zeigen und mit seinen Gesellen über seine Arbeit zu sprechen ; aber von Zeit zu Zeit miethete er sich einen unwissenden Bauernknecht als Handlanger , und dem zeigte er alle Dinge , als ob er den kunstbegierigsten Steinmetzen vor sich hätte - so ward es auch jetzt . Meister Kraft hatte eben zur Abwechslung und um seine rechte Hand ruhen zu lassen , den Meißel einmal in die linke Hand genommen , mit der er in gleicher Weise geschickt zum Arbeiten war , als sich die Thür öffnete und die Frau Meisterin , mit vielen Knixen vor dem Propst , und Herrn Ketzel , einen Benediktiner-Mönch in die Werkstatt geleitete . » Der fromme Vater da , « sagte sie zu dem Propst , » hat Euer Hochwürden schon überall gesucht , bis man ihn hierher gewiesen , indem man ihm gesagt : er würde Euch bei dem Drachen finden ! « » Ei , ei , « sagte der Propst , der immer zu einem Späßchen aufgelegt war und die Worte dabei nicht wog , oder auch seinen Witz dann für den gelungensten hielt , wenn er damit andere Personen in Verlegenheit bringen konnte , man hat dem frommen Bruder gesagt , daß er mich bei einem Drachen fände , und da ist er gleich auf den Einfall gekommen , mich bei der Frau Meisterin zu suchen ? - Was meint Ihr dazu , Meister Kraft ? wie ist es mit dem Hausdrachen ? « Der Riesen-Jacob lachte unmäßig , und auch die Gesellen hatten Mühe sich das Lachen zu verbeißen , die Lehrlinge konnten ein leises Kichern nicht unterdrücken ; alle wußten wohl , daß der Meister seit zwei Jahren erst mit dieser seiner zweiten Frau verheirathet in der glücklichsten Ehe lebte , aber auch daß , seitdem sie in das Haus gekommen , ein schärferes Regiment darin eingeführt worden . Die Lehrlinge mußten manche Hausarbeit verrichten helfen , kehren , schwemmen und räumen , denn im ganzen Gehöfe wie im Haus und überall duldete sie keine Unsauberkeit und verbannte sie auch aus den verborgensten Winkeln ; den Gesellen rechnete sie auch die Freistunden pünktlich nach , und hielt es ihnen vor , wenn einmal einer über den Durst getrunken oder sonst einen Unfug verübt . Ihr Mann grollte meist nur still oder schickte fort , mit wem er unzufrieden war ; sie aber suchte den Leuten in ' s Gewissen zu reden , sie durch moralische Vorstellungen und Kernsprüche zu bessern . So war ihr von den Leuten , die zwar Respekt vor ihr hatten , aber denen das frühere lose Regiment doch besser behagte , als dies strengere durch sie geführte , bald der Beiname des Hausdrachen gekommen , und sie hatten keine geringe Freude , als jetzt selbst der geistliche Herr sie damit neckte . Meister Kraft aber , obwohl er das ernste Gesicht auch zu einem Lächeln verzog , fühlte doch , daß er seiner Hausfrau sich annehmen müsse , und sagte kurz und gut : » Wir leben ja als Adam und Eva im Paradies und da kann wohl Einer leichtlich denken , Drache oder Schlange müsse sich einschleichen , und wie es immer gewesen , zur Frau zuerst ; draußen aber sitzt er im Stein gezaubert vor dem Thor und weiset wohl den Weg zu uns , aber nicht uns hinaus . « » Das ist brav , « sagte Herr Martin Ketzel , » daß Ihr Eure Hausehre in Schutz nehmet . « Der Meister schien schon nicht mehr auf das zu hören , was weiter um ihn vorging , sondern trieb den spitzen Stahl immer tiefer in den sich gestaltenden Stein , daß es lustig klang und Funken und Sand um ihn sprühten und stäubten . Ketzel wendete sich darum zu Frau Kraft und sagte : » Es ist wirklich wundersam , daß Meister Adam auch eine Eva gefunden . « Diese erröthete und fuhr sich mit der Schürze über ' s Gesicht , der Meister lächelte schlau und der Propst sagte : » Das Wunder ist nun eben nicht so groß ; wißt Ihr denn nicht , daß die Frau Kraft eigentlich Magdalena heißt , so steht sie im Kirchenbuch , und nur dem Meister da zu Gunst hat sie sich selber umgetauft , weil er sich ' s einmal in den Kopf gesetzt , keine Andere als eine Eva zu freien . « » Ei was ! « rief die Meisterin sich entschuldigend , » der Kraft ist auch nicht Adam getauft , sondern Ulrich , und hat sich selbst den Namen gegeben ; warum soll eine Frau nicht das gleiche Recht haben ? « » Wenigstens wenn es ihr Mann ihr giebt ! « sagte Meister Kraft , der doch seine Frau nicht wollte übermüthig werden lassen und sich die Oberherrschaft sichern . Während dieses Gespräches war der Mönch an einem Seitenfenster stehen geblieben , das dem geöffneten Hofthor schräg gegenüber war , so zwar , daß man durch dasselbe auf die Straße und die bei dem Lindwurm Vorübergehenden sehen konnte . Anfangs blickte der Mönch nur mürrisch da hinaus , ungeduldig , daß der Propst , den er schon allenthalben gesucht , nun statt sich mit ihm zu entfernen , kurzweilige Späße trieb , die seiner Würde sehr wenig gemäß waren . Jetzt aber blickte der Mönch schärfer hin , wie gefesselt durch eine außerordentliche Erscheinung ; ein sonderbares Zucken flog über sein erdfahles Gesicht und seine dunklen Augen blitzten unter den grauen Augenbrauen . Jetzt wendete sich der Propst zu dem schweigenden Mönch und sagte : » Aber Ihr werdet Eile haben , ich bin bereit Euch zu begleiten . Gehabt Euch wohl , Meister Kraft . Gottes Segen mit Euch Beiden : Adam und Eva ! Herr Ketzel , guten Fortgang zu Euer frommen Stiftung in so wackeren Meisters Händen . Besucht mich bald einmal in der Propstei zu einem Becher edlen Rheinweins , wie er in meinem Keller lagert . « Er lächelte