, und Venus Urania drückte in einem pantomimischen Tanze ihre Erwartung und Ungeduld , wie diese Sendung aufgenommen werden würde , aus . Auch diese Mädchen kamen traurig zurück , sie hatten ihre Kränze noch unversehrt , aber sie drückten in ernsten mitleidigen Stellungen aus , daß auch ihre Geschenke keinen Eingang in ein traurendes Herz gefunden hatten . Gerührt und mitleidsvoll setzte nun die Göttin sich auf einen Rasensitz und schien nachzusinnen . Plötzlich sprang sie wie begeistert auf , winkte den Nymphen , enteilte mit ihnen , und indeß die Musik des Marsches fortwährte , kam sie , jedes Zeichen der Venus Urania abgeworfen , geharnischt und behelmt , als Göttin Roma4 zurück . Die Victoria in der Rechten , einen Lorbeerkranz in der Linken haltend , und von ihren Nymphen begleitet , eilte sie gerade auf mich zu , und erhub die Hand , um mir den Kranz aufzusetzen . Ich war betroffen , gerührt , erschüttert , und indeß eine wehmüthige Erinnerung , durch die Pantomime der zurückkehrenden Nymphen erregt , mein Innerstes durchzuckte , schlang so viel schmeichelnde Güte , so viel herzliche Achtung sich tröstend und milde um mein Herz . Aber ihren Kranz konnte nur die Eitelkeit annehmen . Ich wich zurück , ich wollte ihre Hand ergreifen - da umringten mich die Begleiterinnen , und indem ein Chorgesang anfing , der mir sagte , daß nicht die Liebe , nicht die Freundschaft , nur das Vaterland mich lohnen können , und ich starr und wie bezaubert dastand , wand sie mit beiden schönen Armen mir das Lorbeerreis um ' s Haupt . Nun eilten Vater und Bruder auf mich zu - der Chorgesang erhub sich lauter im Einklange mit der kriegerischen Musik , ich fühlte Thränen in meinen Augen , ein theures verklärtes Bild schwebte freundlich vor mir , und im Gedränge so viel gemischter Empfindungen gab ich mich willenlos dem schönen Eindruck hin , den das Ganze auf mich machte , und der mein Herz nicht verfehlen konnte . Calpurnia ergriff meine Hand , und führte mich an die Thüre , sie öffnete sich , wir standen im Garten , der im Abendschimmer duftend und glänzend vor uns lag . Jetzt erst beim Tageslichte sah ich , wie schön sie im Helm und Harnisch - ein zauberisches Mittelwesen zwischen Venus und Pallas war . Sie behielt ihren Anzug , sie mochte wohl , wissen , warum - übrigens blieb sie sich gleich , heiter , freundlich , anspruchslos , und schien den Sinn ihres bedeutungsvollen Schauspiels ganz vergessen zu haben . Ich konnte das nicht , und so war es mir lange nicht möglich , den Ton zu finden , in welchem ich mit diesem seltnen , gefährlichen und doch achtungswürdigen Wesen sprechen sollte . Eben fing ihre Unbefangenheit an , mir die meine wiederzugeben , als der Befehl des Augustus mich abrief - vielleicht sehr zur Zeit . Noch diese Nacht reise ich ab , und werde Nikomedien so bald nicht wieder sehen . Ich denke , das muß ich - denn es ist nicht gut , in gewissen Umgebungen viel zu seyn , wenn man beständig weder darin seyn kann , noch will . Was in mir vorgeht , und welchen Eindruck die heutigen Scenen in mir hinterließen , sollst du aus dem Lager hören . Fußnoten 1 Ebenfalls geschichtlich , so wie die Folgen dieser Schlacht , Narses Verwundung , und der durch den Apharban geschlossene Frieden . 2 Jovianer und Herkulianer waren die Benennungen zweier illyrischen Legionen von geprüfter Treue , welchen Diocletian , um den Uebermuth der Prätorianer zu mäßigen , den Dienst der Leibwachen übertrug . 3 Die Häuser im Orient hatten , und haben noch größtentheils platte Dächer , die in den kühlen Stunden zum Luftschöpfen und Spazierengehen dienen . 4 Rom hatte seine eigene Göttin , der unter diesem Namen Tempel erbaut wurden . Sie wurde verschieden abgebildet , unter andern aber auch mit einer Victoria in der Hand . 47. Calpurnia an Sulpicien . Nikomedien , im August 302 . Ich habe einen höchst genußreichen schönen Tag durchlebt , meine liebe Sulpicia ! und mein volles Herz drängt mich , meine Freude in den Busen meiner Freundin zu ergießen . So herrlich der Tag war , so lieblich ist sein Abend - und ich habe , um ihn recht mit allen Sinnen zu genießen , mir das Schreibgeräthe auf das platte Dach unsers Hauses bringen lassen , das nach orientalischer Sitte mit Blumen und Orangenbäumen besetzt , einen Garten und recht angenehmen Spazierort für die kühleren Stunden anbietet . Hier sitze ich unter Düften und Blüthen , weiche Lüfte umspielen mich , vor mir liegt die heilige Meeresfluth unermeßlich ausgebreitet , über die der letzte Sonnenstrahl feurig brennende Brücken zieht . Sie selbst glühend , wie vor Freude in den Erinnerungen des schönen Tages , dem sie leuchtete , sinkt hinter den Bergen von Europa hinab , deren dunkelblaue Riesengestalten sonderbar mit den hellen Massen in Luft und Meer kontrastiren . Um mich her ist ein freudiges Weben und Schwelgen in ruhigem Genusse . Käfer und Mücken tanzen im letzten Sonnenstrahl , oder wiegen sich in Blumenkelchen . Vor den Häusern oder auf ihren Terrassen sitzen die Nachbarn , und wiederholen in traulichem Geschwätz die Freuden des Tages ; hier und dort tönt eine Leier , oder ein ferner Gesang durch die Stille . O meine Sulpicia ! Warum bist du nicht hier , um das Alles mit zu geniessen ! Ja es war ein schöner Tag für mich - für ganz Nikomedien , und du sollst Alles hören , um dich im Widerschein unsers Vergnügens zu freuen . Schon gestern Abends verbreitete sich ein Gerücht von einem Siege , den Galerius über die Perser erfochten habe . In der Niedergeschlagenheit , die sich seit der letzten unglücklichen Schlacht der Gemüther bemächtigt hatte , war diese Neuigkeit sehr erwünscht , und wurde begierig , obwohl nicht ganz ohne Mißtrauen ergriffen , weil