mit Behaglichkeit ausüben . Denn ob er gleich alles , was die Baum- und Küchengärtnerei betraf , auch die Erfordernisse eines ältern Ziergartens , vollkommen zu leisten verstand , wie denn überhaupt einem vor dem andern dieses oder jenes gelingt , ob er schon in Behandlung der Orangerie der Blumenzwiebeln , der Nelken- und Aurikelnstöcke die Natur selbst hätte herausfordern können , so waren ihm doch die neuen Zierbäume und Modeblumen einigermaßen fremd geblieben , und er hatte vor dem unendlichen Felde der Botanik , das sich nach der Zeit auftat , und den darin herumsummenden fremden Namen eine Art von Scheu , die ihn verdrießlich machte . Was die Herrschaft voriges Jahr zu verschreiben angefangen , hielt er um so mehr für unnützen Aufwand und Verschwendung , als er gar manche kostbare Pflanze ausgehen sah und mit den Handelsgärtnern , die ihn , wie er glaubte , nicht redlich genug bedienten , in keinem sonderlichen Verhältnisse stand . Er hatte sich darüber nach mancherlei Versuchen eine Art von Plan gemacht , in welchem ihn Ottilie um so mehr bestärkte , als er auf die Wiederkehr Eduards eigentlich gegründet war , dessen Abwesenheit man in diesem wie in manchem andern Falle täglich nachteiliger empfinden mußte . Indem nun die Pflanzen immer mehr Wurzel schlugen und Zweige trieben , fühlte sich auch Ottilie immer mehr an diese Räume gefesselt . Gerade vor einem Jahre trat sie als Fremdling , als ein unbedeutendes Wesen hier ein ; wieviel hatte sie sich seit jener Zeit nicht erworben ! aber leider wieviel hatte sie nicht auch seit jener Zeit wieder verloren ! Sie war nie so reich und nie so arm gewesen . Das Gefühl von beidem wechselte augenblicklich miteinander ab , ja durchkreuzte sich aufs innigste , so daß sie sich nicht anders zu helfen wußte , als daß sie immer wieder das Nächste mit Anteil , ja mit Leidenschaft ergriff . Daß alles , was Eduarden besonders lieb war , auch ihre Sorgfalt am stärksten an sich zog , läßt sich denken ; ja warum sollte sie nicht hoffen , daß er selbst nun bald wiederkommen , daß er die fürsorgliche Dienstlichkeit , die sie dem Abwesenden geleistet , dankbar gegenwärtig bemerken werde ? Aber noch auf eine viel andre Weise war sie veranlaßt für ihn zu wirken . Sie hatte vorzüglich die Sorge für das Kind übernommen , dessen unmittelbare Pflegerin sie um so mehr werden konnte , als man es keiner Amme übergeben , sondern mit Milch und Wasser aufzuziehen sich entschieden hatte . Es sollte in jener schönen Zeit der freien Luft genießen ; und so trug sie es am liebsten selbst heraus , trug das schlafende , unbewußte zwischen Blumen und Blüten her , die dereinst seiner Kindheit so freundlich entgegenlachen sollten , zwischen jungen Sträuchen und Pflanzen , die mit ihm in die Höhe zu wachsen durch ihre Jugend bestimmt schienen . Wenn sie um sich her sah , so verbarg sie sich nicht , zu welchem großen , reichen Zustande das Kind geboren sei ; denn fast alles , wohin das Auge blickte , sollte dereinst ihm gehören . Wie wünschenswert war es zu diesem allen , daß es vor den Augen des Vaters , der Mutter aufwüchse und eine erneute , frohe Verbindung bestätigte ! Ottilie fühlte dies alles so rein , daß sie sichs als entschieden wirklich dachte und sich selbst dabei gar nicht empfand . Unter diesem klaren Himmel , bei diesem hellen Sonnenschein ward es ihr auf einmal klar , daß ihre Liebe , um sich zu vollenden , völlig uneigennützig werden müsse ; ja in manchen Augenblicken glaubte sie diese Höhe schon erreicht zu haben . Sie wünschte nur das Wohl ihres Freundes , sie glaubte sich fähig , ihm zu entsagen , sogar ihn niemals wiederzusehen , wenn sie ihn nur glücklich wisse . Aber ganz entschieden war sie für sich , niemals einem andern anzugehören . Daß der Herbst ebenso herrlich würde wie der Frühling , dafür war gesorgt . Alle sogenannten Sommergewächse , alles , was im Herbst mit Blühen nicht enden kann und sich der Kälte noch keck entgegenentwickelt , Astern besonders , waren in der größten Mannigfaltigkeit gesäet und sollten nun , überallhinverpflanzt , einen Sternhimmel über die Erde bilden . Aus Ottiliens Tagebuche Einen guten Gedanken , den wir gelesen , etwas Auffallendes , das wir gehört , tragen wir wohl in unser Tagebuch . Nähmen wir uns aber zugleich die Mühe , aus den Briefen unserer Freunde eigentümliche Bemerkungen , originelle Ansichten , flüchtige geistreiche Worte auszuzeichnen , so würden wir sehr reich werden . Briefe hebt man auf , um sie nie wieder zu lesen ; man zerstört sie zuletzt einmal aus Diskretion , und so verschwindet der schönste , unmittelbarste Lebenshauch unwiederbringlich für uns und andre . Ich nehme mir vor , dieses Versäumnis wiedergutzumachen . So wiederholt sich denn abermals das Jahresmärchen von vorn . Wir sind nun wieder , Gott sei Dank ! an seinem artigsten Kapitel . Veilchen und Maiblumen sind wie Überschriften oder Vignetten dazu . Es macht uns immer einen angenehmen Eindruck , wenn wir sie in dem Buche des Lebens wieder aufschlagen . Wir schelten die Armen , besonders die Unmündigen , wenn sie sich an den Straßen herumlegen und betteln . Bemerken wir nicht , daß sie gleich tätig sind , sobald es was zu tun gibt ? Kaum entfaltet die Natur ihre freundlichen Schätze , so sind die Kinder dahinterher , um ein Gewerbe zu eröffnen ; keines bettelt mehr , jedes reicht dir einen Strauß ; es hat ihn gepflückt , ehe du vom Schlaf erwachtest , und das Bittende sieht dich so freundlich an wie die Gabe . Niemand sieht erbärmlich aus , der sich einiges Recht fühlt , fordern zu dürfen . Warum nur das Jahr manchmal so kurz , manchmal so lang ist , warum es so kurz scheint und so lang in der Erinnerung ! Mir ist es mit