in der Vorstellung einer geheimen Rathgeberin eines der merkwürdigsten jungen Genies , das plötzlich an dem politischen Horizonte aufblitzte . Nur darüber stritt man : Sucht Egon wirklich ihren Verstand oder ihre Intrigue oder sucht er nur die schönen Frauen , die Paulinen umgeben , diese schalkhafte kleine Gräfin von Wachendorf mit den hochgezogenen schwarzen Augenbrauen , die wie zwei musikalische Fermatenzeichen aussahen , diese schlanke Baronin von Spitz , die mit einem englischen Profil eine französische Lebhaftigkeit verband und eine Offenheit des Blickes besaß , die jeden noch so gefaßten Weltmann bei ihrer ersten Frage aus dem Gleichgewicht bringen konnte , oder fesselte ihn die einer altdeutschen Madonna ähnliche Frau von Landskrona , die nicht viel Geist besitzen sollte , aber mit ihrem etwas röthlichblonden Haare und ihrer blendendweißen Haut und der fast zu starkgeformten Brust den Reiz einer Rubens ' schen Schönheit darstellte ? Auch Fräulein von Flottwitz war Paulinen , seit so schroffe Oppositionsmänner wie Major von Werdeck , nicht mehr bei ihr angetroffen wurden , treu geblieben und konnte für Die , welche mehr dem Aschenblond zugethan sind , noch anmuthig wirken . Alle überstrahlte aber die reizende Melanie Schlurck , zwar eine Bürgerliche , aber eine Ausnahme von der Regel , die sich von selbst verstand . Hier entschied die künstlerische Hand der Natur . Hier entschieden Witz und Laune . Die Lücken , die hier der fehlende Adel ließ , konnten nicht bemerkt werden ; denn Melanie räumte sie selber nicht ein . Sie war stolz wie eine Gräfin . Nie kam ihr bei , vor den schwarzen Augenbrauenfermaten der Gräfin von Wachendorf , nie vor dem englischen Profil der Baronin Spitz , vor dem altdeutschen Madonnenblick der Frau von Landskrona zu erschrecken ; was sollte sie gar erst vor Titeln und Namen zittern ? Wenn sie durch die Flügelthür rauschte , wehte es einher , wie wenn eine Königin kam und man mußte es Paulinen zum Ruhme nachsagen , sie stützte , sie hob diesen Eindruck , sie ließ Melanie nie ohne Umgebung , sie wußte ihren Schützling zu placiren . Sie war gegen Alle nur tolerant , gegen Melanie zuvorkommend . Ihr Kuß auf die kleine Stirn des Mädchens , ein sanfter Strich auf ihr glänzendes Haar gab ihr die Weihe , doch in diesen Räumen die Erste zu sein . Und Das , was Pauline etwa unterlassen hätte , ergänzte Egon , der Fürst , der Premierminister , der große Staatsmann , der zwar niemals lange in diesen Gesellschaften blieb , wenn sie allgemein waren , bald verschwand - man sagte , ohne sich indessen aus dem Hause zu entfernen - dieser und jener Schönheit artig war , aber nur über Melanie hin jene träumerisch sinnenden Blicke entsandte , in denen so viel verschwiegene Huldigung , so viel verborgene Traulichkeit schlummert . Er sprach mit der schönen Baronin von Spitz oft lebhafter , mit der verschämten Frau von Landskrona oft länger als mit Melanie . Aber jedes scharfe Auge errieth , daß er nicht nöthig hatte , sich an Melanie erst im Salon anzuschmiegen . Er sah sie viel öfter in dem kleinern Kreise der Geheimräthin , und ohne Zweifel viel vertraulicher . Wie sich die uns bereits bekannten großen politischen Wagnisse des Prinzen Egon von Hohenberg in diesem Hause seiner Freundin ausnahmen , wie sie hier widerhallten , kann man sich vorstellen . Das war ein Lärmen , ein Fahren , ein Treppauf , Treppab , ein Thürenschlagen , ein Klingeln , ein Geschwirr ... Es ging jetzt so lebhaft in der Villa her , daß man den Entschluß des Geheimraths , seine eigne nicht minder unruhig gewordene Existenz ganz in das in der innern Stadt gelegene alte Wohnhaus der Marschalks zu verpflanzen , billigen mußte . Herr von Harder war der Intendant des königlichen Hoftheaters geworden . Se . Excellenz hatten sich dadurch einem ganz neuen Studium zu widmen , bei dem sie möglichst wünschen mußten ungestört zu sein . Er , der die Einsamkeit der königlichen Gärten bisher geliebt hatte und nur begleitet vom Inspektor Mangold zuweilen hier und dort die Schloßkastellane und Hofgärtner überraschte , auch er war jetzt in den Strom der lebendigsten und rauschendsten Thätigkeit geworfen . Dichter , Künstler , das Publikum nahmen ihn in Anspruch . Und was mußt ' er studiren , lesen , prüfen , denken ! Und auch für Paulinen wäre dieser an sich unter andern Verhältnissen ihr ganz angenehme , aber jetzt störende , gemeine Verkehr von Nachfragenden , Bittenden , Widersetzlichen und was sonst zur Bühnenpraxis gehört , unerträglich gewesen . Jetzt ließ sie ihren Gemahl gern in die Stadt ziehen , wo er ungestört , wie er sagte , » Dichterstücke « lesen und junge Schauspielerinnen und Sängerinnen » prüfen « konnte . Befreit von der Nähe eines beschränkten und zuweilen eigensinnigen Mannes , erfaßt von dem Wirbelwinde der Begebenheiten , denen sie sich nicht ohne Grund einbilden konnte , eine Form mit aufdrücken zu helfen , hätte Pauline von Harder jetzt alle Ursache gehabt , sich nach ihren Bedürfnissen glücklich zu fühlen , wenn nicht immer noch ihr Herz , das sich nicht ganz zur Ruhe geben wollte , peinliche Erfahrungen gemacht hätte . Dieser Heinrichson , wie undankbar , wie treulos ! Sie verlangte so wenig von dem bei allen Weltdamen beliebten , witzigen , in der Kunstwelt geachteten Manne ! Er sollte ihr nichts als eine Art von beflissener Aufmerksamkeit widmen ! Er konnte neben ihr vielleicht eine Grisette lieben ; ein Verhältniß wie mit jener Auguste Ludmer war ihr im höchsten Grade gleichgültig ; allein sich einer Dame aus der großen Welt geopfert sehen , wie ihr das mit der » an ihrem Busen genährten « wie sie es nannte , treulosen Helene d ' Azimont geschah , Das erschütterte sie tief . Von dem Tage an , wo Heinrichson , uneingedenk der vielen Freundlichkeiten , die sie ihm gewidmet , ihrer Protektion , der Beförderung seiner Gemälde , ja der kritischen Abhandlungen