, die sie ihm für einige Kunstblätter schrieb , sie zu vernachlässigen schien und immer und immer nur bei Helene d ' Azimont angetroffen wurde , die ihrerseits in ihrer Liebe zu Egon ihr nicht mehr wahr und überzeugend erschien , sondern nur noch die Stimmungen der verletzten Eitelkeit , die Verzweiflung über den Bruch für Liebe auszugeben schien : seitdem hatte sie mit Anstrengung ihrem Herzen Schweigen gebieten müssen und im Vollgenuß der übrigen Freuden , die ihr , wie sie sagte , » das Schicksal schenkte « , im Vollgenuß der ausströmenden Wirksamkeit , des weltbewegenden Einflusses , den sie üben konnte , sich entschlossen , für den Freund , den der sonderbarste Zufall ihr schenkte , für Egon nun auch nur rein mütterlich zu empfinden . Der Kampf war gewaltig genug ! Als Heinrichson seine Leda verkauft hatte und ihr eines Tages sagte : Pauline , ich verlasse Sie ! und sie die Frage , ob er nach Italien ginge , mit Ja ! beantwortet hatte , fuhren noch tausend spitze Messer , wie sie späterhin der Ludmer erzählte , in das Herz der » fünfzigjährigen « , aller Zärtlichkeit längst entrückten Frau . Gehen Sie , hatte sie gesagt , gehen Sie , Heinrichson , nehmen Sie mit dem Reste vorlieb , den Egon stehen ließ ! Widersprechen Sie nicht ! Sie folgen Helene ! Ich kenne Das . Ich kenne diese Verzweiflung einer Frau , die erst Mitleid , dann Trost , dann Rache will ! Helene wird Egon noch oft zeigen , daß man sie nicht ungestraft verläßt und daß man um ihretwillen noch Alles vergessen kann , auch Ihnen , Heinrichson , wird sie es zeigen ! Auch Ihr Roman wird mit dieser Liebes- und Gefühlsschwelgerin einst vorüber sein ! Hüten Sie sich nur , Ihr Auge auf das schöne Kind zu werfen , das im verblendeten Wahne mit Helenen ihrer Mutter entflohen ist ! Sie finden nicht sobald eine Pauline wieder , die nur weint , wenn ihr Geliebter treulos scheidet ! Sie könnten einmal doch noch bei irgend einer verrathenen Frau jenen Dolch finden , den alle Ihre Bonmots nicht pariren ! ... Noch mehr aber , als diese flüchtigeren Schmerzen drückte die Geheimräthin die seit einiger Zeit sonderbarerweise Alles schwarzsehende Laune der Charlotte Ludmer . Sie , die sonst immer zur Heiterkeit stachelte , keine Gefahr anerkannte , jedes Wagniß ebnete , sie sah jetzt Gespenster und erschreckte ihre langjährige Freundin mit Visionen . Gespenster und Visionen waren die Worte der Geheimräthin . Die Ludmer sprach von Wirklichkeiten und schilderte die Aussicht noch manches heraufsteigenden Verdrusses mit einer Umständlichkeit , daß ihr Pauline einmal sagte : Ich weiß es , Charlotte , du magst nicht leiden , daß ich wieder an die Öffentlichkeit appellirte ! Du warst die hartnäckigste Gegnerin meiner kurzen , schriftstellerischen Laufbahn ! Du hast Freude empfunden über jede Bitterkeit , die ich auf ihr erfahren mußte ! Du gönntest mir die Demüthigungen der Kritik , als Nadasdi erschien und hast erreicht , daß ich mehr deinen Wünschen , als diesen Impertinenzen nachgab und die Feder niederlegte . Gegen den Ankauf des » Jahrhunderts « hast du alle erdenklichen Gründe vorgebracht und kannst noch jetzt z.B. diesen Stromer nicht sehen , weil du glaubst , ein allerdings im Leben unbeholfener , komischer , eitler , unerzogener Mann , den aber , wenn er schreibt , Alle bewundern , hätte mich zu diesem Ankaufe veranlaßt . Die Beziehung zu Egon , so überraschend und unerwartet , misbilligst du , auch meine Theilnahme für Melanie , die mich erheitert und für die ich fühle , wie für eine Tochter - ja , Charlotte , je älter ich werde , desto schönre Keime entdeck ' ich in meinem Herzen . Laß sie mich doch pflegen ! Mit den Jahren sollen ja aus uns Engel wachsen , sagte Stromer neulich . Glaube doch nicht , daß meine gesellschaftliche Stellung darunter leidet , daß ich mich an den großen Fragen der Zeit betheilige ! Weißt du wohl , Charlotte , daß du immer aristokratischer warst als ich und mir hundertmal die Etikette vorhieltest , wo meine verschmachtende Seele nur nach Freiheit rief ? Die Ludmer hatte bei dieser Erörterung zur Antwort gegriesgrämelt und » gebrummkatert « . Sie war offenbar tiefverstimmt , die gute Frau . Sie sah zuviel neue Menschen im Hause . Diese weltbewegenden Abende griffen sie an . Die Entfernung des Geheimraths , mit dem sie gern plauderte wie mit Ihresgleichen , that ihr zu leid . Der gute Geheimrath ! Die besten muntersten Bedienten des Hauses nahm er mit sich in die Stadt . Sie hätte weit lieber gehabt , die Geheimräthin hätte sich an der » Komödie « betheiligt und wäre , wie manche Intendantin , die Regentin des Hoftheaters geworden . Da hätte sie doch für ihre alten Tage eine Zerstreuung , eine Erholung gehabt . Sie lachte gern , sie sah gern tanzen , liebte lustige , rauschende Musik und wer weiß , ob sie nicht für die ökonomischen Ersparnisse der Verwaltung neue Gesichtspunkte über Sammt- und Seidenstoffe , Brennholz und Beleuchtung hätte aufstellen können . Alle diese Neigungen theilte nun die große Semiramis , Pauline nicht . Die wollte die Welt umformen ! Die wollte mit dem Hebel ihres Einflusses die Erde aus dem Gleichgewichte bringen ! Die Verächter des Nadasdi sollten sagen : Welch ' ein Weib ! Die Oberhofmeisterin von Altenwyl , diese » Cerberus « der » kleinen Cirkel « sollte eingestehen , daß in Pauline von Harder eine große , wenn nicht » immense « , doch endlos » extensive Seele « verborgen läge und der Hof selbst sollte fühlen , daß er nichts wäre , wenn nicht ein Verstand wie der ihrige für sein Wohl dächte und wachte . Sie war zu tief gekränkt , zu oft zurückgesetzt , zu sehr in ihrem innersten Sein von jener romantisch-sentimentalen Richtung , in der die Königin lebte , verletzt worden ,