geliebten Kinde , das sich zuweilen auch gegen ihn zu empören anfing ... ... Er flüsterte : Täubchen ! Liebchen ! ... Papagallo ! ... Fiore di luce ! ... Suche dir die » Tochter der Luna « ! ... erwiderte sie höhnisch und huschte fort ... Der Onkel lachte über die » Eifersucht « seiner Nichte ... Da wandte sie sich noch einmal ... Onkel , sagte sie zornig , lache nicht ! Ich möchte in diesem Augenblick sterben ! ... Ich wünschte , du hättest nur wegen meiner an Pasqualetto geschrieben - nach Porto d ' Ascoli - ... Jesu ! flüsterte der Cardinal , wurde kreidebleich und sah sich besorgt um ... Welchen Namen nennst du da ? ... Pasqualetto - St ! unterbrach er aufs strengste Olympiens Gegenrede ... Der alte Rucca ging eben vorüber , spitzte die Ohren , grinzte seltsam und sagte für sich : Eh ! Eh ! Eh ! ... Vieldeutige Laute ... Olympia hatte einen Namen genannt , den er gehört zu haben schien ... Er wandte sich halb und halb zum Zuhören und liebäugelte einer Schwiegertochter , deren Hochzeit - mit seinem verlängerten Pachtcontracte zusammenhing - ... Ceccone winkte ihm mit graziöser Handbewegung zu gehen ... Noch ist sie mein ! sprach er süß und vor allen näher herantretenden Zeugen ... Dann legte er die zarten weichen Hände auf das Haupt der kleinen Meduse , zog sie wieder an die Hortensienvase und flüsterte : Wie kannst du von Pasqualetto reden ? ... Was soll er ? ... Mich stehlen und in die Berge schleppen ! ... erwiderte Olympia ... Ich beschwöre dich , mein süßer Papagai ! fuhr der besorgte Vater fort und wollte Olympia noch weiter ins Dunkel mit sich ziehen , um sie herzinniger zu küssen , vielleicht sie an den Wagen zu führen , den der junge Gatte zu jeder Minute bereit zu halten versprochen hatte ... Schon rief er nach dem Mohren , der nach seiner Taufe den frommen Namen Chrysostomo führte ... Statt des Chrysostomo kam aber der ganze Schwarm der Gäste ... Die Leuchtkugeln erhellten gerade die Vase mit den Hortensien und wo die Braut war , mußten doch alle sein ... Niemand erzürnte gern die wilde Olympia ... Es klang ihr jetzt ganz zu Sinn , daß ihr Gatte verspottet wurde über die Verzögerung des Feuerwerks ... Die Raketen haben den Schnupfen ! hieß es ... In die Cascatellen ist Wasser gekommen ! ... Die » Feuerräder « haben die Achse gebrochen ! ... Man fürchtet , die » Frösche « werden hüpfen wie die Flöhe ! ... Flöhe ... Wer solche Italienerworte hätte in dieser Sphäre für unziemlich halten wollen , mußte eine deutsche oder französische Bildung haben ... Der Südländer kennt keine Scheu der offenen Namengebung dessen , was natürlich ist ... Die Herzogin von Amarillas machte inzwischen einen Versuch , sich Olympien zu nähern ... Aber Olympia entzog sich gerade ihr ... So beschloß denn die Herzogin , die Nachricht über den Pater Vincente für sich zu behalten ... Auch sie floh vor dem endlich beginnenden Feuerwerk ... All dies Knistern und Knattern , all diese Bravis und Ausrufungen waren der Mutter Julio Cäsares nicht zu Sinn ... Sie suchte den Garten , den Park , der zwar nicht unbelebt , aber dunkler war und an seiner äußersten Grenze Einsamkeit versprach ... In diesem Verlangen nach dem Pater Vincente , das die Braut ausgesprochen , lag für sie ein ihr wohlbekannter Ausdruck des Zorns über Benno ' s Nichtanwesenheit , über sein gänzliches Verschwundensein nach den beiden Märchenwonnentagen von Wien , lag der Ausdruck der Reue über die allzu schnelle Ernennung Bonaventura ' s zum Bischof von Robillante ... Benno hatte sich im vorigen Jahr nach Rom begeben und war dort nicht länger geblieben , als bis - die Mutter und Olympia ankamen ... Da war er nach dem Süden entflohen ... Er hatte sich aufs Meer begeben , war über Sicilien , Malta , Genua , Nizza nach Robillante gereist , wo er in diesem Augenblick bei Bonaventura verweilte ; er stand mit der Mutter im Briefwechsel , er schrieb ihr unter fremden Adressen - sie hatte die ganze Bürgschaft seiner Liebe und Zärtlichkeit für sich ; - aber vor einem Zusammenleben mit Olympien erfüllte ihn ein ahnungsvolles Grauen ... Aus dieser Misachtung der ihm so offen in Wien ausgesprochenen Liebe Olympiens war eine Gefahr für die Herzogin selbst , für Benno , für alle seine Beziehungen entstanden ... Die Theilnahme , die die Mutter für ihn nicht verleugnen konnte , wurde ihr von Olympien aufs heftigste verdacht ... Nun mußte auch noch die Herzogin in Wien ein junges Mädchen gefunden haben , das , der italienischen Sprache vollkommen mächtig , anfangs nur die Vermittelung mit den deutschen Verhältnissen erleichtern sollte ... Eine wohlberufene Convertitin , die von einer glühenden Sehnsucht nach Rom verzehrt wurde ... Die Herzogin hatte den Auftrag erhalten , die Würdigkeit dieser Empfehlung zu prüfen ... Sie sah sie , war von einer auffallenden Aehnlichkeit derselben mit ihrem Kinde Angiolina gerührt - es fehlte nur noch die Bekanntschaft dieses Mädchens mit Benno und Bonaventura , um sie nicht wieder freizulassen ... Es war nun aber Lucinde Schwarz selbst , die ihrer Stellung gefährlich zu werden drohte ... Lucinde liebte nicht , ungefragt von ihrer Vergangenheit zu sprechen . Sie war nie in der Stimmung , gern von Schloß Neuhof , vom Kronsyndikus , Jérôme von Wittekind zu berichten ... Aber die Erwähnung fand sich zufällig und da stand sie schon in Wien Rede ... Die Herzogin horchte voll Erstaunen ... Auf die Länge war sie von Lucinden seltsam abgestoßen und wieder angezogen ... Man nahm sie mit nach Italien ... Erst später zeigte sich die Gefahr dieser » Eroberung « , wie Ceccone , überrascht von Lucindens Geist , sie genannt . Lucinde gewann Einfluß über alle ihre neuen Umgebungen , über den jungen Principe , über Olympien , den Cardinal sogar ... Jetzt war