den Weinberg müßte , damit man heute mit demselben noch fertig würde und eines kleinen Überbleibsels wegen nicht am andern Tage hinzugehen brauche . Diese Erklärung betrübte mich , und ich ward sehr ärgerlich über die alte Frau ; Anna hingegen brach sogleich willig und freundlich auf und bezeigte weder Freude noch Verdruß über die Änderung ihres Planes . Die Alte , als sie mich bleiben sah , sagte , ob ich nicht auch mitkomme , ich werde doch nicht allein hiersein wollen und es sei recht schön im Weinberge . Allein ich war nun schon zu tief betrübt und unwillig und erklärte , ich müßte meine Zeichnung zu Ende führen . Bald saß ich allein in der einsamen Gegend und der Nachmittagsstille und fühlte mich nun doch wieder zufrieden . Auch kam dieses Alleinsein meinem Machwerke zu gut , indem ich mir mehr Mühe gab , die natürlichen Blumen vor mir wirklich zu benutzen und an ihnen zu lernen , während ich am Vormittage mehr nach meiner früheren Kindermanier drauflosgepinselt hatte . Ich mischte die Farben genauer und verfuhr reinlicher und aufmerksamer mit den Formen und Schattierungen , und dadurch entstand ein Bild , welches an der Wand unschuldiger Landbewohner etwas vorstellen konnte . Darüber verfloß die Zeit schnell und leicht und brachte den Abend , indessen ich mit Liebe die Zeichnung nach meiner Einsicht vervollkommnete und überall ein Blatt oder einen Stiel ausbesserte und einen Schatten verstärkte . Die Neigung für das Mädchen lehrte mich dies gewissenhafte Fertigmachen und Durchgehen der Arbeit , welches ich bis dahin noch nicht gekannt ; und als ich gar nichts mehr anzubringen sah schrieb ich in eine Ecke des Blattes » Heinrich Lee fecit « und unter den Strauß mit gotischer Schrift den Namen der künftigen Eigentümerin . Der Weinberg mußte inzwischen noch ein großes Stück Arbeit gegeben haben , denn schon schwebte die Sonne dicht über dem Waldrande und warf ein feuerfarbenes Band über das dunkelnde Gewässer her , und noch hörte ich nichts von meinen Gastfreunden Ich setzte mich auf die Stufen vor dem Hause ; die Sonne ging hinab und ließ eine tiefe Goldglut zurück , welche auf alles einen Nachglanz verbreitete und das Bild auf meinen Knien wunderbar verklärte und etwas Rechtem gleichsehen ließ . Da ich sehr früh aufgestanden war und in diesem Augenblicke auch sonst nichts Besseres zu tun wußte , schlief ich allmählich ein , und als ich erwachte , standen die Zurückgekehrten in der vorgerückten Dämmerung bei mir und am dunkelblauen Himmel wieder die Sterne . Meine Malerei wurde nun in der Stube bei Licht besehen , die Magd schlug die Hände über dem Kopf zusammen und hatte noch nie etwas Ähnliches erblickt ; der Schulmeister fand mein Werk gut und belobte meine Artigkeit gegen sein Töchterchen mit schönen Worten und freute sich darüber ; Anna lächelte vergnügt auf das Geschenk , wagte aber nicht , es anzurühren , sondern ließ es auf dem flachen Tische liegen und guckte nur hinter den anderen hervor darüber hin . Wir nahmen nun das Nachtmahl ein , nach welchem ich aufbrechen wollte ; aber der Schulmeister verhinderte mich daran und gab Befehl , mir ein Lager zu bereiten , da ich mich auf dem dunklen Berge unfehlbar verirren würde . Obgleich ich einwandte , daß ich den nächtlichen Weg ja schon einmal zurückgelegt hätte , ließ ich mich doch leicht bereden , aus bloßer Freundschaft dazubleiben , worauf wir in den kleinen Saal mit der Orgel gingen . Der Schulmeister spielte , und Anna und ich sangen dazu einige Abendlieder und der Magd zu Gefallen , welche gern mitsang , einen Psalm , den sie mit heller Stimme beherrschte . Dann ging der Alte zu Bette . Doch jetzt begann erst die Herrschaft der alten Katherine , welche unten in der Stube einen ungeheuren Vorrat von Bohnen aufgetürmt hatte , welche heute nacht noch sämtlich bearbeitet werden sollten . Denn da sie nachts nicht viel schlafen konnte , beharrte sie hartnäckig auf der ländlichen Sitte , dergleichen Dinge bis tief in die Nacht hinein vorzunehmen . So saßen wir bis um ein Uhr um den grünen Bohnenberg herum und trugen ihn allmählich ab , indem jedes einen tiefen Schacht vor sich hineingrub und die Alte den ganzen Vorrat ihrer Sagen und Schwänke heraufbeschwor und uns beide in wacher Munterkeit erhielt . Anna , welche mir gegenübersaß , baute ihren Hohlweg in die Bohnen hinein mit vieler Kunst , eine Bohne nach der anderen herausnehmend , und grub unvermerkt einen unterirdischen Stollen , so daß plötzlich ihr kleines Händchen in meiner Höhle zutage trat als ein Bergmännchen und von meinen Bohnen wegschleppte in die grauliche Finsternis hinein . Katherine belehrte mich , daß Anna der Sitte gemäß verpflichtet sei , mich zu küssen , wenn ich ihre Finger erwischen könne , jedoch dürfe der Berg darüber nicht zusammenfallen , und ich legte mich deshalb auf die Lauer . Nun grub sie sich noch verschiedene Wege und begann mich auf die listigste Weise zu necken ; die Hand in der Tiefe des Bohnengebirges versteckt , sah sie mich über dasselbe her mit ihren blauen Augen neckisch an , indessen sie hier eine Fingerspitze hervorgucken ließ , dort die Bohnen bewegte wie ein unsichtbarer Maulwurf , dann plötzlich mit der ganzen Hand hervorschoß und wieder zurückschlüpfte wie ein Mäuschen ins Loch , ohne daß es mir je gelang , sie zu haschen . Sie trieb es so weit , mir immer auf die Augen sehend , daß sie plötzlich eine Bohne , die ich eben ergreifen wollte , meinen Fingern entzog , ohne daß ich wußte , wo dieselbe hingekommen . Katherine bog sich zu mir herüber und flüsterte mir ins Ohr : » Laßt sie nur machen ; wenn ihr der Bau endlich zusammenbricht über den vielen Löchern , so muß sie Euch auf jeden Fall küssen ! « Anna wußte jedoch sogleich , was die Alte zu mir sagte ; sie sprang auf , tanzte dreimal um sich