gethan hat bei so viel Leichtsinn und Herzlosigkeit ... Worüber ist sie unglücklich , he ? ... Ich will es übrigens auch gar nicht wissen , das Staatsgeheimnis , und wenn sie kein Vertrauen zu mir hat , so mag sie ' s bleiben lassen ... Meinetwegen könnte sie auch das ganze Jahr ein Thränenweidengesicht machen , wenn sie sich nun einmal darin gefällt ; aber sich stumm stellen , des Nachts wie eine Verrückte im Walde herumlaufen und mir eines schönen Tages das Haus über dem Kopfe anbrennen , das sind Dinge , in die ich denn endlich doch ein Wörtchen reden werde . « » Hast du denn meine Warnung neulich nicht beachtet ? « fragte Ferber . » Ei freilich ... Ich habe ihr sofort eine andere Stube angewiesen , sie schläft jetzt über mir , so daß ich jeden Tritt droben hören kann . Nachts werden beide Hausthüren nicht bloß verriegelt , wie früher immer geschehen ist , sondern auch zugeschlossen , und ich nehme die Schlüssel mit in meine Kammer ... Aber Weiberlist - nun , das ist eine alte Geschichte ... Wir haben durch die Vorsichtsmaßregeln wenigstens eine kurze Zeit Ruhe gehabt . Diese Nacht aber konnte ich nicht einschlafen - die Geschichte mit dem Linke ging mir noch durch den Kopf - da hörte ich droben Schritte , so leise , als ob eine Katze über die Dielen schliche . Aha , dachte ich , da geht das Nachtwandeln wieder los , und machte mich auf ; aber als ich hinauf kam , da war das Nest schon leer ; auf dem Tische am offenen Fenster brannte ein Licht , und als ich die Thür aufmachte , da flog der Vorhang über die Flamme - Herr Gott , wäre ich nicht sofort zugesprungen , es hätte ein Feuerwerk geben können , bei dem die alten Balken im Forsthause sicher gern mitgeholfen hätten ... Und wie war sie hinausgekommen ? ... Durchs Küchenfenster ... Ei , da will ich doch lieber einen Ameisenschwarm hüten , als solch eine geriebene Person ... « » Ich bin fest überzeugt , das Mädchen hat ein Liebesverhältnis , « meinte Frau Ferber . » Ja , das haben Sie mir schon einmal gesagt , Frau Schwägerin , « entgegnete der Oberförster ärgerlich , » wenn Sie mir aber auch dabei bemerken wollten , mit wem , dann würde ich Ihnen sehr dankbar sein ... Sehen Sie sich doch nur um , ob nur ein einziger da ist , der einem Mädchen so den Kopf verdrehen könnte ... Meine Gehilfen ? ... Die sind ihr lange nicht gut genug , die hat sie gleich zu Anfang ablaufen lassen , daß es eine Art hatte ... und der Schurke , der Linke , der wird ' s wohl auch nicht sein mit seinen krummen Beinen und der semmelfarbenen Perücke , und damit wäre denn das Register voll . « » Einen haben Sie vergessen , « sagte Frau Ferber bedeutsam und sah sich um nach Elisabeth , die einige Schritt zurückgeblieben war , um für Ernst eine Gerte abzuschneiden . » Nun ? « fragte der Oberförster . » Herrn von Hollfeld . « Der Oberförster blieb betroffen stehen . » Hm , « brummte er endlich , » das wäre mir auch in meinem ganzen Leben nicht eingefallen ... Nein , nein , « fuhr er lebhaft fort , » das glaube ich nicht ; denn erstens wird das Mädel nicht so stockdumm sein , sich einzubilden , der werde sie zur gnädigen Frau auf Odenberg machen - « » Vielleicht hat sie das doch gehofft und sieht sich nun enttäuscht , « warf Frau Ferber ein . » Hochmütig und eitel genug wäre sie am Ende , « meinte der Onkel nachdenklich , » aber er - er soll sich ja ganz und gar nichts aus den Weibern machen . « » Er ist ein kalter Egoist , « sagte Miß Mertens . » Das letztere glaube ich - das erstere aber nicht , « erwiderte Frau Ferber , » und eben diese Anschauung erklärt mir Berthas ganzes Thun und Treiben . « » I , das wäre ja eine greuliche Geschichte ! « rief der Oberförster zornig . » Und ich hätte mir in meiner Arglosigkeit und Nachsicht eine Nase drehen lassen , wie nur irgend ein alter , bornierter Komödienvater ! ... Ich werde der Sache jetzt unerbittlich auf den Hals rücken , und wehe der ehrvergessenen Person , wenn sie es wirklich gewagt hat , unter meinem ehrlichen Dache eine Liebelei anzuzetteln , die ihr und mir nur Schande bringen kann ! « Das Mittagessen verlief sehr still . Der Oberförster war und blieb verstimmt und hätte am liebsten Bertha sogleich in die Beichte genommen , wenn nicht Frau Ferber gebeten hätte , er möge des Sonntags gedenken . Nach dem Kaffee verließen die Gäste das Forsthaus . Der Onkel warf die Büchse über die Schulter , ging mit hinauf bis vor das Mauerpförtchen und verlor sich dann in den Wald , der , wie er sagte , ihn stets beruhigte und wieder zu sich selbst brachte . Elisabeth schmückte sich zum Konzert , d.h. sie zog ein einfaches , weißes Mullkleid an und steckte als außergewöhnlichen Schmuck ein frisches Waldblumenboukett an die Brust . Die Mutter brachte ein kleines Medaillon am schwarzen , schmalen Samtbändchen und legte ihr dasselbe um den Hals - das war die Konzerttoilette , die gewiß jedes andere junge Mädchen , im Hinblicke auf sein Erscheinen in einer glänzenden Gesellschaft , mit einem bedrückten Gefühle angelegt haben würde . Elisabeth dagegen fand mit großer Genugthuung , daß das schon so oft gewaschene Kleid noch nie so tadellos unter ihrem Plätteisen hervorgegangen sei , als diesmal , und hätte am liebsten den kleinen goldenen Schmuck der Mutter wieder abgelegt ; denn sie war der Ansicht , da unten sei sie ja nur Musikant und nicht Gesellschaft , und die Hauptsache seien