ihren Türen unter den Weinlauben . Der Abend war herrlich , alles erquickt nach dem Gewitter , das nur noch von fern nachhallte , Nachtigallen schlugen wieder von den Bergen , vor ihren Augen rauschte der Rhein an dem Städtchen vorüber . Leontin zog mit seiner Gitarre , wie ein reisender Spielmann aus alter Zeit , von Haus zu Haus und erzählte den Mädchen Märchen , oder sang ihnen neue Melodien auf ihre alten Lieder , wobei sie still mit ihren sinnigen Augen um ihn herumsaßen . Friedrich saß neben ihm auf der Bank , den Kopf in beide Arme auf die Knie gestützt , und erholte sich recht an den altfränkischen Klängen . Die zwei Jäger hatten sich nicht weit von ihnen um einen Tisch gelagert , der auf dem grünen Platze zwischen den Häusern und dem Rheine aufgeschlagen war , und schäkerten mit den Mädchen , denen sie gar wohl zu gefallen schienen . Die Mädchen verfertigten schnell einen fröhlichen , übervollen Kranz von hellroten Rosen , den sie dem einen , welcher der lustigste schien , auf die Stirn drückten . Leontin , der wenig darauf achtgab , begann folgendes Lied über ein am Rheine bekanntes Märchen : » Es ist schon spät , es wird schon kalt , Was reitst du einsam durch den Wald ? Der Wald ist lang , du bist allein , Du schöne Braut ! ich führ dich heim ! « Da antwortete der Bekränzte drüben vom andern Tische mit der folgenden Strophe des Liedes : » Groß ist der Männer Trug und List , Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist , Wohl irrt das Waldhorn her und hin , O flieh ! du weißt nicht , wer ich bin . « Leontin stutzte und sang weiter : » So reich geschmückt ist Roß und Weib , So wunderschön der junge Leib , Jetzt kenn ich dich - Gott steh mir bei ! Du bist die Hexe Lorelei . « Der Jäger antwortete wieder : » Du kennst mich wohl - von hohem Stein , Schaut still mein Schloß tief in den Rhein . Es ist schon spät , es wird schon kalt , Kommst nimmermehr aus diesem Wald ! « Der Jäger nahm nun ein Glas , kam auf sie los und trank Friedrich keck zu : » Unsere Schönen sollen leben ! « Friedrich stieß mit an . Da zersprang der Römer des Jägers klingend an dem seinigen . Der Jäger erblaßte und schleuderte das Glas in den Rhein . - Es war unterdes schon spät geworden , die Mädchen fingen an einzunicken , die Alten trieben ihre Kinder zu Bett , und so verlor sich nach und nach eines nach dem andern , bis sich unsere Reisenden allein auf dem Platze sahen . Die Nacht war sehr warm , Leontin schlug daher vor , die ganze Nacht über auf dem Rheine nach der Residenz hinunterzufahren , er sei ein guter Steuermann und kenne jede Klippe auswendig . Alle willigten sogleich ein , der eine Jäger nur mit Zaudern , und so bestiegen sie einen Kahn , der am Ufer angebunden war . Den Knaben Erwin , der während Leontins Liedern zu Friedrichs Füßen eingeschlafen , hatten sie , da er durchaus nicht zu ermuntern war , in den Kahn hineintragen müssen , wo er auch nach einem kurzen , halbwachen Taumel sogleich wieder in Schlaf versank . Friedrich saß vorn , die beiden Jäger in der Mitte , Leontin am Steuerruder lenkte keck gerade auf die Mitte los , die Gewalt des Stromes faßte recht das Schiffchen , zu beiden Seiten flogen Weingärten , einsame Schlünde und Felsenriesen mit ausgebreiteten Eichenarmen , wechselnd vorüber , als gingen die alten Helden unsichtbar durch den Himmel und würfen so ihre streifenden Schatten über die stille Erde . Der Himmel hatte sich indes von neuem überzogen , die Gewitter schienen wieder näher zu kommen . Der eine von den Jägern , der überhaupt fast noch gar nicht gesprochen , blieb fortwährend still . Der andere mit dem Rosenkranze dagegen saß schaukelnd und gefährlich auf dem Rande des Kahnes und hatte beide Beine , die bei jeder Schwankung die Wellen berührten , darüber heruntergehangen . Er sah in das Wasser hinab , wie die flüchtigen Wirbel kühl aufrauschend , dann wieder still , wunderbar hinunterlockten . Leontin hieß ihn die Beine einstecken . » Was schadet ' s « , sagte der Jäger innerlich heftig , » ich tauge doch nichts auf der Welt , ich bin schlecht , wär ich da unten , wäre auf einmal alles still . « - » Oho ! « rief Leontin , » Ihr seid verliebt , das Sind verliebte Sprüche . Sag an , wie sieht dein Liebchen aus ? Ist ' s schlank , stolz , kühn , voll hohen Graus ' , ist ' s Hirsch , Pfau oder eine kleine süße Maus ? « - Der Jäger sagte : » Mein Schatz ist ein Hirsch , der wandelt in einer prächtigen Wildnis , die liegt so unbeschreiblich hoch und einsam , und die ganze Welt übersieht man von dort , wie sich die Sonne ringsum in Seen und Flüssen und allen Kreaturen wunderbar bespiegelt . Es ist des Jägers dunkelwüste Lust , das Schönste , was ihn rührt , zu verderben . So nahm er Abschied von seinem alten Leben und folgte dem Hirsche immer höher mühsam hinauf . Als die Sonne aufging , legte er oben in der klaren Stille lauernd an . Da wandte sich der Hirsch plötzlich und sah ihn keck und fromm an , wie den Herzog Hubertus . Da verließen den Jäger auf einmal seine Künste und seine ganze Welt , aber er konnte nicht niederknieen , wie jener , denn ihm schwindelte vor dem Blick und der Höhe , und es faßte ihn ein seltsames Gelüst , die dunkle Mündung auf seine eigene , ausgestorbene Brust zu kehren . « - Die beiden Grafen überhörten bei