen an , und um ihre Lippen glitt ein verträumtes Lächeln . » Habt ihr mich nicht verstanden ? « » Ja , « sagten sie leise und erschrocken und drückten sich aneinander , als fürchteten sie die Rute . - Er ließ sie allein in ihrem Glück und schritt in den klaren , kalten Wintertag hinaus . » Wie kommt es nur , « dachte er , » daß jetzt ein jeder Angst vor mir hat und keiner versteht , wie ich ' s meine ? « An demselben Tage jagte er die Knechte davon und schrieb an den Meister , er möge morgen kommen , die Arbeit wieder aufzunehmen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Noch in derselben Woche trat Tauwetter ein , rasch ward nun das Werk gefördert , und eines Freitagabends , zu Anfang März , stand die » schwarze Suse « blitzblank in ihrem neugeflickten Gewande da . - Am nächsten Morgen sollte der Kessel probiert werden , und Holz und Kohlen lagen bereits aufgeschichtet an den Wänden des Schuppens . Schlaflos wälzte sich Paul in seinem Bette . Träge schlichen die Stunden dahin - eine Ewigkeit qualvollster Erwartung lag zwischen Mitternacht und Morgengrauen ... ... » Wird sie lebendig werden ? Wird sie ... ? « Die Uhr schlug eins - da hielt er sich nicht länger , kleidete sich an und schlich , die flackernde Laterne in der Hand , in die naßkalte Märznacht hinaus . Der Wind fing sich in seinen Kleidern , und der eisige Sprühregen schlug ihm seine Geißeln ins Gesicht . Aus dem dunkeln Schuppen glotzte die » schwarze Suse « ihm mürrisch entgegen , als wolle sie nicht dulden , daß man ihre letzte Nachtruhe störe ... Die Laterne warf einen gespensterhaften Schein über den unwirtlichen Raum , und die Schatten der Maschine tanzten bei jeglichem Flackern in grotesken Sprüngen auf der gelben Bretterwand . » Ob ich den Meister wecke ? « dachte Paul . » Nein , mag er schlafen , ich will den Schmerz oder die erste Freude für mich allein haben . « Prasselnd flogen die Kohlenhaufen in den schwarzen Schlund ... Ein blaues Flämmchen zuckte auf , züngelte ringsumher , und bald erfüllte rötliche Glut den finsteren Raum ... Trübe blinzelte die Laterne von der Wand hernieder , als sei sie neidisch auf den warmen , frohen Feuerschein . Paul setzte sich auf einen Kohlenhaufen und schaute dem Spiel der Flammen zu ... Die Tür der Feuerung begann sich rötlich zu färben , und durch den Rost sanken , funkensprühend , halb ausgeglühte Schlacken . Paul hörte sein Herz klopfen , und wie er seine Hand beruhigend daraufpreßte , fühlte er in der Brusttasche Elsbeths Flöte . Er hatte sie an dem Tage , da die Arbeit wieder aufgenommen wurde , auf der Lokomobile liegen gefunden und seitdem bei sich getragen . » Ob ich auch das wohl noch lernen werde ? « fragte er in banger Freudigkeit über das bisher Errungene . - Er setzte die Flöte an den Mund und versuchte zu blasen - die Minuten schlichen langsam , er mußte sich die Zeit vertreiben . - Aber die Töne , die er hervorrief , klangen hohl und gequetscht - eine Melodie ließ sich noch weniger zusammensetzen . » Ich lern ' s doch nicht mehr , « dachte er . » Was ich für mich selber tue , mißlingt - das ist nun einmal