Frau Baronin begnügte sich damit , diese Äußerungen der Unzufriedenheit ihres ersten Würdenträgers zur Kenntnis zu nehmen , als jedoch der Herr Pfarrer dasselbe Lied anstimmte und von edlen , aber gar zu spontanen Entschlüssen der Frau Baronin sprach , entgegnete sie : Die Schenkung an Pavel Holub sei die Frucht eines von ihr ausnahmsweise langgehegten Entschlusses und durchaus keine zu großmütige , sondern die genau entsprechende Spende für einen braven , vom Schicksal bisher vernachlässigten Burschen , der überdies der Bruder der mutmaßlich zukünftigen Oberin eines Fräuleinstiftes sei . Hierauf schwieg der geistliche Herr . Aus dem Kloster war die Frau Baronin nach mehrtägigem Aufenthalt ganz vergnügt zurückgekehrt , hatte Pavel rufen lassen , ihm zahllose Grüße von seiner Schwester gebracht , ihn wegen seiner Sorgen um sie beruhigt und mit unendlicher Liebe und mit unendlichem Stolz von ihr erzählt . Die alte Frau wurde förmlich schwärmerisch in ihrer Begeisterung über das » Kind « . Der Allgütige selbst hatte ihr , der alten müden Pilgerin , das Kind gesandt , damit es ihr die letzten Lebensjahre erhelle und ihr die Pforten seines Himmels öffne . » Mache dich einer solchen Schwester würdig « , schärfte sie Pavel ein , und er faßte die besten Vorsätze , nach diesem Ziel , das ihm als das denkbar höchste erschien , zu streben , konnte aber den geheimen Zweifel , ob er auch jemals imstande sein werde , es zu erreichen , nicht loswerden . Doch kämpfte er redlich und wünschte heiß , daß die Frau Baronin und daß seine Schwester nur noch Gutes von ihm zu hören bekämen . Eine große Ängstlichkeit um seinen Ruf begann sich seiner zu bemächtigen . Die Sehnsucht , gelobt zu werden , die Freude an der Anerkennung erwachte in ihm , und er ahnte nicht , daß sie ihn so schwach machte , wie einst sein Trotz gegen die Menschen und seine herausfordernde Gleichgültigkeit gegen ihr Urteil ihn stark gemacht hatten . » Wer kann mir was nachsagen ? « wurde seine stehende Redensart . Ein scheeler Blick , ein rauhes Wort vermochten den sonst gegen die rohesten Äußerungen der Mißgunst Gefeiten zu beleidigen ; der Neid , den sein Besitztum erregte und der ihm in früheren Tagen die Freude daran gewürzt hätte , verdarb sie ihm jetzt . Sein Feld wurde zum Räuber seiner Ruhe und seines Schlafes , seine geliebte Qual . Sooft er es nach kurzer Trennung wiedersah , war es in irgendeiner Weise geschädigt worden , und er brachte , um es zu verteidigen , die Energie nicht auf , mit welcher er dereinst seine Ziegel verteidigt hatte . Er wollte nicht , daß der Frau Baronin zu Ohren komme , er habe sich wieder aufs Prügeln eingelassen , und überhaupt sollte sie nie erfahren , wie sehr das Geschenk , das sie ihm gemacht hatte , ihm bestritten wurde . Einmal fand er einen Teil des mageren , auf seinem Felde stehenden Weizens noch grün abgemäht . In der nächsten Nacht paßte er den Übeltätern auf , die auch wirklich in Gestalt einiger mit Sicheln bewaffneter Weiber und Kinder wiederkamen . Pavel begnügte sich damit , ihnen die Sicheln und die Grastücher abzunehmen , und trug dieselben am nächsten Morgen zum Bürgermeister . Der zeigte sich erfreut über dieses gesetzmäßige und schonende Vorgehen , versprach , den Schaden erheben zu lassen und das Diebsvolk zur Zahlung anzuhalten . Drei Wochen später lagen die Sicheln und Grastücher aber noch immer beim Ortsvorsteher , weil die Mittel , sie einzulösen , fehlten . Pavel ersuchte endlich selbst , sie ihren Eigentümern zurückzugeben , unter der Bedingung , daß die Leute zu ihm kämen , um sich bei ihm zu bedanken . Es geschah nur allzugern ; das war ein neuer , ein guter Spaß , so wohlfeil durchzuschlüpfen und sich dann zu bedanken bei Pavel , dem Gemeindekind . Alle , welche den Scherz mitgemacht , fanden ihn so lustig , daß sie beschlossen , sich ihn bald wieder zu gönnen . Die Diebereien hörten nicht auf , und Pavel fuhr fort , sich ihnen gegenüber erstaunlich wehrlos zu zeigen , während er andererseits eine außerordentliche Tatkraft entfaltete . Er hätte sich vervielfältigen , an zehn Orten zugleich sein und an jedem seinen Mann stellen mögen . Er rigolte einen Teil seines Feldes und bereitete es vor zur Aufnahme der Kirschbäumchen ; er half dem Schmied , wo er konnte ; der Förster verließ sich beim Anlegen der Waldkulturen auf niemanden so gern wie auf ihn und meinte , das Forstwesen wäre Pavels eigentliches Fach gewesen , wenn er sich ihm von Jugend auf hätte widmen können . » Und was für ein Schmied wäre er geworden , wenn er etwas gelernt hätte ! « sagte Anton . » Aber ein Gemeindekind läßt man nichts lernen ; die Grundlagen fehlen , und beim Anfang anzufangen , ist es jetzt zu spät . Er wird sich mit dem schlechten Feld plagen bis an sein Ende und doch nichts Rechtes herausbringen . « Diese Prophezeiung betrübte Pavel - ihn im Glauben an sein Feld zu erschüttern vermochte sie nicht . Er bestellte den alten Virgil , der sich seinem Pflegesohn , wie er ihn nannte , mit Haut und Haar geschenkt hatte und tagelang neben Lamur auf seiner Schwelle hockte , zum Hüter seines Grundbesitzes , und Virgil übernahm das Amt freudig , vermochte jedoch nicht mehr , es zu versehen . Vor seinen Augen vollzog sich Frevel um Frevel an Pavels Eigentum . Die Vorwürfe , die Virgil deshalb hören mußte , nahm er mit einem verschmitzt-schalkhaften Lächeln hin und sprach : » Geh , Pavlicek , was liegt dir an dem Krempel ? ... Du kannst ihnen bald die ganze Geschichte hinwerfen , wirst bald ganz andere Grundstücke haben . « Pavel geriet in Zorn , verwies ihm solche Reden und wandte sich rasch ab , um den Eindruck zu verbergen , den sie auf ihn hervorbrachten . Der Alte wurde