ein , dann giebt es wieder Turban und Schleier ohne Ende und das alte Lied wird nur mit Variationen angestimmt . Was schicken wir dem kurzweiligen Spiel so beschwerliche Berathschlagungen voran , rief Cesario , ungeduldig aufspringend . Ihr faßt ja das Vergnügen so derb an , und dreht und handhabt den flüchtigen Genuß , daß aller Reiz verschwindet . Ob neu oder alt , ob selten oder oft gesehn , die Freude trägtimmer ein frisches , jugendliches Gesicht . Nehme sie jeder , wie sie sich ihm zeigt . Ich für mein Theil halte mich in der komischen Familie meines Vaterlandes , Arlechino altert nie , und Sie Emilie , Sie verlassen mich nicht . Emilie willigte ein , die Maske der Colombine zu nehmen . Werner verstand sich zu der des Pantalon , und Baron Roll ward ohne weitere Anfrage zum Brighella erwählt . Bei eigenthümlicher Gewandheit und Laune , sagte der Maler , kann das phantastische Spiel immer neu erscheinen , und zu manchem lustigen Spaß Anlaß geben . Insbesondere , fiel Werner ein , wenn mehr als eine dieser Familien zugleich aufträten , und so durch stete Verwirrungen und Verwechselungen eigne und fremde Pläne durchkreuzten . Man fand den Gedanken lustig , ohne ihn gleichwohl festzuhalten . Auguste verwarf ihn ganz und setzte ziemlich trocken hinzu ; wenn Ihr Euch alle von den Aegyptern abwendet , so will ich dennoch dem tiefen , geheimnißreichen Volke treu bleiben , und wenn nicht auf alte , doch auf neue Weise . Ich wähle eine Zigeuner-Maske . Hütet Euch . Ich sehe in die Vergangenheit und Zukunft , und werde manches Geheimniß enthüllen . Die Vorstellung des nahen Festes beschäftigte alle angenehm . Viele spielten ihre Rolle schon in Gedanken durch , und diejenigen , welche noch keine Masken gewählt hatten , sannen auf passende und anmuthige Erfindungen . Stein , welcher bis dahin abgewandt in einem entfernten Theil des Zimmers beim Clavier saß , und zwischen den weitläuftigen Verhandlungen und Streitigkeiten manch stilles Liedchen leise sang , trat nun auch zu Luisen , und befragte sie über die Wahl ihrer Maske . Sie war noch unschlüssig , und bat den Obristen , der nicht längst gekommen war , für sie zu entscheiden . Ich weiß nicht , sagte dieser , ob ich Unrecht habe , wenn ich wünsche , Sie in altdeutscher , fürstlicher Tracht zu sehen , sehr einfach , dennoch höchst edel und prächtig , und zwar in einer mehr innerlichen , gediegnen als strahlenden Pracht . Viele würden Sie lieber in den üppigen Orient versetzen , und den glühenden Schimmer des südlichen Himmels um Sie verbreiten ; ich glaube selbst , Sie ziehen das Letztere vor , aber die hohe , in sich beschlossene , und eben dadurch gebietende Weiblichkeit liegt doch auch in Ihrer Seele . Ja , was noch mehr ist , macht das Wesentliche derselben aus . Es ist sonderbar , sagte Luise , in meinen frühern Jahren fanden mehrere meiner Bekannten eine große Aehnlichkeit mit mir und einigen Bildern altnordischer Königinnen , und gleichwohl habe ich eher mit Schauder als Sehnsucht auf jene Zeit zurückgesehn . Wir sträuben uns oft , erwiederte der Obrist , grade gegen dasjenige , was doch zuletzt Recht über uns behält . Nun , rief Luise lachend , für den Abend sollen Sie es wenigstens behalten . Ich unterwerfe mich Ihrer Entscheidung . Wohlan , sagte er , so sind wir beide Ihre Ritter . Ich trug immer ein Schwerdt , und lege es auch im Spiele nicht gern von mir . Werden Sie mir es vergönnen , fragte Stein , fast wehmüthig , wohl als ein überflüssiger , aber doch treuer Diener , meinen Platz an Ihre Seite zu suchen ? Luise reichte ihm voll herzlicher Theilnahme die Hand , und alle drei redeten sofort das Nähere mit einander ab . Als bald darauf die Gesellschaft auseinander ging , vertrauete Auguste Luisen , daß sie fruher , als Werner , einen ähnlichen Gedanken gehegt habe , und gesonnen sei , zuerst zwar als Zigeunerin , sodann aber als eine zweite Colombine aufzutreten , und dem Liebespaar und seinen Helfershelfern manchen hinterlistigen Streich zu spielen . Luise mißtrauete überall ihren Absichten , und konnte auch an dieser Neckerei keinen Gefallen finden , über die sie weiter nicht redeten , sondern von da an , ein jedes nur mit eigenen Einrichtungen beschäftigt blieben . Frau von Seckingen allein war durch nichts zur Theilnahme an dem Feste zu bewegen . Sie scheue , sagte sie , die freigegebene , ungebundene Fröhlichkeit . Wo alle Rücksichten schwänden , träte die unbewachte Individualität oft abstoßend hervor , und das sei gefährlich für diejenigen , die nur ein bestimmtes , lang gehegtes und gepflegtes Bild festhalten möchten . Es sei nicht das erstemal , fuhr sie fort , daß dergleichen Festlichkeiten Entdeckungen veranlaßten , welche ein ruhiges Verhältniß aufgelöst und Menschen getrennt hätten , welche durch diese Trennung um nichts besser geworden wären . Ihr sei es nothwendig , nur das für wahr zu halten was nach höhern Gesetzen wahr sein müßte , und sich so wenig als möglich darum zu bekümmern , was unter äußren Bedingungen sich als bestehend erweise , und für die Welt allein Wirklichkeit habe . Luise verstand sie wohl , und drang nicht weiter in sie , ohnerachtet sie solche ängstigende Sicherstellung als den wahren Tod und den eigentlichen Gegensatz aller Liebe ansahe . Am Vorabend des Balles trat der Obrist ungewöhnlich spät in Luisens Zimmer . Sie saß am Stickrahmen , und war noch mit einer Arbeit für den folgenden Tag beschäftigt , als er sich zu ihr setzte , und nachdem er eine Zeitlang die Sauberkeit und den Fleiß des kleinen Kunstwerks bewundert und schweigend beobachtet hatte , wie lange die geschäftigen Finger den Faden hin und wieder lenken müssen , ehe nur der hundertste Theil des Ganzen kenntlich hervortrete , rief er fast ungeduldig : Welch mühseliges Vorbereiten zu dem flüchtigen Genuß !