sich findet , der uns hilft die arme Frau begraben . Er ging hinaus . Ich konnte nichts essen und legte das Brod neben mich hin ; da hörte ich auf ein Mal Flintenschüsse ; meine Augen richteten sich nach dem Fenster , Feinde sprengten vorbei , gleich darauf wurde unsere Thüre aufgestoßen , und Preußische Soldaten brachten meinen Vater mit Blut bedeckt herein ; eine Kugel hatte ihn durchbohrt , und er lebte nur noch , um die Hand auf meine Stirn zu legen und mich ohne Worte zu segnen . Die Soldaten legten seine Leiche neben die meiner Mutter , und ich warf mich nieder und küßte die blutige , kalte Hand meines Vaters . Da trat ein junger Offizier herein , und der klägliche Anblick entlockte ihm Thränen ; er kam zu mir , richtete mich auf und suchte mir Trost einzusprechen . Er zwang mich das Zimmer zu verlassen , und einige Weiber , die immer bei den Soldaten sind , mußten für die Leichen sorgen . Mit Güte fragte er mir alle meine Verhältnisse ab und sagte dann : Armes Kind , Du hast in solcher Jugend schon ein schreckliches Unglück erfahren , und bist nun ganz hülflos und verlassen . Diese Worte machten von Neuem meine Thränen fließen , und ich glaubte , das Herz würde mir vor Schmerz brechen . Der gute Herr suchte mich zu trösten und sagte dann : Wenn Du Niemanden hast , dem Du angehörst , so bleib bei mir , und ich will für Dich sorgen , so gut ich kann . Ich fühlte seine Güte , ich küßte seine Hände und sagte ihm , daß ich seine Wohlthat erkenne , aber daß ich um meine lieben Eltern immer weinen müßte . Er tadelte mich nicht und sorgte nun dafür , daß die armen Eltern begraben wurden , so anständig , als es gehen wollte ; er ließ auch ein Kreuz auf ihr Grab setzen . Und ich erfuhr nun auch , daß mein Wohlthäter ein Graf sei und Hohenthal hieße . Er blieb einige Tage noch im Hause , und ich war immer um ihn ; er hatte mich nun ganz kennen gelernt und sagte : Deine Eltern haben Dir eine gute Erziehung gegeben , so bald es nur angeht , sollst Du wieder auf die gelehrte Schule und auf die Universität , und ich will sehen , ob ich mir nicht einen Freund in Dir erziehen kann . Diese Worte rührten mich tief , und ich gelobte mir , seine Liebe zu verdienen . Endlich kam ein Befehl , mein Herr mußte mit seinen Truppen weiter rücken . Ich muß Dich mit mir nehmen , sagte er zu mir , obgleich Krieg und Schlachten nicht für Deine Jahre taugen , aber ich weiß Dich nirgends unterzubringen , und so könnte der Krieg uns leicht für immer trennen . Ich folgte also dem gütigen Herrn und erlebte an seiner Seite die fürchterliche Schlacht bei Eylau . Den zweiten Tag dieser gräßlichen Schlacht wirft sich ein Trupp Franzosen auf die Bagage , bei der ich und mehrere Knaben waren , viele wurden niedergemetzelt , andere entkamen , und so auch ich . Nebst der Furcht für mein Leben quälte mich auch noch der Kummer , daß ich von meinem Herrn nichts wußte , auch die Sorge , daß er nun Alles verloren habe , und dann erfaßte mich die Angst , ob er nicht vielleicht geblieben sei und ich ihn so auf immer verloren habe . Diese mannichfachen Gefühle quälten mich auf meiner Flucht , die ich immer weiter fortsetzte , bis ich durch ein niedergebranntes Dorf eilte , einem einsam stehenden Hause zu . Ich riß hastig die Thüre auf und stand bald in einem großen , leeren Zimmer , das ich sogleich für die ehemalige Wohnung meiner Eltern erkannte . Das Bett stand noch darin , auf dem beide Leichen gelegen hatten ; der Anblick rief meine Thränen hervor , und ich stand schluchzend und Hände ringend vor dem leeren Bette , da wurde es auf einmal laut und lebendig , Degen und Sporen klirrten , die Thüre wurde geöffnet , und herein getragen wurde mein lieber Herr , ganz wie mein Vater bleich und mit Blut bedeckt . Ich schrie auf in der wildesten Verzweiflung . Schweig , dummer Junge , rief mir ein Arzt entgegen , er ist nicht todt . Ach ! welch ein Trost war dieß Wort für mich , hätte der gute Mann auch noch weit ärger geschimpft , wie er nachher noch oft that , wenn ich etwas ihm nicht recht zu machen verstand , ich wäre doch niemals auf ihn böse geworden . Sie legten meinen lieben Herrn auf dasselbe Bett , auf dem mein armer Vater gelegen hatte . Seine Wunden wurden untersucht und die Kugel herausgezogen , der Arzt gab die beste Hoffnung , und die Offiziere , die ihn hieher gebracht hatten , mußten nun zu ihren Truppen zurück . Der Arzt blieb , und die Offiziere versprachen , ihn nach einigen Tagen abzuholen . Als wir allein waren , verlangte der Arzt , ich sollte ihm Lebensmittel verschaffen . Ich durchsuchte das ganze Haus und fand in einem kleinen oberen Zimmer einige alte Frauen , die nach dem Dorfe zurück gekommen waren und sich in dem einzigen Hause , welches noch stand , eingerichtet hatten ; diese nun mußten Hülfe schaffen , und sie thaten es für Geld auch gern , und so wurde der Arzt befriedigt . Die Offiziere hatten mir , als man meinen Herren entkleidete , das Geld gegeben , welches er bei sich trug , und auch seine Uhr ; ich erfuhr auch von ihnen , daß sie ihn gerettet hatten , als er in ihrer Nähe , von einer Kugel getroffen , gefallen war . Schon des andern Tages kamen die Offiziere zurück und brachten uns alle , auch meinen kranken Herrn , nach einem Orte , wo ein Lazareth