erinnern , wenn man mir einen Auftrag gegeben hat ? ! Bin ich eine Uhr , die man immer von neuem aufziehen muß ? ! Ich lauf ' von selber und lauf ' und lauf ' , bis die Sach ' im reinen ist . Auch für Sender hab ' ich mir die Seel ' aus dem Leib gelaufen und geredet - es nützt nichts ! Glaubt Ihr , ich bin müßig , weil ich nicht zu Euch komm ' ? Aber ich hab ' Euch nichts Gutes zu erzählen ! Es war ja schon früher nicht leicht , aber seit der Mielnicer Sach ' will gar niemand mehr von ihm hören . « » Das habe ich gedacht « , erwiderte Frau Rosel bekümmert . » Jetzt wär ' ich aber auch mit einer geringeren Familie zufrieden ... « Reb Itzig nickte . » Natürlich ! Aber war denn der Uhrmacher in Mielnica gar so was Feines ? Ein Prostak ( gemeiner , ungebildeter Mensch ) , in der ganzen Familie niemand , der je ein Blatt Talmud gelesen hat , und der Bruder im Zuchthaus ! Viel tiefer können wir nicht mehr greifen - das heißt , soweit meine War ' reicht ! Reb Srulze in Tluste , der die Knecht ' mit den Mägden verheiratet , der könnt ' Euch täglich drei Partien vorschlagen ; mein Geschäft ist ein anderes . Aber seid ruhig ! Was ich tun kann , geschieht ja und wirklich nicht bloß , um meinen Vermittlerlohn zu verdienen , sondern weil ich Euch gern hab ' und - verzeiht - Euren Sender noch mehr ! Ein Pojaz , wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat ! Aber glaubt Ihr , daß das die Leut ' lockt ? Wenn ich ihn feineren Leuten vorschlag ' , werfen sie mich gleich hinaus , sobald ich seinen Namen genannt hab ' , mittlere Leut ' lassen mich noch eine halbe Stund ' reden und werfen mich dann hinaus ; gemeine Leut ' hören mich bis zu End ' an und sagen dann : Geht , Reb Itzig , und kommt mir mit dem nie wieder ! Ihr seht , Frau Rosel , ich hab ' nicht viel Freud ' davon ! « » Er hat sich aber in letzter Zeit geändert « , erwiderte sie . » Er macht keine Streich ' mehr , spricht mit keinem , sogar am Sabbat sitzt er in seiner Kammer , statt wie sonst bei Simche ... « » So ? « fragte Türkischgelb . » Ich hab ' mir gedacht , nur mir weicht er aus , weil er fürchtet , ich trag ' immer in der Kaftantasch ' ein Mädele bei mir und schwups , werf ' ich ' s ihm an den Hals ! ... Also still ist der Pojaz worden ? Fürchtet er sich vor der Rekrutierung so sehr ? ! « » Davon weiß er ja noch nichts ! « erwiderte sie . » Ich weiß gar nicht , wie ich ' s ihm beibringen soll ! ... Nein , er fühlt sich vielleicht - « sie stockte - ums Himmelswillen , von seinem Unwohlsein durfte sie nichts verraten , das machte die » Partie « noch schlechter - » vielleicht sieht er ein , daß es Zeit ist , vernünftig zu werden ... Ja , das könnt Ihr den Leuten ruhig sagen « , fuhr sie fort . » Ich bitt ' Euch , gebt Euch Müh ' ! Ihr habt ihn ja auch gern . « Ihre Augen füllten sich mit Tränen . » Soll er deshalb Sellner werden ? ! « » Behüte ! « tröstete der gutmütige Marschallik . » Einige wüßt ' ich ja schon heut ' - aber ob der Pojaz ihnen passen wird ? ! Euch werden sie passen ! « fügte er hinzu , weil sein Handwerk diese Diplomatie vorschlug , aber da er ein ehrlicher Mann war , so klang seine Stimme dabei etwas unsicher . » Redet ! « rief sie eifrig . » Da wär ' die Schwestertochter vom Tluster Rabbi ! « sagte er . » Was das für ein Adel ist , brauch ' ich Euch nicht zu sagen ! Und die möcht ' dem Pojaz schon den Kopf zurechtsetzen , sie ist ' s von ihrem seligen Mann gewohnt . « » Also eine Witwe ? Hat sie Kinder ? « » Natürlich ! « rief der Marschallik eifrig . » Ich werd ' doch für meinen Sender , den ich so gern hab ' , keine Frau aussuchen , die vielleicht kinderlos bleibt . Darüber könnt Ihr bei der beruhigt sein ! « » Wieviel Kinder hat sie ? « » Für Kindersegen « , erwiderte der Marschallik , » dankt man Gott , aber man zählt ihn nicht . Und vor der Kommission ist es ja gut , wenn Sender sagen kann : Erbarmen - ich hab ' neun Kinder ! Das älteste ist neunzehn , das jüngste zwei Jahr ' alt , und alle sind versorgt , der Rabbi versorgt sie . Und ebenso wird er den zweiten Mann seiner Nichte und die Kinder , die Gott ihr noch schenkt , ernähren ! « » Ich hab ' von ihm gehört « , sagte Frau Rosel . » Er soll durch Wundermachen viel Geld verdienen , aber nichts zurücklegen . Und wenn der Greis stirbt ? « » Der Greis ? ! « rief der Marschallik . » Kaum achtzig ist er ! Eine Leuchte in Israel , wie ihn erhält Gott bis zu hundert und zwanzig Jahr ' . « Die Frau schüttelte den Kopf . » Das ist mir doch etwas zu unsicher ! Auch könnt ' sie ja Senders Mutter sein ! « » Freilich könnt ' sie das , aber wenn sie jünger wär ' und keine neun Kinder hätt ' und wenn der Alte nicht schon so schwach wär ' , daß