ein Mittel , das aber ein wenig sonderbar klingt und wobei du auch nicht viel gewinnen würdest : ich müßte noch in meinen alten Tagen Hilarien heiraten , wodurch ich dir aber schwerlich ein großes Vergnügen machen würde . « » Das größte von der Welt ! « rief der Lieutenant aus ; » denn wer kann eine wahre Neigung empfinden , wer kann das Glück der Liebe genießen oder hoffen , ohne daß er dieses höchste Glück einem jeden Freund , einem jeden gönnte , der ihm wert ist ! Sie sind nicht alt , mein Vater ; wie liebenswürdig ist nicht Hilarie ! und schon der vorüberschwebende Gedanke , ihr die Hand zu bieten , zeugt von einem jugendlichen Herzen , von frischer Mutigkeit . Lassen Sie uns diesen Einfall , diesen Vorschlag aus dem Stegreife ja recht gut durchsinnen und ausdenken . Dann würde ich erst recht glücklich sein , wenn ich Sie glücklich wüßte ; dann würde ich mich erst recht freuen , daß Sie für die Sorgfalt , mit der Sie mein Schicksal bedacht , an sich selbst so schön und höchlich belohnt würden . Nun führe ich sie erst mutig , zutraulich und mit recht offnem Herzen zu meiner Schönen . Sie werden meine Empfindungen billigen , weil Sie selbst fühlen ; Sie werden dem Glück eines Sohnes nichts in den Weg legen , weil Sie Ihrem eigenen Glück entgegengehen . « Mit diesen und andern dringenden Worten ließ der Sohn den Vater , der manche Bedenklichkeiten einstreuen wollte , nicht Raum gewinnen , sondern eilte mit ihm zur schönen Witwe , welche sie in einem großen , wohleingerichteten Hause , umgeben von einer zwar nicht zahlreichen , aber ausgesuchten Gesellschaft , in heiterer Unterhaltung antrafen . Sie war eins von den weiblichen Wesen , denen kein Mann entgeht . Mit unglaublicher Gewandtheit wußte sie den Major zum Helden dieses Abends zu machen . Die übrige Gesellschaft schien ihre Familie , der Major allein der Gast zu sein . Sie kannte seine Verhältnisse recht gut , und doch wußte sie darnach zu fragen , als wenn sie alles erst von ihm recht erfahren wollte ; und so mußte auch jedes von der Gesellschaft schon irgendeinen Anteil an dem Neuangekommenen zeigen . Der eine mußte seinen Bruder , der andere seine Güter und der Dritte sonst wieder etwas gekannt haben , so daß der Major bei einem lebhaften Gespräch sich immer als den Mittelpunkt fühlte . Auch saß er zunächst bei der Schönen ; ihre Augen waren auf ihn , ihr Lächeln an ihn gerichtet ; genug , er fand sich so behaglich , daß er beinahe die Ursache vergaß , warum er gekommen war . Auch erwähnte sie seines Sohnes kaum mit einem Worte , obgleich der junge Mann lebhaft mitsprach ; er schien für sie , wie die übrigen alle , heute nur um des Vaters willen gegenwärtig . Frauenzimmerliche Handarbeiten , in Gesellschaft unternommen und scheinbar gleichgültig fortgesetzt , erhalten durch Klugheit und Anmut oft eine wichtige Bedeutung . Unbefangen und emsig fortgesetzt , geben solche Bemühungen einer Schönen das Ansehen völliger Unaufmerksamkeit auf die Umgebung und erregen in derselben ein stilles Mißgefühl . Dann aber , gleichsam wie beim Erwachen , ein Wort , ein Blick versetzt die Abwesende wieder mitten in die Gesellschaft , sie erscheint als neu willkommen ; legt sie aber gar die Arbeit in den Schoß nieder , zeigt sie Aufmerksamkeit auf eine Erzählung , einen belehrenden Vortrag , in welchem sich die Männer so gern ergehen , dies wird demjenigen höchst schmeichelhaft , den sie dergestalt begünstigt . Unsere schöne Witwe arbeitete auf diese Weise an einer so prächtigen als geschmackvollen Brieftasche , die sich noch überdies durch ein größeres Format auszeichnete . Diese ward nun eben von der Gesellschaft besprochen , von dem nächsten Nachbar aufgenommen , unter großen Lobpreisungen der Reihe nach herumgegeben , indessen die Künstlerin sich mit dem Major von ernsten Gegenständen besprach ; ein alter Hausfreund rühmte das beinahe fertige Werk mit Übertreibung , doch als solches an den Major kam , schien sie es als seiner Aufmerksamkeit nicht wert von ihm ablehnen zu wollen , wogegen er auf eine verbindliche Weise die Verdienste der Arbeit anzuerkennen verstand , inzwischen der Hausfreund darin ein penelopeisch zauderhaftes Werk zu sehen glaubte . Man ging in den Zimmern auf und ab und gesellte sich zufällig zusammen . Der Lieutenant trat zu der Schönen und fragte : » Was sagen Sie zu meinem Vater ? « Lächelnd versetzte sie : » Mich deucht , daß Sie ihn wohl zum Muster nehmen könnten . Sehn Sie nur , wie nett er angezogen ist ! Ob er sich nicht besser trägt und hält als sein lieber Sohn ! « So fuhr sie fort , den Vater auf Unkosten des Sohnes zu beschreien und zu loben und eine sehr gemischte Empfindung von Zufriedenheit und Eifersucht in dem Herzen des jungen Mannes hervorzubringen . Nicht lange , so gesellte sich der Sohn zum Vater und erzählte ihm alles haarklein wieder . Der Vater betrug sich nur desto freundlicher gegen die Witwe , und sie setzte sich gegen ihn schon auf einen lebhafteren , vertraulichern Ton . Kurz , man kann sagen , daß , als es zum Scheiden ging , der Major so gut als die übrigen alle ihr und ihrem Kreise schon angehörte . Ein stark einfallender Regen hinderte die Gesellschaft , auf die Weise nach Hause zu kehren , wie sie gekommen war . Einige Equipagen fuhren vor , in welche man die Fußgänger verteilte ; nur der Lieutenant , unter dem Vorwande , man sitze ohnehin schon zu enge , ließ den Vater fortfahren und blieb zurück . Der Major , als er in sein Zimmer trat , fühlte sich wirklich in einer Art von Taumel , von Unsicherheit seiner selbst , wie es denen geht , die schnell aus einem Zustande in den entgegengesetzten übertreten . Die Erde scheint sich für den zu bewegen