, poetischen Bilder wegfallen ? das wäre entsetzlich , Herr Ernest , das darf nicht sein ! « rief Madame Miranes in einem Tone , als handele es sich um die Wohlfahrt ihres Hauses . » Judith , nimm Hut und Mantel , wir wollen sogleich zu ihr fahren . « » Wenden Sie sich an den Vater , wenn ich raten darf , « sagte Ernest ; » dann ist die Sache gleich abgemacht . « » Gut , gut ! der Engel des Lichtes soll uns nicht fehlen . « - Regina war nicht angenehm überrascht , als der Graf ihr beim Mittagessen sagte , er habe die Aufforderung der Madame Miranes , zu ihrem Zauberfest als Engel des Lichtes in einigen Tableaux mitzuwirken , in Regina ' s Namen angenommen . Was die Toilette dieses Himmelsbürgers beträfe , so würde Ernest ihr die nötigen Anweisungen geben , der überhaupt das Ganze dirigiere . » Regina - ein Engel des Lichtes ! das ist aber schön ! « rief Corona mit leuchtenden Augen ; » das freut mich ! « » Mich auch ! « sagte Uriel . » O , an Dich kommt auch die Reihe , Uriel ! « sagte der Graf . » Du bist auserkoren , um einen Mönch darzustellen , der den Tyrannen Ezzelin da Romano in der Gefangenschaft zur Buße bekehren soll , was ich aber nur unter der Hand Dir sage . Madame Miranes wird es offiziell bei einem demnächst stattfindenden Diner tun . « » Uriel ein Mönch ! das gefällt mir ! « rief Regina . » Mir gar nicht , « sagte Corona . » Uriel in einer dunkeln Kutte , hu ! abschreckend ! mich brächte kein Mensch in solchen Habit , auch nur zum Spaß hinein . « » Das ist ein sehr guter Geschmack für die Wirklichkeit , « sagte der Graf , » aber als Karnevalsspiel kann man auch einmal die Kutte anlegen . « - Es war nicht zu ändern , Regina mußte ihre Rolle in den lebenden Bildern übernehmen , die Proben mitmachen , ihren Engelsanzug nach Ernests Anweisung anfertigen lassen . » Ich wundere mich nicht so sehr , « schrieb sie einmal ihrem geliebten Onkel Levin , dem sie zuweilen ihr Herz eröffnete , » daß man sich einen Abend bei dem oder dem Fest unterhält . Aber daß man sich zu einem solchen wochenlang vorbereitet , sich besinnt , überlegt , bespricht , beratschlagt , in eine Wichtigkeitskrämerei ohne gleichen versinkt und einen Eifer an den Tag legt , als gelte es ein Menschenleben zu retten : darüber kann ich gar nicht aufhören mich zu wundern , denn nach drei Tagen fällt irgend etwas anderes vor , und kein Mensch spricht mehr eine Sylbe von einem Fest , das mit solcher Verschwendung von Zeit , Mühe und Geld vorbereitet worden ist . « - Ein anderes Mal hatte sie ihm geschrieben : » Lieber Onkel , gestern hatte ich einen frohen Abend ! und wo ? mitten in einer glänzenden Soiree ! wirst Du es glauben ? Ja , es wurde musiziert und zum Teil sehr gut . Dann verstummt all ' das oberflächliche Geschwätz , was mich immer sehr beängstigt , weil man ja dereinst Rechenschaft vor Gott über jedes unnütze Wort wird ablegen müssen , und die Salongespräche sind wirklich sehr überflüssig . Tante Isabelle sagt , die Höflichkeit sei auch eine Tugend , sei eine Art von Nächstenliebe , und man spräche ja aus Höflichkeit . Aber es drängt sich mir leider die Bemerkung auf , daß in den Salongesprächen nichts so wenig zum Vorschein kommt , als die Nächstenliebe . Darum bin ich immer sehr froh , wenn Musik gemacht wird . Auch macht sie mir die Seele so gewiß einsam frei , und meine Gedanken gehen ihre Wege , gehen fort aus dieser bunten unruhigen Gesellschaft - zum stillen Karmel . Das ist nun einmal der Naturzug meines Herzens , wie das Schwälbchen im Herbst nach Süden fliegt . Gestern Abend nun sang ein junges Mädchen mit einer wunderbar schönen , großartigen Stimme und entzückte die ganze Gesellschaft . Ich hörte sagen , es sei eine ganz seltene Stimme , den berühmtesten Sängerinnen der Gegenwart überlegen , und das junge Mädchen sei eine zweite Pasta , deren Namen , Judith , sie auch trage . Sie sang nur Opernarien , etwas anderes kennt die Welt ja nicht ! aber durch den Klang , die Fülle und den Ausdruck ihrer Stimme trat etwas eigentümlich Ergreifendes in die profane Musik hinein , etwas tief Tragisches ; wenigstens kam es mir so vor , weil ich dies junge , schöne Mädchen so sehr bedauere : sie ist nämlich Jüdin . Ich mußte immer denken , wie das klingen würde , wen sie Ave verum sänge oder O salutaris und ihre unvergleichliche Stimme zu Lobliedern der ewigen Liebe anwendete , von der sie nichts weiß . Ich war schon früher mehrmals aufgefordert worden zu singen , hatte es aber immer abgelehnt und mir schon Vorwürfe von dem guten Vater deshalb zugezogen . Es ist mir unheimlich , vor den vielen Leuten mich hinzustellen und ihre Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen . Überdas ist mein Singsang wirklich zu unbedeutend für eine elegante Soiree . Als man mich gestern wieder bat , doch auch einmal mich hören zu lassen , dacht ' ich , nun sei gerade der günstige Moment gekommen , um den Leuten zu zeigen , daß ich nichts kann , denn mein Gesang verhält sich zu dem der schönen Judith , wie das Trillern des Finken zum Schlag der Nachtigall . Und was ich zu singen hätte , das wußt ' ich auch gleich und das war auch nicht auf den Salonton gestimmt . Die Welt singt von ihrer Liebe , ihren Freuden , ihrem Glück ; - nun wohlan ! Ich werde von dem meinen singen ! Und weißt Du , lieber Onkel , was ich