Heuer hatte ich auch beschlossen , umfassendere Zeichnungswerkzeuge und sogar Farben mitzunehmen . Wie es mit jeder Gewohnheit ist , war es auch bei mir . Wenn ich mich in jedem Herbste nach der Häuslichkeit zurück sehnte , war es mir in jedem Frühlinge wie einem Zugvogel , der in jene Gegenden zurückkehren muß , die er in dem Herbste verlassen hatte . Als sich im März in der Stadt schon recht liebliche Täge einstellten , welche die Menschen in das Freie und auf die Wälle lockten , war ich mit meinen Vorbereitungen fertig , und nachdem ich von den Meinigen den gewöhnlichen herzlichen Abschied genommen hatte , reisete ich eines Morgens ab . Mir war damals sowie jetzt noch jedes Fortfahren von den Angehörigen in der Nacht sowie das Antreten irgend einer Reise in der Nacht sehr zuwider . Die Post ging aber damals in das Oberland erst abends ab , darum fuhr ich lieber in einem Mietwagen . Die Landhäuser außer der Stadt , welche reichen Bewohnern derselben gehörten , waren noch im Winterschlafe . Sie waren teilweise in ihren Umhüllungen mit Stroh oder mit Brettern befangen , was einen großen Gegensatz zu dem heiteren Himmel und zu den Lerchen machte , welche schon überall sangen . Ich fuhr nur durch die Ebene . Da ich in den Bereich der Hügel gelangte , verließ ich den Wagen und setzte meinen Weg nach meiner gewöhnlichen Art in kurzen Fußreisen fort . Ich betrachtete wieder überall die Bauwerke , wo sie mir als betrachtenswert aufstießen . Ich habe einmal irgendwo gelesen , daß der Mensch leichter und klarer zur Kenntnis und zur Liebe der Gegenstände gelangt , wenn er Zeichnungen und Gemälde von ihnen sieht , als wenn er sie selber betrachtet , weil ihm die Beschränktheit der Zeichnung alles kleiner und vereinzelter zusammen faßt , was er in der Wirklichkeit groß und mit Genossen vereint erblickt . Bei mir schien sich dieser Ausspruch zu bestätigen . Seit ich die Bauzeichnungen in dem Rosenhause gesehen hatte , faßte ich Bauwerke leichter auf , beurteilte sie leichter , und ich begriff nicht , warum ich früher auf sie nicht so aufmerksam gewesen war . Im Oberlande war es noch viel rauher , als ich es in der Stadt verlassen hatte . Als ich eines Morgens an der Ecke des Buchenwaldes meines Gastfreundes ankam , in welchem der Alizbach in die Agger fällt , war noch manches Wässerchen mit einer Eisrinde bedeckt . Da ich das Rosenhaus erblickte , machte es einen ganz anderen Eindruck als damals , da ich es als weiße Stelle in dem gesättigten und dunkeln Grün der Felder und Bäume unter einem schwülen und heißen Himmel gesehen hatte . Die Felder hatten noch mit Ausnahme der grünen Streifen der Wintersaat die braunen Schollen der nackten Erde , die Bäume hatten noch kein Knöspchen , und daß Weiß des Hauses sah zu mir herüber , als sähe ich es auf einem schwach veilchenblauen Grunde . Ich ging auf der Straße in der Nähe von Rohrberg vorüber , und kam endlich zu der Stelle , wo der Feldweg von ihr über den Hügel zu dem Rosenhause hinaufführt . Ich ging zwischen den Zäunen und nackten Hecken dahin , ich ging auf der Höhe zwischen den Feldern , und stand dann vor dem Gitter des Hauses . Wie anders war es jetzt . Die Bäume ragten mit dem schwarzen oder braunlichen Gezweige nackt in die dunkelblaue Luft . Das einzige Grün waren die Gartengitter . Über die Rosenbäumchen an dem Hause war eine schöngearbeitete Decke von Stroh herabgelassen . Ich zog den Glockengriff , ein Mann erschien , der mich kannte und einließ , und ich wurde zu dem Herrn geführt , der sich eben in dem Garten befand . Ich traf ihn in einer Kleidung wie im Sommer , nur daß sie von wärmerem Stoffe gemacht war . Die weißen Haare hatte er wieder wie gewöhnlich unbedeckt . Er schien mir wieder so sehr ein Ganzes mit seiner Umgebung , wie er es mir im vorigen Sommer geschienen hatte . Man war damit beschäftigt , die Stämme der Obstbäume mit Wasser und Seife zu reinigen . Auch sah ich , wie hie und da Arbeiter auf Leitern neben den Bäumen waren , um die abgestorbenen und überflüssigen Äste abzuschneiden . Als ich im vorigen Sommer fort gegangen war , hatte mein Gastfreund gesagt , daß ich meine Wiederkunft vorher durch eine Botschaft anzeigen möge , damit ich ihn zu Hause treffe . Er hatte aber wahrscheinlich nicht bedacht , daß dieses Schwierigkeiten habe , indem ich in der Regel selber nicht wissen kann , wie sich durch Witterungsverhältnisse oder andere Umstände meine Vorhaben zu ändern gezwungen sein dürften . Ich habe ihm also eine Botschaft nicht geschickt und ihn auf meine Gefahr hin überrascht . Er aber nahm mich so freundlich auf , da er mich auf sich zuschreiten sah , wie er mich bei dem vorigjährigen Aufenthalte in seinem Hause freundlich behandelt hat . Ich sagte , er möge es sich selber zuschreiben , daß ich ihn schon so früh im Jahre in seinem Hause überfalle ; er habe mich so wohlwollend eingeladen , und ich habe mir es nicht versagen können , hieher zu kommen , ehe die Täler und die Fußwege in dem Gebirge so frei wären , daß ich meine Beschäftigungen in ihnen anfangen könnte . » Wir haben eine ganze Reihe von Gastzimmern , wie Ihr wißt , « sagte er , » wir sehen Gäste sehr gerne , und Ihr seid gewiß kein unlieber unter ihnen , wie ich Euch schon im vergangenen Sommer gesagt habe . « Er wollte mich in das Haus geleiten , ich sagte aber , daß ich heute erst drei Stunden gegangen sei , daß meine Kräfte sich noch in sehr gutem Zustande befinden , und daß er erlauben möge , daß ich hier bei ihm in dem Garten bleibe . Ich bitte ihn nur um das einzige ,