ohne alle Aufsicht der Willkühr der Bedienten zu überlassen . Seit Gabriele und Frau Dalling in dieser Hinsicht seine Gegenwart überflüssig machten , hatte er nur auf eine Gelegenheit geharrt , sich beim Baron zu beurlauben , um dann sogleich abzureisen . Er hoffte , die Einladung für diesen Abend , die erste die er erhielt , dazu zu benutzen , und war fest entschlossen , gleich am andern Tage einem Aufenthalt zu entfliehen , der ihm höchst peinlich zu werden begann . Unter gegenseitigem Schweigen ward die Mahlzeit sehr schnell beendet . Der Baron stand auf , ein Wink von ihm entfernte auf das eiligste die Bedienten . Auch Moritz erhob sich und nahte sich dem Baron , um Abschied zu nehmen , aber dieser schritt feierlich dem Fenster zu , nahm wieder in seinem thronartigen Lehnsessel Platz und heftete , wie gewöhnlich , den starren Blick auf die dunkeln , ihm gegenüberliegenden Trümmer der Brandstätte . Der Mond war hinter ihnen aufgegangen , sein Licht blinkte durch die hohlen , ausgebrannten Fensterlücken , während die in Schatten gehüllten halb zerstörten Mauern scharf und schwarz sich auf dem von leichten Silberwölkchen überzognen Himmel zeichneten . In höchster Verlegenheit stand Moritz da , und wußte nicht , wie er es anfangen solle , um die Aufmerksamkeit des Barons auf sich zu ziehen , als dieser von selbst sich nach ihm umwandte . » Bleibt ! « rief er ihm zu , indem er gewahrte , daß jener sich abschiednehmend verbeugte ! » bleibt , ich habe mit Euch zu reden , Vetter ! setzt Euch zu mir . Ich will mein Haus bestellen und dann zur Ruhe , denn ich bin müde . « Moritz setzte sich erwartungsvoll auf ein Taburett , dem Baron gegenüber , das jener ihm anwies . » Ihr seyd mein erster Agnat , darum muß ich an Euch mich wenden , « sprach der Baron weiter . » Unterbrecht mich nicht , ich habe mit Euch zu reden , Ihr könnt mir nichts zu sagen haben , antwortet nur , wenn ich frage . Ihr seht dort die Brandstätte ; das weite Grab ! Wißt Ihr , was dort begraben liegt ? wißt Ihr es ? Schweigt ! Antwortet nicht . Wie kämt Ihr zu dieser Wissenschaft ! - Doch was Ihr fassen könnt , sollt Ihr erfahren . - Wenn ich todt bin , sind diese Burg , diese Güter Euer Eigenthum . Ich hinterlasse nichts weiter . Was sonst noch mein war , liegt auch dort unter jenem Schutthaufen begraben , begraben ; Gabriele behält nichts . « Mit hastiger Gutmüthigkeit und einem Schwall ein-und ausländischer Worte beeilte sich Moritz von Aarheim , den Baron über das künftige Schicksal seiner Tochter zu beruhigen , versprach , wie ein liebender Bruder für sie zu sorgen , sie in Schloß Aarheim , oder wo sie sonst wolle , wohnen zu lassen , und würde noch lange fortgesprochen haben , wenn nicht ein Blick auf den Baron ihm plötzlich die Zunge gelähmt hätte . Schrecklich , wie damals , als Moritz des Schloßbaues erwähnt hatte , stand der Alte vor ihm da , sichtbar kämpfend mit innerlichem Zorn , der konvulsivisch seine Gesichtszüge verzog und ihm die Sprache hemmte . » Frecher , eingebildeter Thor ! « brach endlich der Baron mit donnernder Stimme los . » Meint Ihr , der Freiherr Aarheim von Schloß Aarheim bettle bei Euch für seine Tochter ? Meint Ihr , der letzte echte Sproß des uralten Hauptstamms , zu dessen Nebenzweigen Ihr die Ehre habt Euch rechnen zu dürfen , könne von Euch Almosen nehmen ? « Bleich und zitternd stand Moritz von seinem Sitze auf ; der Baron war in dieser Minute wirklich furchtbar , doch schien er sich bald wieder zu besänftigen . » Ich sehe , « sprach er gelaßner , » Ihr habt nicht bedacht , was und zu wem Ihr redetet ; auch habe ich nicht mehr Zeit zum Zorn . « Mit diesen Worten nahm er wieder seinen Lehnstuhl ein und deutete mit einer Bewegung der Hand dem immer noch bebenden Moritz an , sich ebenfalls wieder zu setzen . » Ihr wißt jetzt , daß ich Euch nicht zu mir forderte , um von Euch etwas zu bitten . Ihr habt begriffen , daß dieß nie der Fall seyn kann ? « fragte der Baron . Moritz bejahete es mit einer stummen Verbeugung . » Ich bin es , der Euch beschenken will , « fuhr der Baron fort , » ich biete Euch eine köstlich hohe Gabe , vor wenigen Wochen noch hielt ich sie wohl der Hand eines Fürsten werth , und eigentlich ist sie es noch . Ich biete Euch Gabrielen , sie sey Eure Gemahlin . Antwortet noch nicht . Hört mich aus , ehe Ihr redet . Gleich vielen deutschen Fürstentöchtern , bringt Gabriele ihrem Gemahl keine Aussteuer . Mögen Krämer die bequeme Versorgung ihrer Töchter mit Golde aufwiegen , das reine edle Blut , das in Gabrielens Adern fließt , überhebt sie und ihres gleichen diesem elenden Zoll . « Jetzt schwieg der Baron und gab seinem Verwandten ein Zeichen , nun ebenfalls das Wort zu nehmen . Moritz versuchte es , in allen Sprachen Gabrielens Reize , ihre Talente und sein Glück bis zu den Sternen zu erheben . Dann aber wagte er es auch , einige bescheidne Zweifel über sich selbst und sein Werthseyn eines solchen Glücks zu äußern . Er erwähnte mit der größten Gutmüthigkeit sein Alter und seine Gestalt , als welche zu solchen Hoffnungen ihn keinesweges berechtigen könnten , und ermuthigte sich endlich sogar zu der Erklärung , das ihm dargebotne Glück , so reizend es sey , dennoch dem Zwange nicht verdanken zu wollen . » Niemand wird gezwungen , nicht Ihr , nicht Gabriele , « erwiederte der Baron . » Daß Gabriele schön ist , weiß ich ; ich sah in der Welt wenige , die in dieser Hinsicht