meinem Bett steht , vom Mond beleuchtet in der Nacht , wenn ' s alles still ist und tief schläft alles und kein Licht mehr brennt in den Nachbarhäusern , da fangen diese bunten Farben das Mondlicht auf ; - wenn ich den anseh , dann sag ich : » Gelt , das ist deine Rede zu mir , heiliger Geist , dies Farbenspiel in den Blumen ? « - Das leugnet er nicht , daß ich ihn versteh . Dir kann ich ' s alles sagen , denn durch Dich hab ich ihn fassen gelernt , wenn ich Dir gegenüber saß und Du lasest mir vor am Morgen , was Du am Abend gedichtet hattest , da sah ich mich immer nach dem um , der Dir ' s vorbuchstabiert hätt , der Klang , der riß mich hin , ich ahnte , es war der Geist , der auch mir begegnet drauß , wenn ich auf der Höh steh , und er braust von ferne daher , beugt die Wipfel auf und nieder und kommt näher und näher und fährt grad auf mich zu - umschlingt mich ! Wer soll ' s sein ? - Wer kann ' s wehren ? - Ich fühl seine Weisheit , seine Liebe ist Rhythmus . - Was ist Rhythmus ? - Widerhall der Gefühle am großen Himmelsbogen , daß es schallt ! - Zurück ! Macht sich uns hörbar , was wir fühlten , daß es zärtlich anschlägt ans Ohr der Seele bis tief ins Herz , das ist Rhythmus , das ist der heilige Geist , aus der eignen Gedankenkelter gibt er uns zu trinken süßen Most , der süße heilige Geist . Am Mittag Ach Günderode , ich weiß was das ist , die Weltseele , ich hab oft gedacht , was doch so braust , wenn ich ganz allein sitze in der Mittagssonne , denn da ist das Brausen am stärksten ; das ist mein Geliebter , der unter der Linde mit mir ist und im Abendwind . - Der heilige Geist ist die Weltseele . - Er berührt alles , er weckt von den Toten auf , und hätt ich ihn nicht , so wär alles tot . - Und Leben ist Leben wecken , ich war verwundert , als der Geist mir ' s sagte . - Ich besann mich , ob ich Leben wecke oder ob ich tot sei . - Und da fiel mir ein , daß Gott sprach : Es werde , und daß die Sprach Gottes ein Erschaffen sei ; - und das wollt ich nachahmen . Ich ging am Mainufer am Abend , ich sah in der Ferne den blauen Taunus und sah ihn drauf an , daß er lebendig solle werden . Wie bald war mein Wille erfüllt ! Du hättest sehen sollen und fühlen den Strom lebendigen Atems , der herüberwallte von ihm auf mich , wo ich saß . - Die Schwalben kamen vorausgeflogen , die Nebel stiegen herab , die Abendstrahlen überleuchteten ihn flüchtig und die Wiesen am Abhang , die Blumengärten , alles strömte er hinab aus seinem Talschoß mir zu und enthüllte sich vor mir , daß der Blick ihn deutlich fassen konnt , wie sah mein Aug gewaltig . - Aha ! - Sonst hab ich weiter nichts gedacht , er war mir der langerwartete , innigbekannte Geliebte ! - So wandelt sich denn der Geist in alles , was ich mit Leben weckendem Blick anseh . Und keiner wird mir begegnen mich zu lieben , es ist der heilige Geist , der aus ihm zu mir spricht . - Ach ja ! - Ich kann von Glück sagen ! - Seelenlauschen ! Himmlische Grazie ! Du trägst mich ins Liebesbett , auf den grünen Rasen . - Was du weckst , das weckt dich wieder - und was uns weckt , das ist der heilige Geist , der an ferne Gipfel über den Nebeln mir aufstieg , denn weil ich gern mit Augen ihn sehen wollt . - Wie vertiefte sich doch mein Blick in ihn und merkte nichts vom Abenddunkel und daß er mich im Schleier fing der Nacht und ganz drin einwickelte . Ja , wecke Du das Leben , so ist ' s gleich selbständig und überrumpelt Dich . Und Du gehörst ihm , statt daß es Dein gehöre . - Ich hab aber noch was ganz anders im Schild , das will ich Dir hier sagen : Je stärker die Gewalt , je lebendiger ist sie , drum ist Schönheit der lebendige Geist , denn sie weckt allein Leben - alles andre weckt den Geist nicht . Ach , wie schmachtet doch die Seele nach Schönheit , nach Leben - die Schönheit ist Lebensnahrung der Seele . Das ganze Unglück ist , wenn nicht alles Schönheit um uns ist , da stirbt alles ab und auch für die Ewigkeit ist alles verloren , was nicht Keim der Schönheit ist . Sehnsucht ist Schönheitskeim , der sich entfaltet . - Sehnsucht ist inbrünstige Schönheitsliebe . Heute nachmittag brachte der Büri der Großmama ein Buch für mich - Schillers Ästhetik - ich sollt ' s lesen , meinen Geist zu bilden ; ich war ganz erschrocken , wie er mir ' s in die Hand gab , als könnt ' s mir schaden , ich schleudert ' s von mir . - Meinen Geist bilden ! - Ich hab keinen Geist - ich will keinen eignen Geist ; - am Ende könnt ich den heiligen Geist nicht mehr verstehen . - Wer kann mich bilden außer ihm . - Was ist alle Politik gegen den Silberblick der Natur ! - Nicht wahr , das soll auch ein Hauptprinzip der schwebenden Religion sein , daß wir keine Bildung gestatten - das heißt kein angebildet Wesen , jeder soll neugierig sein auf sich selber und soll sich zutage fördern wie aus der Tiefe ein Stück Erz oder ein Quell , die ganze Bildung