. » Das Vieh hat eigentlich alles besser als die Menschenkreatur , es findet den Weg sicherer , es hat sein ihm gewiesenes Futter und lüstert nicht nach anderem , es trägt seinen Rock anerschaffen auf seinem Leibe , es fürchtet sich nicht vor dem Tode , es treibt keine unnütze Wollust , aber Moral hat das Vieh nicht ; Moral hat nur der Mensch . « » Und in meiner Geschichte stecken drei Moralen ? « » Drei . Die will ich Ihnen jetzt auch nicht vorenthalten , junger Herr Jäger . « Achtes Kapitel Worin der Hofschulze eine dreifache Moral aus der Geschichte des Jägers zieht » Erstens « , sagte der Hofschulze , » lehret die Geschichte , daß , wenn Ihre Passion wirklich von Ihrer Frau Mutter sich herschreibt , der Herr noch jetzunder seinen Spruch wahr macht , welcher lautet : Ich will die Sünden der Väter heimsuchen an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied . Denn an und vor sich ist die Jägerei eine erlaubte und lustige Sache . Nun aber sündiget der Mensch jederzeit , wenn er sich wider etwas setzt , was Herkommens ist bei seinesgleichen , dadurch kriegt die Gleichgültigkeit ein Gewicht und hat Folgen , wie Pestilenz darnach kam , als David sein Volk zählen ließ , weil das nicht Herkommens bei den Juden war . Ihre Frau Mutter nun verfiel in Sünde , weil sie den Herrn Vater nicht auf die Jagd gehen lassen wollte , da das zu seinem Stande gehörte , und darum ist an Ihnen eine Torheit gesetzt , das Schießen ohne Treffen . Sie sollten aber suchen , mit der Gewalt davon loszukommen , weil solche Neigungen nicht aus den Wirkungen in der dunkeln Kammer , nicht aus den Kräften und den eigenen Rechten , wie Sie es nannten , herrühren , sondern einzig und allein aus der Torheit , durch welche Sie groß Unglück anrichten können . Auch die Mädchen haben mitunter das Gelüst , Feuer anzulegen , sie lassen es aber wohl bleiben , wenn sie scharf zusammengenommen werden . Es kann und soll aber der Mensch , über den kein anderer gesetzt worden , an ihm selber der Herr und Zuchtmeister sein . Zweitens tut die Geschichte lehren , daß im Ehestande gar zu viel Liebe schädlich ist . Denn Ihr Herr Vater würde mit dem Pferde nicht gestürzt sein , wenn Ihre Frau Mutter nicht so besorgt aus der Türe gesprungen wäre . Sie wollte ihn vor Gefahr hüten und brachte ihn eben recht in Gefahr . Wie leicht konnte ihn einer von den Herrn niederschießen , an die er nach der Jagd Briefe schreiben wollte ! Im Ehestande muß alles moderiert sein , auch die Liebe , weil die Sache für die Hitze und den Eifer zu lange währt . Vorher kann der Mensch tun , was er will , danach kommt nichts , aber der Ehestand macht einen Abschnitt und gibt ein Exempel , da muß der Mensch sich zusammennehmen , denn auf Eheleute sieht ein jeder , und Ärgernis , welches durch sie kommt , ist doppelt Ärgernis . Mit einem losledigen Menschen haben wenige Verkehr , aber auf den Haus- und Ehestand verläßt sich aller Handel und Wandel , Nachbarhülfe und Ansprache , Christentum , Kirchen- und Schulzucht , Haus und Hof , Rind und Kind , und wie sollen nun alle diese Sachen in gehöriger Ordnung und Verfassung bleiben , wenn die Eheleute selbst sich wie die Gecken betragen ? Bei uns Bauern kommt der Fehler weniger vor , aber bei den Stadtleuten , mit denen ich vielfältig hier und da haußen verkehre , und deren Gebräuche ich daher kenne , will mir in dem Punkte manches schlimm gefallen . Wenn ein Mann sein Weib schlägt , oder angrunzt ohne Not , so gibt er Ärgernis , denn der Apostel schreibt , daß die Männer ihre Weiber lieben sollen , wie der Herr Christus seine Gemeine liebt , aber wenn ein Weib ihren Mann so unterkriegt mit Karessen und süßen Reden , daß er zwischen guten Freunden vor Angst nicht mehr zu bleiben weiß , wenn die Stunde schlägt , da er hat nach Hause kommen sollen , oder daß er sich von allem zurückhalten muß , was ihm das Herze fröhlich macht , so gibt sie auch Ärgernis , denn der Apostel Paulus schreibt nicht minder , das Weib solle den Mann fürchten . Die Furcht aber besteht mit solchem Verhalten nicht , vielmehr treibet sie dahin , daß dem Manne sein freier Wille gelassen werde , denn der Ehestand soll den Mann erbauen , nicht aber ihn daniederreißen , weil abermals der nämliche Apostel Paulus an die Korinther schreibt : Der Mann ist nicht vom Weibe , sondern das Weib ist vom Manne . Ich habe hier jezuweilen bei guter Witterung große Gesellschaft von Stadtleuten , die für Pläsier den Tag im Freien zubringen , und gegen Abend wieder heimfahren . Da sehe ich nun mitunter , daß die Neugeheirateten , die etwa erst im zweiten Jahre Mann und Frau sind , denn späterhin hört dieses Wesen gemeiniglich auf , miteinander ein Anblicken und Anblinzeln , Löffeln und Schlecken treiben , als seien sie mutterseelenallein und niemand außer ihnen um sie und neben ihnen . Darin stecken nun wieder drei Ärgernisse . « » Schade « , unterbrach ihn der Jäger lachend , » daß Euch kein Philosoph von Profession anhört , Hofschulze . Er würde die architektonische Symmetrie Eures Gedankenbaus loben . Drei Ärgernisse , entsprechend drei Moralen ! « Der Schulze fuhr , ohne sich stören zu lassen , fort : » Erstens sind immer in der Gesellschaft Leute , die gerne freien möchten und nicht können , und in denen stiftet so ein öffentliches Liebeswesen geheimen Neid und stille Abgunst , wovor der Mensch seinen Nächsten bewahren soll . Dieses ist das erste Ärgernis . Zweitens läßt , wenn sie sich vor so vielen Leuten nicht scheuen ,