in schwarze Spitzen eingehüllt ... Und nur um den Cardinal nicht zu sehr zu einem jener Blicke zu reizen , die ihm zuweilen bis zum Tod verwundend zu Gebote standen - seit einiger Zeit war er in dieser Art gegen sie wie ein Skorpion - hatte sie dem Anlaß der Freude , die zur Schau getragen werden sollte , das Opfer gebracht , Hals und Arme mit dunkelrothen Korallen und die Spitzen , die das graue Haar verhüllten , mit frischen Granatenblüten zu schmücken ... Warum soll sie erfahren , sagte sie in ihrem bei alledem stolzen und festen Tone , daß Pater Vincente zugegen ist ? ... Sie ist so verdrießlich ... fiel der besorgte junge Ehegatte ein ... Wir müssen es ihr auf alle Fälle sagen ... Durchaus ... Die Herzogin erwiderte nicht minder mismuthig : Sie kennen die Bescheidenheit des heiligen Mannes ... Olympia wäre fähig , ihn in die Gesellschaft zu rufen und mit ihm - zu kokettiren ! ... Das letzte Wort unterdrückte sie freilich ... Sie will ihn zum Cardinal machen ... Ehe es Fefelotti ohnehin thut ... Wir müssen ihn aufsuchen ... Thun Sie das nicht ! sagte die Herzogin . Ich werde es ihr selbst sagen und dann hören , was sie etwa wünscht ... Die Ernennung zum » Cardinal « überraschte sie nicht ... Sie kannte die Maxime der ehrgeizigen Cardinäle , für die Papstwahl entweder sich selbst in Bereitschaft zu halten oder , falls sie unterliegen sollten , irgendeine unschädliche , ihnen verpflichtete Puppe ... Pater Vincente ' s Geschichte war dem Klerus ganz Italiens bekannt ... Das Feuerwerk entfaltete sich noch nicht in seinem vollen Glanze ... Die Bravis erschollen von nah und fern nur noch wie Ironie über die Verzögerung ... Das Gewühl des Volks wurde größer und größer ... Dabei gingen die abgetragenen Schüsseln bei den Mönchen und Repräsentanten der Spitäler und Bettlerherbergen um ... Schon begannen unter knallenden Champagnerkorken die Austheilungen ... Manche der devoten Frauen , der » Beaten « , betheiligten sich selbst an der Uebermittelung der Gaben ... Ihre goldbetreßten Diener standen dann zur Seite und überwachten die glänzenden Schmuckgegenstände , die sie trugen ... Olympia , die » Braut von Rom « , besaß entweder die Reizbarkeit aller kleinen Gestalten , im Gewirr vieler Menschen nicht mit den ihnen gebührenden Ansprüchen hervortreten zu können , oder ihre Stimmung war in der That voll äußersten Verdrusses ... Sie lief nach rechts und nach links , redete mit diesem und mit jenem und trug auf der Stirn den ersichtlichsten Ausdruck einer leidenschaftlichen Nichtbefriedigung ... Ganz so mürrisch , wie sie heute in der Frühe in der Kirche Apostoli den Ceremonien der Trauung beigewohnt hatte , sah sie jetzt das » Bouquet « des Festes , das Feuerwerk herannahen ... Schon mahnten die Schwiegerältern , daß es passend wäre , sie führe ganz in der Stille während des Feuerwerks mit ihrem Gatten in das Palais der Stadt , das sie in der Nähe des Pasquino bewohnten - jenes alten Steinbildes , an dessen Fuß seit urältesten Zeiten die Satiren Roms angeklebt werden und von dessen Sockel die Polizei seit einigen Tagen jeden Morgen in erster Frühe Spottverse abgerissen hatte , die den Cardinal ernstlich an die Zeiten mahnen ließen , wo Sixtus der Fünfte solchen Pasquinospöttern die Zunge ausreißen ließ ... Gerade vor diesem Augenblick der Abfahrt schien aber Olympia Furcht wie zum Entfliehenmüssen zu haben ... Sie stand niemand Rede ... Dem Gatten nicht ... Dem triumphirenden - » Onkel « nicht ... Ceccone weidete sich an seinem Liebling , dessen Bewegungen und Erscheinen sich wenigstens durch das Rauschen des schweren Seidentaffetkleides ankündigten , das sie unter ihrer Brautrobe von Spitzen trug ... Noch wehte ihr wie bei der Trauung und der ersten Messe , die das junge Paar anhören mußte , wie bei den conventionellen Andachten , die den Tag über an gewissen großen Altären und bei dem Besuch Sr. Heiligkeit , um den Segen des armen mit Tüchern umwundenen Mannes zu bekommen , gemacht werden mußten , der kostbare Spitzenschleier im Haar - statt der Myrte war er jetzt von einem Kranz von Orangenblüten umgeben ... Schon welkte dieser ; schon welkten die gleichen Bouquets , die auf dem Kleide in gewissen Zwischenräumen zur Seite saßen ; die Hitze des innern Saals , wo Olympia gesessen , war zu groß gewesen ; sie riß auch und zerrte an allem , was sie hinderte ... Den bronzenen Hals schmückte ein Collier von Diamanten ... » Sie ist schön , wenn sie liebt « - hatte im vorigen Jahre die Herzogin gesagt ... Olympia liebte heute nicht ... Ein kurzer Augenblick - hinter einer großen von Hortensien gefüllten Marmorvase - und Ceccone konnte Olympien an sich ziehen und sie voll väterlicher Bestürzung fragen : Aber was hast du denn nur , mein geliebtes Kind ? Was ist dir nur heute ? ... Jettatore anche voi ! zischte Olympia mit rauher Stimme , stampfte den Fuß auf und stieß die weichen Hände des Priesters zurück ... Alle Welt will , daß ich sterben soll ! setzte sie fast weinend hinzu ... Ein solches Wort - dem » Onkel « ! ... Olympia hatte gesagt , Ceccone wäre gleichfalls ein mit dem » bösen Blick « für sie Behafteter , ein Jettatore , » wie alle Welt ! « ... Das der Dank , daß er der öffentlichen Meinung trotzte und ungeachtet aller vom Pasquino abgerissenen Satiren auf die » Donna Holofernia « , auf die Vermählung derselben mit dem jungen » Judas Ischarioth Seckelträger junior « , und ähnlicher Anspielungen scheinbar heute so sorglos und unbefangen sein Haupt erhob ... Auch er hatte ja der Sorgen genug ! Aber ihm genügte im Augenblick vollkommen der lärmende Antheil der ewigen Stadt an seiner Person ; ihm genügte die unabsehbare Wagenreihe der hohen Aristokratie und Prälatur , die bis in die dunkelsten Schatten der Landstraße hin sichtbar blieb ... Und nun ein Ausbruch solcher Nichtgenüge bei dem