sie war verschwunden , der Hof war leer , doch als er schärfer hinblickte , wurde er den Weißbart draußen , hinter dem offenstehenden Thürflügel gewahr , wie er durch die Spalte zwischen Thür und Angel ihn beobachtete . Schon wollte Richard auf ihn zueilen , um ihn um den Grund seiner sonderbaren Aufmerksamkeit zu befragen , doch eben trat einer der Diener des Fürsten in den Hof hinaus , der ihn sogleich erkannte ; das überlaute Freudengeschrei , das er erhob , versammelte in einem Augenblicke die ganze Dienerschaft , vom Höchsten bis zum Geringsten um Richard her , lauter treue ihm wohlbekannte Gesichter , welche der Fürst zum Schutze und zur Erhaltung der Ordnung in seinem Hause gelassen . Sie umfaßten seine Kniee , küßten seine Hände , seine Schultern , seine Arme , sogar seine Stiefeln , den Saum seiner Kleider , und er hatte in dem allgemeinen Jubel nicht Hände , nicht Athem , nicht Worte genug , um jedem Einzelnen zu danken , jeden Gruß besonders zu erwiedern ! Eine Freude war unter diese treuen Seelen gekommen , als ob einer der Söhne ihres Herrn , ja ihr Herr selbst , unvermuthet heimgekehrt wäre . Und als nun der erste freudige Tumult sich gelegt , Richard wie im Triumphe in die Wohnung des Kastellans geführt worden war , da ging es an ein gegenseitiges Fragen und Erzählen , ohne Anfang noch Ende ; die Stunden flogen , Richard hatte sich verspätet , ehe er sich dessen versah . Um schneller nach Hause zu gelangen , warf er sich in eine der immer bereit stehenden Droschken ; nach dem seltsamen Weißbart sich zu erkundigen , wie er es sich vorgenommen , hatte er über all ' den Jubel vergessen , und würde schwerlich seiner wieder gedacht haben , hätte er nicht beim Aussteigen vor der Thüre seines Hotels ihn ebenfalls in einer Droschke , in welcher er wahrscheinlich der seinen gefolgt war , langsam an sich vorüber fahren gesehn . Von nun an bemerkte er überall die nämliche räthselhafte Gestalt ; wohin er sich auch wenden mochte , erblickte er sie , doch nie in solcher Nähe , daß er sie hätte anreden können ; so oft er dieses auch versuchte , gleich war sie verschwunden , er wußte selbst nicht wie noch wohin . Richard fing allmälig an , dieses Abenteuer bedenklich zu finden ; die mancherlei im Schwange gehenden Sagen von der Unsicherheit der Gegenden , durch welche der doch noch vor ihnen liegende Weg sie führen mußte , stiegen in abschreckender Gestalt vor ihm auf . Er gedachte der Räuberhorden , der furchtbaren Tschetschen und Tscherkessen , welche sogar an jenem letzten unvergeßlichen Abende in Petersburg sein edler Beschützer warnend erwähnt hatte . Wie , wenn jener mich so auffallend verfolgende Alte ein , mit einer jener Räuberbanden in Verbindung stehender Kundschafter wäre , der in irgend einem abgelegenen Winkel uns ihrer überlegenen Zahl ausliefern wollte ? dachte er . Es kam ihm selbst fast lächerlich vor , doch konnte er den einmal gefaßten Gedanken nicht wieder los werden , und begab sich zu dem des Landes kundigen Dmitry , um sich mit diesem darüber zu besprechen ; doch indem er dem Hause desselben sich näherte , sah er zu seinem höchsten Erstaunen den räthselhaften Weißbart aus demselben hinaustreten , der , sobald er seiner gewahr wurde , sich mit bewundernswürdiger Leichtigkeit in seine bereit stehende Droschke warf , und über Hals und Kopf davon jagte . Wer war das ? fragte Richard ihm unverwandt nachschauend , ohne die vielen Komplimente zu beachten , mit welchen der aus seinem Laden ihm entgegen kommende höfliche Teppichhändler seine Freude über den unerwarteten Besuch ausdrückte , und ihn einlud näher zu treten . Wer war das ? fragte Richard noch einmal kurzweg . Wer ? wo ? wie ? wer das war ? wen meint Ihr , Herr ? erwiederte Dmitry und sah verwundert nach allen Seiten sich um . Ihr meint vielleicht den alten Grischa ? der eben bei mir , zum Geburtstagsgeschenk für seine Frau , einen recht schönen Teppich gekauft hat ? setzte er nach einigem Besinnen hinzu : ich habe ihn wohlfeil weggegeben , spottwohlfeil , sage ich Euch . Man sollte dergleichen nicht thun , es verdirbt den Preis , und die Zeiten sind schwer ; doch einem alten Bekannten zu Gefallen ! seufzte er , ächt kaufmännisch die Achseln zuckend . Einem alten Bekannten ? Ihr kennt den Mann , der eben von Euch wegfuhr , schon seit längerer Zeit ? fragte Richard nochmals , indem er mechanisch Dmitrys Einladung Folge leistete . Was sollte ich den alten Grischa nicht kennen ? kennt ihn doch halb Moskau ! war die Antwort . Er ist seines Zeichens ein Kaviarhändler , und wohnt unfern Eurem Hotel . Der Kerl ist ein Geck , wie Ihr schon aus seinem großen Barte ersehen könnt , auf den er sich nicht wenig einbildet , und den er , lange vor der Zeit , durch allerlei Salben sich künstlich so weiß gebleicht hat , weil das bei Einigen für eine große Schönheit gilt . Wie gesagt er ist ein Narr , aber in seinem Geschäft pfiffig und gescheit genug . Hat er doch ein Geld zusammengescharrt ! aber sein Kaviar geht auch weit und breit in der Welt umher , man sagt sogar bis nach Italien ! Nach Danzig , nach Hamburg , nach Berlin reisen seine Diener alljährlich mit großen Quantitäten , soviel ist gewiß . Richard bekannte , in welchem schweren Verdachte er den harmlosen Weißbart gehalten , und Dmitry meinte vor Lachen darüber zu sterben . Grischa ein Räuberhauptmann ! rief er einmal über das andre , und hielt sich die Seiten , während helle Thränen ihm über die Wangen rollten . Eigentlich ist mir das Ding wohl erklärlich : fing er an , nachdem er wieder ein wenig zu sich selbst gekommen war . Neben seinen übrigen vortrefflichen Eigenschaften hat er auch