träger Langsamkeit an das glühende Ufer ; die Blätter der jungen Birken und Haselstauden auf dem Hügel hingen welk und glanzlos an den Zweigen nieder . Die ganze Natur lechzte nach Kühle und Erfrischung ; nur ein lebendes Wesen unterbrach die Stille : es war ein Kuckuck , der seinen weit hinschallenden melancholischen Ruf in langen regelmäßigen Pausen ertönen ließ . Die Sonne war hinter Apenrade niedergegangen , das Abendroth warf seinen dunkelrothen Wiederschein über den Hafen hin und einzelne Sterne zitterten bereits mit bleichem Lichte am tiefblauen , wolkenlosen Himmel . Da stieg ein Mann in einem blauen Staubhemde und breitrandigem Strohhut den Hügel hinan . Als er die Spitze erreicht hatte , zog er ein Fernrohr hervor , und warf durch dasselbe rings umher einen forschenden Blick , als wollte er sich überzeugen , daß er von Niemandem bemerkt worden sei . Seine Beobachtungen schienen ihn befriedigt zu haben , denn er legte Fernrohr , Stock und Strohhut auf den Boden nieder und setzte sich selbst auf den alten Stein . Nach einer kurzen Pause , während welcher er , wie es schien , nur mit seinen Gedanken beschäftigt , vor sich hinblickte , nahm er das Fernrohr wieder auf und richtete es in nordöstlicher Richtung auf das Meer , ließ es jedoch bald wieder sinken und nahm seinen Platz auf dem Stein wieder ein . Ein dumpfes Rollen , wie der schwache Donner eines fernen Gewitters , weckte ihn plötzlich aus seiner Träumerei . Rasch sprang er empor und setzte das Fernrohr abermals an das spähende Auge . - Ein Freuderuf entfuhr seinem Munde . - Ah , sie haben Wort gehalten - murmelte er vor sich . - Beim Teufel , es war hohe Zeit . Wer mit unbewaffnetem Auge auf das bereits ins Dunkel versinkende Meer hinausgeblickt hätte , würde wahrscheinlich den kleinen dunkeln Punkt am nordöstlichen Horizonte übersehen haben , der dem Unbekannten ein so großes Vergnügen verursachte . Aber in dem trefflichen Glase des Rohrs zeichnete sich deutlich eine große dänische Fregatte ab , welche mit vollen Segeln auf den Hafen lossteuerte . Der Fremde ließ jetzt wiederum sein Fernrohr sinken , vielleicht weil die schnell herannahende Nacht das Schiff seinen ferneren Beobachtungen entzog , vielleicht auch , weil er nichts weiter zu beobachten hatte . Aber er setzte sich nicht wieder , sondern starrte fortwährend auf das Meer hinaus . Eine volle halbe Stunde mochte vergangen sein , da ließ sich ein regelmäßiges leises Plätschern hören , welches dem Ufer sich näherte . Endlich schwieg das Geräusch . Man vernahm deutlich , wie ein Boot dicht bei dem Hügel auf das Ufer gezogen wurde . Darauf erscholl von unten herauf ein helles Pfeifen . - Bravo , mein Bursche ! - sagte lächelnd der Fremde , indem er seinen Strohhut aufsetzte . Darauf zog er den Knopf seines Ziegenhainers an den Mund und antwortete mit einem ähnlichen Pfiff . - Hallo ! - fluchte eine tiefe Stimme unten . - Zum Teufel mit diesen verdammten Dornsträuchern , die einen ehrlichen Kerl fester halten , als die breiteste Sandbank , und ihn ärger schinden , als das spitzeste Riff . - Wendet Euch rechts , Capitain ; - rief der Fremde hinunter - ein Dutzend Schritte am Ufer hin , da findet Ihr den Steg . - - Nun , was giebts jetzt wieder ? Diese letzte Frage galt einem neuen Ausruf des unten Tappenden , der aber mehr aus Verwunderung , als aus Unwillen zu entspringen schien . - Nisten in dieser erbärmlichen Wüste auch Wölfe ? Es wollte mir fast scheinen , als hätte ich so was durchs Gebüsch schlüpfen sehen . - Na , Gott sei gelobt , wir sind zur Stelle - - guten Abend , Lieutenant ! Doch wie ? seid Ihrs wirklich ? In solchem Aufzuge ? Ihr seht ja aus wie ein wandernder Bänkelsänger . - Laßt das jetzt , Capitain , es ist spät , und ich muß bald ins Quartier zurück , wenn ich nicht vermißt werden soll . Doch zuvor sagt , was meintet Ihr vorher mit dem Wolfe ? - Er warf bei diesen Worten einen unruhigen Blick auf das Gebüsch . - Ah , bah ! Was wirds gewesen sein ? Eine alte Eule , die wir im Schlafe gestört - erwiederte der Neuangekommene , ein derber , kräftiger Seemann , mit gebräuntem Gesicht und starkem Schnurr- und Knebelbart . - Seid Ihr allein gekommen ? - fragte vorsichtig der Fremde . - Denkt Ihr , ich sei eine gemeine Theerratte , die den Säbel zuweilen auch mit der Ruderstange wechselt ? Meine Burschen sind unten im Boot . - Wie viel sinds Ihrer ? - Zum Teufel , was soll ' s mit diesen Fragen ? - Nun ! - begütigte der Andere - ereifert Euch nicht . Ihr seid Eurer Leute sicher , nicht wahr ? - Das sollte ich meinen ! - rief der Capitain . - Für den Nothfall hab ' ich Mittel , sie so in Sicherheit zu bringen , daß sie ferner für keine Schutzwache zu sorgen haben . - Er schlug bei diesen Worten seinen Mantel auseinander , wodurch ein mit zwei Doppelpistolen besetzter Ledergurt sichtbar wurde . - Gut ! - sagte der Fremde , sichtlich beruhigt . - Zur Sache denn ! Was bringt Ihr für Nachrichten aus Copenhagen ? - Man ist der Sache bei Hofe herzlich satt und hätte ihr längst auf die eine oder die andere Weise ein Ende gemacht , wenn man nicht hätte Rücksicht auf die allgemeine Meinung , d.h. auf die wohlfeile Kriegslust des Straßenpöbels , nehmen müssen . - Ihr scherzt ! - Schauet dort den Beweis ! - sagte der Capitain , auf das Meer in der Richtung der Fregatte deutend . - Der Apenrader Hafen ist in Belagerungszustand erklärt . Der Fremde trat einen Schritt zurück . - Und was verhandeln wir dann noch hier ? - sagte er kurz und heftig .