sogar schon Olympia eifersüchtig auf » die Tochter der Luna « ... Rom hatte Lucinden verjüngt ... Das Boskett , das dicht an die zur Verlängerung des Speisesaals umgewandelte Terrasse stieß , bestand aus einer Pflanzung von Nuß- und Kastanienbäumen ... Aus seinem mäßigen Umfang heraus führten Gänge von beschnittenen Buchsbaum- und Cypressenwänden auf kleine Rotunden , in deren Mitte aus Farrenkräutern und Vergißmeinnicht Springbrunnen plätscherten oder Marmorstatuen glänzten , am Fuß von blühenden Cactus , von feurigen Schwertlilien umgeben ... Nun kamen die rechts zu den Gärten des Lateran sich ziehenden Beete ... Sie folgten sich in Abdachungen , die zu Cascatellen benutzt , von Grotten , von Muschel- , von Marmorverzierungen unterbrochen wurden ... Zur Linken , jenseits der großen Platanenallee und des flimmernden Wassersturzes führten riesige Taxuswände zu einer Altane , von welcher sich ein weites Feld von Weinstöcken wie ein einziges grünes Dach auf die Landstraße erstreckte ... Dorthinauf , wo sich unter wilden Lorberblättern ausruhen ließ , zog es die von den schmerzlichsten Ahnungen erfüllte Herzogin ... Eine Weile noch wurde sie auf ihrem Wege von einem Naturspiel aufgehalten ... Das Licht des Mondes und der Widerschein des Feuerwerks wurden in ihren magischen Wirkungen noch übertroffen von zahllosen Glühwürmern , die bald grün , bald roth aufblitzend die Luft durchschwammen , auf den Sträuchern und Blumen wie Edelsteine funkelten , unwillkürlich die Hand lockten , die Luft zu durchstreifen und nach eitel Funken und Licht zu haschen ... In diesem Augenblick glaubte die Herzogin die » Tochter der Luna « zu sehen , die am äußersten Ende eines der in den Ziergarten einmündenden Heckenwege - von zwei Mönchen verfolgt wurde ... Sie staunte des auffallenden Anblicks ... Sollten von den Bettlern an der Pforte zwei so verwegen gewesen sein , sich hierher zu wagen ? ... Oder konnte sich in falscher Verhüllung Räubervolk eingeschlichen haben ? ... Eben waren die Mönche und die fliehende Donna Lucinda verschwunden ... Oder hatte sie sich getäuscht ? ... Hatte das mondlichtfarbene Kleid der Gesellschafterin sie irre geführt ? ... ... Da hörte sie das Lachen des Herzogs Pumpeo ... Offiziere kamen und junge Prälaten , die der Champagnerrausch von den alten Damen zu den jungen vertrieb ... Einige der schönsten hüpften an ihrem Arm - gleichsam nur auf der Flucht vor den gefährlichen Feuerfröschen ... Die Herzogin blieb stehen ... Fast wurde sie umgerannt von dem aus einem andern der Gänge ihr eilend entgegentretenden Conte Sarzana ... Sahen Sie die beiden Mönche , Graf ? fragte die Herzogin ängstlich ... Die der Donna Lucinda folgten ? antwortete Sarzana mit Theilnahme ... Wo sind sie ? ... Ich habe ihre Spur verloren ... Beide durchkreuzten den Gang , den die übrige Gesellschaft herauskam , und eilten der dunklern Gegend jenseits der Platanenallee zu ... Der am Ende derselben funkelnde Wasserfall gab einen Schein von Belebung des Gartens , der sich indessen nicht bestätigte ... Alles blieb einsam und gefahrvoll ... Jetzt rief der Graf : Ich sehe sie ... Dort beim Aufgang auf die Altane ... Was wollen die Frechen ? ... Conte Agostino lief mit seinen hohen Reiterstiefeln die nothwendigen fünfzig Schritte voraus und rief schon auf halbem Wege dem nächsten der Mönche ein donnerndes : Que commande ? ... Als er näher gekommen , fand er Donna Lucinda mit geisterhafter Blässe im Gespräch mit den beiden Mönchen , die unausgesetzt wie Eindringlinge von ihm angerufen und für verkappte Gauner erklärt wurden ... Ging doch auch durch die Stadt das Gerücht , man hätte heute in einer Herberge am Tiberstrand den berüchtigten Räuber Pasquale Grizzifalcone aus der Mark Ancona gesehen , das Haupt aller Räuber- und Schmugglerbanden der adriatischen Meeresküste ... Es konnten seine Genossen sein ... Die lange schlanke Deutsche hielt einen Brief in der Hand und sagte mit zitternder Stimme und im besten Italienisch : Vergebung , Herr Graf ! Es sind - zwei Landsleute von mir ... Sie ersuchen mich , eine Bittschrift zu übernehmen ... Ich werde sie besorgen , ihr - frommen - Väter - ! Lassen Sie sie in Güte ziehen , Herr Graf ! ... Willkommen in Rom , Pater - Sebastus und Frater - Hubertus ! ... Wir sehen uns noch ... Gewiß ! Gewiß ! ... Felicissima notte ! ... Die beiden Mönche standen lichtgeblendet - wie Saulus am Wege von Damascus ... Sie konnten sich nicht trennen ... Inzwischen war die Herzogin näher gekommen ... Sie erschrak bei dem Anblick Lucindens , die tieferschüttert schien ... Noch mehr entsetzte sie sich vor dem Anblick eines dieser Mönche , der mit seinem kahlen und wie fleischlosen Kopf aus seiner niedergefallenen Kapuze geradezu ein Bote des Todes erschien ... Auch die Begleiter des Duca Pumpeo kamen , jetzt ohne die Damen , näher , nahmen die Mönche in die Mitte und geleiteten sie aus dem Garten ... Graf Agostino erhielt von Lucinden die Bitte und , als er darum noch immer nicht ging , fast den Befehl , sie zu verlassen ... Die Herzogin sah Lucinden noch wie betäubt an den Sockel einer Statue sich lehnen , von welcher aus man auf die Plateforme jener Altane schreiten konnte ... Es war hier ringsum dunkel ... Die dichtbelaubten Bäume warfen düstere Schatten ... Die Herzogin widerstand nicht , Lucinden zu folgen ... Diese drängte auf die Altane hinauf , als fürchtete sie hier unten zu ersticken oder den Mönchen aufs neue zu begegnen ... Sie sind ja auf den Tod entsetzt , mein Kind ! sprach sie theilnehmend ... Erholen Sie sich ... Diese zudringlichen Bettler in Rom ! ... Die Bittschrift war nur ein Vorwand ! ... Lucinde schlich nur langsam die Erhöhung hinauf ... Oben angekommen , sagte sie : Nein , nein ! ... Ich kannte sie beide ... Ich wußte längst , daß sie in Rom sind - ich hätte sie aber lieber , das ist wahr , vermieden ; ich - mag nichts mehr hören von Deutschland ... Die Bittschrift ist - an den Bischof -